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Preis-Jury über Relotius : Erschüttert und wütend

Noch ein Preis: 2014 gewann Claas Relotius den CNN Award Bild: Picture-Alliance

Gleich vier Mal hat Claas Relotius den deutschen Reporterpreis gewonnen, zuletzt mit dem teilweise erfundenen Stück „Ein Kinderspiel“. Jetzt hat sich die Jury des Preises erklärt.

          Der Fall des als Betrüger enttarnten, ehemaligen „Spiegel“-Redakteurs Claas Relotius erschüttert nicht nur den „Spiegel“, sondern auch die Jury des Deutschen Reporterpreises. Sie hatte Relotius im Dezember, kurz bevor er aufflog, für seinen Text „Ein Kinderspiel“ ausgezeichnet. Er gewann den Preis zum vierten Mal – für eine Geschichte über einen Dreizehnjährigen, der glaubt, er habe durch ein gegen den Machthaber Assad gerichtetes Graffito den Krieg in Syrien mit ausgelöst. Das dramaturgische Konzept des Textes, dies ergab die Prüfung des „Spiegels“ vor ein paar Tagen, war „Fiktion“. Seine vier Reporterpreise hat Claas Relotius inzwischen zurückgegeben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Wir sind erschüttert, wir sind enttäuscht, wir sind wütend und, ja, wir schämen uns, dass wir diesem Betrüger auf den Leim gegangen sind“, teilt die Jury des Reporterpreises mit. Zu ihr zählten Cigdem Akyol, Nikolaus Brender, Rainer Hank, Tina Hildebrandt, Friedrich Küppersbusch, Ines Pohl, Doreen Reinhard, Evelyn Roll, Regine Sylvester und Diana Zinkler, als Moderator fungierte Ariel Hauptmeier. Die Erklärung der Juroren für ihr Fehlurteil: Die Reportage sei „packend“ gewesen“, sagt Cigdem Akyol, Details schienen richtig, „eine wichtige Geschichte, sehr gut erzählt“. Sie sei davon ausgegangen, „dass komplett erfundene Geschichten“ es nicht in den „Spiegel“ schafften. Der Großteil der Jury, erinnert sich der frühere ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, sei „von der stilistischen Brillanz des Autors beeindruckt“ gewesen. Als „preiswürdig“ sei, so Rainer Hank, langjähriger Leiter der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, „die Art“ erschienen, „wie genial“ Relotius erzählt habe. Die „Relevanz des Themas und die dichte Erzählweise“ hätten überzeugt, sagt Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle.

          Zweifel habe es gegeben, doch habe man sie hintangestellt. „Die Reportage war ,zu schön, um wahr zu sein‘“, sagt Friedrich Küppersbusch, doch sei es „wohlfeil, darüber nun zu beckmessern“. Die Jury, so Evelyn Roll, die für die „Süddeutsche“ arbeitete, habe keine Chance gehabt, die Fälschung zu erkennen. Der Fall Relotius, so Ines Pohl, „muss uns alle erschüttern. Aber er darf uns nicht zerstören.“ Man müsse zeigen, „dass er ein Einzelfall ist“. Dies sei eine Zäsur, meint Ariel Hauptmeier. Alle müssten sich hinterfragen, handwerkliche Grundsätze, „narrative Geschlossenheit“ und „ideologische Geschlossenheit“ von Redaktionen müssten diskutiert werden. Dies will der Reporterpreis bei einem Workshop am 12. und 13. April in Hamburg tun. „Wie immer beim ,Spiegel‘“, heißt es in der Einladung.

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