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„Jugend schreibt“-Auszeichnung : Gute Geschichten, die uns nicht entgehen dürfen

Preisträger: Sarah Reifler, Manuela Reifler, Lyn Jüstrich, Leonie Abderhalden, Daniel Eichmann, Julian Burmeister, Julie Dietsche, Lea Sager, Alina Loacker und Joey Jüstrich (von links). Im Hintergrund Karl Dietrich Seikel, Kuratoriumsvorsitzender der Fazit-Stiftung (links), und F.A.Z.-Herausgeber Jürgen Kaube. Bild: Wolfgang Eilmes

Begabte Jungautoren: Die Fazit-Stiftung hat die Preise unseres Zeitungsprojekts „Jugend schreibt“ verliehen. Die Preisträger und Preisträgerinnen stehen für außergewöhnliche Texte.

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          Das Projekt „Jugend schreibt“ findet zum dreiunddreißigsten Mal statt und versteht sich vor allem, auch wenn der Name anders lautet, als Leseprojekt. Es hat bisher rund 46.000 Schüler erreicht, die sich ein Jahr lang mit einer Qualitätszeitung und der Bedeutung seriöser Nachrichten- und Wissensvermittlung vertraut gemacht haben. Wer mag, der kann für die am Montag erscheinende Seite im Sportteil dieser Zeitung Texte nach Themen seiner Wahl schreiben und unverbindlich anbieten. 1178 Seiten sind bislang erschienen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Auch in diesem Jahr wurden besonders begabte Jungautoren mit dem Preis der Fazit-Stiftung ausgezeichnet. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Fazit-Stiftung, Karl Dietrich Seikel, und der F.A.Z.-Herausgeber Jürgen Kaube überreichten am Mittwoch im Frankfurter Konferenzraum dieser Zeitung die Urkunden.

          Jürgen Kaube würdigte die journalistische Leistung der Schüler, deren Texte thematisch eine interessante Mischung aus Fernweh und Heimatnähe spiegelten. Das zeugt von ordentlicher Recherche und solidem Handwerk der jungen Journalisten, was ganz besonders zählt in Zeiten von Fake News und erfundener Magazin-Reportagen. Einen der mit zweitausend Euro dotieren Fazit-Preise erhält Julian Burmeister vom Gymnasium Kenzingen. Der Siebzehnjährige hat fünf Aufmacher geschrieben. Er hat einen Polarforscher porträtiert, der hautnah erlebt, wie der Klimawandel die Arktis bedroht. Unter dem Titel „Wohnen, wo die Droste wohnte“ erschien seine Reportage von der Meersburg. Julian Burmeister berichtete über Naturschutz auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, schrieb aber auch über seine Heimat und stellte das Kloster St. Peter im Schwarzwald vor. An dem F.A.Z.-Projekt, so sagte Julian Burmeister, mag er besonders, „dass es die Selbstsicherheit fördert und ihm viele neue Erfahrungen ermöglicht hat“.

          Von Kindern, die sonst hungrig durch den Tag müssten

          Ebenso mit einem Preis ausgezeichnet wurde Daniel Eichmann vom Bayernkolleg Schweinfurt. Auch er erhält zweitausend Euro. Nach seiner Ausbildung als Papiertechnologe führte ihn sein „Wunsch nach Weiterbildung“ an das Kolleg, dort bereitet sich der Vierundzwanzigjährige auf das Abitur vor und hat drei überaus gelungene Texte veröffentlicht. „Kuren nach der Schlacht“, hieß sein Stadtporträt über das fränkische Bad Kissingen und Offiziere, die zu viel Heilwasser tranken. Daniel Eichmann porträtierte einen Musikredakteur und stellte die Schweinfurter Kindertafel vor. „Wie schmeckt eine Paprika?“ hieß sein Bericht über ehrenamtliche Helfer, die sich um vierhundert Kinder kümmern, die sonst hungrig durch den Tag müssten. Was Daniel Eichmann als Tipp weitergibt: „Wichtig: nicht schüchtern sein! Einfach die Fragen stellen, die vorher mit Bedacht gewählt wurden.“ Übrigens waren die Schulleiter anfangs keineswegs begeistert, als der Kindertafel-Bus auf den Schulhof bog – aus Imagegründen. Jetzt ist die Hilfsaktion ein Aushängeschild. Daniel Eichmanns Bericht hat dazu mit Sicherheit beigetragen.

          In diesem Jahr gab es eine Besonderheit: Zwei Kurse der Kantonsschule Trogen haben sich besonders engagiert. Von ihnen sind 21 lesenswerte Beiträge veröffentlicht worden, so dass sie in Frankfurt mit einem Tausend-Euro-Sonderpreis ausgezeichnet worden sind. Den Gymnasiasten des „Kanti Trogen“ ist es zu verdanken, dass die Leser immer wieder mit exklusiven Berichten aus der Schweiz versorgt wurden. Sie stellten das sogenannte „Heidi-Dorf“ vor, ein Seifenblasenhotel und ein Mehrgenerationenhaus. Sie waren auf dem Appenzeller Whiskytrek unterwegs und porträtieren einen Schweizer Gardisten aus Davos, der hilft, den Papst zu beschützen. Und die Schweizer sind sportlich, schrieben über den Winterthurer Rollsportclub, über Airboarden in Graubünden und Offroad-Kjöring im Rheintal, bei dem waghalsige Sportler mit Pferd und Skates über den Parcours jagen. Die Schweizer eroberten aber auch die Welt der Bildung und die der Wirtschaft. Sie besuchten eine Epigraphikerin, einen Appenzeller Künstler und einen Jungunternehmer, der aus dem Kohlenstoff der Kremationsasche Diamanten herstellt – was die Hinterbliebenen der Verstorbenen tröstet, wie die Schülerin notierte. Die Redaktion vergibt keine Themen, diese suchen sich die Schüler selbst. Das hat sich bewährt und sorgt für Motivation. Wir hätten sie weder auf den Whisky-Weg noch ins Krematorium geschickt – aber den Lesern wären gute Geschichten entgangen.

          Die Preisverleihung ist die Auftaktveranstaltung für den neuen Jahrgang. Die Lehrer diskutierten mit der Politikkorrespondentin Heike Schmoll, die aus Berlin angereist war, über Entwicklungen aktueller Schulpolitik, gute Ideen, aber auch experimentellen Unfug, der sich dort abspielt. Vom 1. Februar an sind wieder rund hundert neue Schulen am Start, vom klassischen Gymnasium über eine evangelische und eine katholische Schule bis zu Berufskollegs. Auch zehn Schulen aus dem Ausland machen mit, darunter Slowenien, Belgien und Spanien. Jeder der rund zweitausend Schüler erhält sein persönliches F.A.Z.-Exemplar, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine Woche als E-Paper. Einen Monat lang wird ihnen die gedruckte Ausgabe zugestellt. Die Kurse werden mit den Artikeln im Unterricht arbeiten und können – falls sie mögen oder müssen – Texte schreiben. Wie das aussieht, wenn die Artikel gelungen sind, ist nachzulesen unter: faz.net, Ressort Gesellschaft, Jugend schreibt.

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