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Prequel zu „Game of Thrones“ : Schnitzeljagd in Wild Westeros

Haushalten: Bolton, Mormond, Highgarden oder Lannister? Fans rätseln, welche Häuser in der Vorgeschichte zu „Game of Thrones“ bereits eine Rolle spielen werden. In einer Ausstellung zur Serie in Belfast, stehen sie alle noch auf dem Spielfeld. Bild: Reuters

Phantastische Peepshow: In Nordirland dreht HBO die Vorgeschichte zu „Game Of Thrones“, und George R.R. Martin schreibt fleißig mit. In Interviews wirft er kleine Auskunftsköder aus – dabei hat er eigentlich anderes zu tun.

          Mit der Roman-Reihe „A Song of Ice and Fire“, der der Bezahlsender HBO mit der Serien-Adaption „Game Of Thrones“ (GoT) vor acht Jahren weltweite Aufmerksamkeit bescherte, ist der Autor George R.R. Martin (kurz: GRRM) nunmehr an einem Punkt, an dem jeder noch so kleine Hinweis auf das Wie und Wann der Fortführung seines Werkes für Millionen junger Menschen weltweit zu einer eisbeinharten Nachricht wird, die vermutlich schon jetzt breiter und heißer diskutiert wird als alle Finalpartien bisheriger Fußballweltmeisterschaften der Männer zusammen. Dabei warten die meisten Fans auf nichts sehnlicher als die Fortführung der Reihe, zu der bis dato fünf Bände gehören. Der vorerst letzte, „A Dance with Dragons“, erschien 2011.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Also hat der Mann ein Buch zu schreiben (und danach noch eins: „A Dream of Spring“). Aber Deadlines waren, so heißt es, noch nie seine Sache. Pünktlich zur Worldcon 2020 in Neuseeland will Martin deshalb „mit einer Ausgabe von ‚The Winds of Winter‘“ vorbeischneien, sonst dürften ihn die Fans auf „White Island“ aussetzen, bis er fertig ist, schrieb Martin zuletzt im Mai auf seinem „Not a Blog“. Tatsächlich aber mischt der Autor nebenher weiter kräftig bei der Produktion von HBOs neuestem „Game Of Thrones“-Streich mit: ein Prequel, das Tausende von Jahren vor dem „Lied von Eis und Feuer“ spielt, als Westeros, das Land der sieben Königreiche, in dem Martins Geschichte angesiedelt ist, in unzählige Kleinstaaten aufgeteilt ist und die „Lange Nacht“, in der die „White Walker“ zum ersten Mal aus der Dunkelheit treten, noch bevor steht.

          Für Drachen ist es einfach noch zu früh

          So viel zumindest verriet er „Entertainment Weekly“ in einem lose notierten Gespräch, indem es vor allem um die etwas irreführende Frage ging, welche Vorfahren großer Häuser und Fabelwesen in der vorgeschichtlichen GoT-Fortsetzung auftauchen werden – wo doch jeder zu wissen begehrt, inwiefern sich Martin mit seinen Folge-Bänden von der umstrittenen finalen GoT-Staffel abhebt. Zumal die Fans bereits verkraften mussten, dass Drachen, obgleich in der Fantasy meist die ältesten aller Wesen, im Prequel keine Rolle spielen werden. Das hatte Martin wiederum bereits im April wohldosiert in einem Interview mit dem „Hollywood Reporter“ bekannt gegeben.

          Dafür gebe es nun mehr „Schattenwölfe und Mammuts“, sagt Martin. Auch spiele die Erzählung weit vor dem Aufstieg des mächtigen Lannister-Geschlechtes. Dafür gebe es immerhin schon das spätere Anwesen des reichen Hauses: „Casterly Rock“, das auch im „Lied von Eis und Feuer“ Schauplatz vieler Grausamkeiten ist. Das sei sicher, sagt Martin, „es ist wie der Felsen von Gibraltar“. Doch werde die dort zur Zeit des Prequels residierende Familie Casterly einst von „Lann dem Schlauen“ (Lann the Clever), dem späteren Gründer des Hauses Lannister, um ihre Heimstatt gebracht. Ob diese Episode jedoch im Prequel erzählt werde, sei bisher unklar. Unklar bleibt auch, wie das neue Vorhaben überhaupt heißen soll. Martins bevorzugter Titel „Die Lange Nacht“ ist bereits der Name der dritten Folge der achten GoT-Staffel. Weshalb nun zumindest „Die längste Nacht“ im Gespräch sei, eine Variante, mit der Martin „gut leben“ könnte, wie er sagt.

          Das sind die kleinen Brocken, die der Autor den Fans des Franchise-Projektes im Verbund mit HBO hinwerfen darf und die nicht nur von den Fans gierig aufgelesen werden. Die Welt einer Art Wild Westeros nimmt so Stück für Stück Gestalt an und beflügelt auch die Phantasie der GoT-Fan-Fiction-Szene oder aber die Entwicklung von Memes auf Reddit-Kanälen wie „freefolk“, die die Hintergründe wie das Erscheinungsdatum der Bücher oder die Unzufriedenheit des GoT-Publikums mit den Drehbuchautoren David Benioff und D.B. Weiss (kurz D&D) durch mal mehr, mal minder komische Bild-Text-Collagen kommentieren. Es tut sich also mittlerweile viel mehr um Martins Werk herum, als – so scheint es zumindest – im Werk selbst. Doch warum sollte sich Martin sorgen oder hetzen lassen? Etwa ob solcher mitunter sehr ernst gemeinten Drohungen in den Kommentarspalten von Reddit: „Wenn er stirbt, bevor er die Bücher zu Ende geschrieben hat, dann bringe ich ihn um!“ Martin hat alle Zeit – aller Welten.

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