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„Polizeiruf 110: Fischerkrieg“ : Die Grenze zwischen Gut und Böse

Die Kommissare (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau) stellen die Tat nach. Bild: NDR

Jetzt nimmt auch der Vater von Kommissar Alexander Bukow eine dubiose Rolle ein. „Fischerkrieg“ heißt der neue Rostocker „Polizeiruf“, in dem ein weiteres Mal die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.

          Im „Polizeiruf“ ist Rostock immer die Stadt am Rand, geographisch natürlich sowieso, aber auch moralisch und sozial. Weit mehr als andernorts wimmelt es hier von prekären Gestalten, von Kleinganoven, Alkoholikern und Arbeitslosen, von armen Schluckern und einsamen Seelen. Deswegen passt auch Alexander Bukow (Charly Hübner), der verlorene Sohn, so gut hierher. Irgendwann früher, so weiß der Zuschauer aus den vergangenen Folgen, ist er mal nach Berlin gegangen, hatte dort Ärger mit der Mafia und kam zurück. So kennt Bukow sehr genau, und zwar nicht nur aus Berlin, sondern ebenso gut aus seiner Jugend in Rostock, die Unterschiede zwischen Gut und Böse. Er kennt auch die Gemeinsamkeiten, und er weiß, dass die Grenzen fließend sind.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Um diese Grenzen geht es in „Fischerkrieg“ (Regie: Alexander Dierbach, Drehbuch: Florian Oeller). Am Hafenkai liegt der Fischer Paul Thomsen, der aus nächster Nähe erschossen wurde. Er war krebskrank und hätte ohnehin nicht mehr lange zu leben gehabt. Der Verdacht fällt auf ein paar Polen, deren Kutter von Warnemünde aus in See sticht und die seit geraumer Zeit mit den einheimischen Fischern im Streit liegen. Es geht um zu enge Maschen in ihren Netzen und um Verstöße gegen die Fangquoten. Die Fischer geben den Fremden gern die Schuld daran, dass ihnen allmählich die Existenzgrundlage abhandenkommt, und so dauert es eine ganze Weile, bis deutlich wird, dass ein paar Fische vielleicht doch kein ausreichend starkes Motiv hergeben für einen Mord.

          Das Herz am rechten Fleck

          Die Lösung liegt tatsächlich viel näher, als es vor allem Kommissar Bukow lieb sein kann. Denn wer sich schon immer gefragt hat, welche Rolle eigentlich Bukows Vater Veit (Klaus Manchen) in Rostock spielt und welcher Art von Geschäften er in seiner fensterlosen Bar mit dem schönen Namen „Veits Klub“ nachgeht, der wird in dieser Folge eine Antwort erhalten. Der Vater ist das rauhe Pendant zum nicht weniger rauhen Sohn. Die Weisheit vom Apfel und dem Stamm ist, obgleich natürlich abgedroschen, hier doch nicht weit. In Abgebrühtheit stehen sie sich in nichts nach, genauso wenig, was das wenig Zimperliche in Aussehen und Habitus angeht.

          Außerdem strahlen beide die Gewissheit aus, dass sie bei all der gepflegten Brüll-Ästhetik das Herz doch am rechten Fleck haben. Zigarettenhandel, Hehlerei und Menschenschmuggel - alles, was man dem Vater anlastet, verliert, wenn er darüber spricht, bald den Anschein des Unrechts. Menschenschmuggler, wird er sagen, die hat man doch früher, zu DDR-Zeiten, noch viel freundlicher als „Fluchthelfer“ bezeichnet. Und darauf weiß dann wirklich niemand mehr etwas zu entgegnen.

          So ist dieser sehr gut komponierte „Polizeiruf“ ein Film, der sich in einem Spannungsfeld von vielerlei privaten und beruflichen Interessen bewegt, der viele Fäden spinnt, verliert, wiederaufgreift oder ins Offene laufen lässt. Dass sich Alexander Bukows Frau Vivian (Fanny Staffa) so gut mit dem Kollegen Thiesler versteht (Josef Heynert), ist eine dieser Fährten. Dass Bukows Vater dem Sohn Geld schenken will, damit der mal wieder ein schönes Wochenende mit seiner Frau verbringen kann, und dass Bukow dieses Ansinnen ablehnt, ist eine andere. Dass Kommissarin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) sich ihrem Partner schließlich auf eine Weise anvertraut, wie sie es noch nie getan hat, muss man dann kaum mehr erwähnen. „Fischerkrieg“ ist einfach ziemlich gut gelungen.

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