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„Mitteldeutsche Zeitung“ : Und wieder schrumpft die Pressevielfalt

Halle (Saale): Blick auf das Hauptgebäude der Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung. Bild: dpa

Weniger Pluralität: Die Kölner DuMont-Mediengruppe verkauft die in Halle ansässige „Mitteldeutsche Zeitung“ an die Bauer Media Group aus Hamburg – die haben bereits das Konkurrenzblatt im Portfolio.

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          Die beiden großen Regionalzeitungen in Sachsen-Anhalt liegen künftig in einer Hand. Die Kölner DuMont-Mediengruppe teilte am Mittwoch mit, dass sie die in Halle ansässige „Mitteldeutsche Zeitung“ an die Bauer Media Group aus Hamburg verkauft. Der Bauer-Verlag besitzt bereits die Magdeburger „Volksstimme“. Beide Zeitungen verkaufen täglich eine Auflage von jeweils rund 150.000 Exemplaren. Als Kaufpreis für die „Mitteldeutsche Zeitung“ wird ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag kolportiert.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          DuMont hatte vor einem knappen Jahr angekündigt, das Zeitungs-Portfolio überprüfen zu wollen. Die „Berliner Zeitung“ ging an das Unternehmer-Ehepaar Silke und Holger Friedrich, deren Einstieg ins Verlagsgeschäft jedoch bald durch die Stasi-Vergangenheit von Holger Friedrich überschattet wurde. Die Kölner Blätter „Stadt-Anzeiger“ und „Express“ will DuMont inzwischen nicht mehr verkaufen. Über die Zukunft der gefährdeten „Hamburger Morgenpost“ will das Unternehmen noch im Januar informieren.

          Die Bauer Media Group macht ihr Geschäft mit Zeitschriften, von der „Cosmopolitan“ bis zu „TV Movie“. Die Magdeburger „Volksstimme“ ist die einzige Tageszeitung im Portfolio. Umso bemerkenswerter ist, dass Verlegerin Yvonne Bauer nun eine weitere Tageszeitung erwirbt. Regionalzeitungen wurden zuletzt eher von großen Regionalzeitungs-Verlegern wie Madsack oder Ippen gekauft, die jeweils etliche Zeitungen besitzen.

          Landespolitik sieht Verkauf mit gemischten Gefühlen

          In der Landespolitik beobachtet man den Verkauf der „Mitteldeutschen“, dem das Bundeskartellamt noch zustimmen muss, mit gemischten Gefühlen. Nach der Wiedervereinigung hatte der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher, gebürtig aus Halle, maßgeblich dafür gesorgt, dass die „Mitteldeutsche“ zu DuMont kam, während die „Volksstimme“ an Bauer ging. Der wenig transparente Prozess und die westdeutsche Dominanz führte damals in dem ostdeutschen Bundesland zu Vorbehalten. Grund zur Klage über die Verlage hatte man jedoch selten. Klagen über Eingriffe in die redaktionelle Freiheit sind nicht zu hören. Die Redaktionen leisten eine engagierte Lokalberichterstattung und begleiten die Landespolitik engmaschig und kundig.

          Die Rahmenbedingungen gestalten sich heute allerdings gerade in Sachsen-Anhalt schwierig. Auf einer Versammlung der „Mitteldeutschen Zeitung“ wurde den Mitarbeitern am Mittwoch erklärt, Überalterung und hohe Kosten für den Vertrieb seien große Bürden. Man könne diese Lasten nicht mehr alleine stemmen. Nun zähle Größe. Den besorgten, insgesamt rund 1100 Mitarbeitern, wurde jedoch nichts darüber gesagt, wen die Einsparungen treffen könnten. Spekuliert wird, dass die Verwaltung betroffen sein könnte. Auch der überregionale Teil könnte in den Blick kommen, den die „Volksstimme“ selbst produziert. Die „Mitteldeutsche“ kooperiert hier mit Madsacks „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND). Die Sorge in der Landeshauptstadt Magdeburg gilt nun dem Erhalt der kargen Pressevielfalt in Sachsen-Anhalt. „Ich bedaure, dass es keine Pluralität auf der Ebene der Herausgeber mehr geben wird“, sagt Rainer Robra, der Chef der Staatskanzlei. „Umso wichtiger ist die Wahrung der redaktionellen Freiheit der beiden Zeitungen.“

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