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Prämien beim RBB : Zahltag

Die abberufene RBB-Intendantin Patricia Schlesinger mit dem zurückgetretenen Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Wolf-Dieter Wolf, und dessen damaliger Stellvertreterin Dorette König, aufgenommen im 11. April 2019. Bild: rbb/Oliver Ziebe

Es gibt keine Boni, sagt der amtierende RBB-Intendant Brandstäter. Aber es gibt „Zielprämien“. Das passt zu dem Bild der Selbstbedienung an der Senderspitze. Der Skandal ist längst nicht vorbei.

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          Es ist noch nicht vorbei. Und es geht noch doller. Wer geglaubt hatte, in der Causa Schlesinger seien alle krummen Dinger bekannt, die man sich ausdenken kann, sieht sich eines Besseren belehrt. Denn jetzt kommt heraus, wie das geheime Bonus-System aussieht, das die inzwischen abberufene Intendantin Patricia Schlesinger und der inzwischen zu­rückgetretene Verwaltungsratsvorsitzende Wolf-Dieter Wolf 2018 mit Hilfe der Beratungsfirma Kienbaum ausgeheckt haben sollen.

          Für die Intendantin und die vier Direktoren des RBB gibt es ein „Basisgehalt“ und ein „Grundgehalt“. Das Grundgehalt wird monatlich ausgezahlt. In null Komma nichts, beim Erreichen persönlicher Ziele, kommen zwanzig bis 25 Prozent an Prämien hinzu, plus Familienausgleich, plus geldwerte Vorteile – lauter „variable“ Gehaltsanteile.

          So etwas habe er auch bekommen, gab der geschäftsführende In­ten­dant Hagen Brandstäter vor ein paar Tagen in einer Sondersendung des RBB zu. Anschließend sagte er vor dem Hauptausschuss des brandenburger Landtags: „Im RBB gibt es kein Bonus-System.“ Bitte was? Es gibt ein solches – geheimes – System, da heißt ein Bonus nur anders, nämlich „Zielprämie“ oder „variabler Gehaltsanteil“. 27 Topverdiener, die „variabel“ bezahlt werden, beschäftigt der RBB angeblich, die Prämienbonivariable galt insbesondere für die Intendantin und die Direktoren.

          Im Verwaltungsrat ging das alles problemlos durch. Das findet die amtierende Verwaltungsratschefin Dorette König inzwischen auch denkwürdig, sagte aber – vor dem Landtag in Potsdam –, sie habe die Gehaltserhöhung für Schlesinger um 16 Prozent auf 303.000 Euro pro Jahr nicht kritisch gesehen, schließlich habe Schlesingers Vorgängerin Dagmar Reim 280.000 Euro bekommen. Wir reden in diesem Fall von den, wie es beim RBB inzwischen heißt, „Basisgehältern“. Im Fall von Patricia Schlesinger kamen 2020 nach Berechnungen des Online-Mediums „Business Insider“ rund 60.000 Euro hinzu, mit der Erhöhung im Jahr darauf dürfte sie mit all dem Firlefanz bei mehr als 350.000 Euro pro Jahr gelandet sein. Zu derlei Dingen gibt der RBB im Augenblick keine Auskunft.

          Der Verwaltungsrat, dessen Mitglieder sich fragen lassen müssen, was sie in den vergangenen Jahren eigentlich geleistet haben, zieht jetzt, wie Dorette König sagte, eine fristlose Kündigung von Patricia Schlesinger, wie sie der Rundfunkrat mit ihrer sofortigen Ab­berufung in die Wege geleitet hat, immerhin in Betracht. Damit wäre das Problem des Bereicherungssystems im RBB aber längst nicht gelöst. Wie sagt der Interimsintendant Brandstäter? Es gibt keine Boni! Von wegen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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