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Polizeigewalt in Belarus : Hacker wollen brutale Polizisten identifizieren

Polizisten nehmen in Minsk eine Demonstrantin fest. Bild: dpa

Daten gegen Schläger: Der Computerspieldesigner Andrew Maximow will von Kalifornien aus gewalttätige Polizisten in Belarus identifizieren. Kann damit weitere Gewalt verhindert werden?

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          Die Brutalität der belarussischen Sonderpolizisten, die seit Wochen friedliche Demonstranten verprügeln, wirft auch für Beobachter in Russland, wo mehrfach friedliche Proteste gegen Wahlfälschung mit Polizeigewalt niedergeschlagen wurden, die Frage nach der Quelle von so viel, teilweise lustvoll ausgelebtem Sadismus auf. In einer Sondersendung mit dem Titel „Was uns grausam macht“ ließ der Journalist Alexej Piwowarow auf seinem Youtube-Kanal „Redakzija“ von pensionierten Polizisten und Juristen erklären, dass einerseits die Bereitschaft der potentiellen Schläger, sich unterzuordnen, Befehle auszuführen und Teil eines Kollektivs zu werden, Gewaltexzessen Vorschub leistet, vor allem aber das Wissen um die eigene Straffreiheit.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wichtig sei zudem die soziale Anonymität der maskierten Häscher, die so jeglicher Verantwortung für ihr Tun entbunden würden, sagt der belarussische Schriftsteller Viktor Martinowitsch. Ein Maskenverbot für Ordnungshüter würde die Gewalt auf den Straßen seines Landes augenblicklich stoppen, ist er überzeugt. Doch während es bisher nur in Einzelfällen gelang, prügelnden Polizisten die Skimasken abzureißen – was die muskulösen Männer augenblicklich in davonrennende Angsthasen verwandelte –, arbeiten belarussische „Cyberpartisanen“ daran, aggressive Polizisten, die von Demonstranten als „Faschisten“ oder „Unterdrücker“ („karatel“) geschmäht werden, zu deanonymisieren.

          Hacker haben die persönlichen Daten Tausender Mitarbeiter des Innenministeriums gesammelt und auf dem Portal narushitel.org sowie auf dem Telegram-Kanal „karateli belarus“ publiziert. Dass obendrein mittels automatisierter Gesichtserkennung gewalttätige Polizisten trotz Masken identifiziert und ihre Taten der Nachwelt überliefert würden, versprach nun der aus Belarus stammende Computerspieldesigner Andrew Maximow, der in Los Angeles lebt, in einer Videoadresse, die schon mehr als eine Million Mal angeschaut wurde. Der bärtige Maximow, der zu langem Haar eine Strickmütze trägt, rät Polizisten, denen ihre Chefs befehlen, das Volk zu verprügeln, weil es angeblich von Marionettenführern für feindliche Zwecke instrumentalisiert werde, lieber selbst nachzudenken, auf die Demonstranten zuzugehen und sie nach ihren Beweggründen zu fragen.

          Der dreißig Jahre alte Maximow vergleicht die Belarussen mit einer Familie, von der die Polizeischläger sich lossagten. Er prophezeit ihnen, dass ihre Kinder sie einst fragen würden, warum sie, ohne nachzudenken, durch verbrecherisches Tun Schande über sich gebracht hätten. Dazu zeigt er Fotos von maskierten und auf Demonstranten einschlagende Polizisten, deren unverhüllte Gesichter mit Hilfe einer Suchfunktion aus einer Datenbank gefischt werden.

          Freilich sei sein Algorithmus noch in Arbeit, sagte Maximow dem Portal „Meduza“. Er scheint auf die Daten von „karateli belarusi“ zurückzugreifen, die meisten von ihm vorgeführten Polizisten waren zuvor dort aufgetaucht. Die Programmierer mussten auch schon falsche Identifikationen korrigieren. Doch die psychologische Wirkung sei jetzt schon enorm, erklärt der belarussische IT-Unternehmer Jaroslaw Lichatschewski, der, in den Niederlanden lebend, die Stiftung Bysol gegründet hat, die ausstiegswilligen Ordnungshütern finanziell und juristisch beisteht. Seit Beginn der Kampagne zur Identifizierung gewalttätiger Polizisten hätten mehr als tausend von ihnen ihre Bereitschaft bekundet, den Dienst zu quittieren.

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