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Nach Angriff auf ZDF-Team : Mit Füßen getreten

Bedankte sich für die Solidarität nach dem Angriff: „heute-show“-Reporter Abdelkarim am ersten Mai bei den Dreharbeiten in Berlin. Bild: EPA

Die Berliner Polizei ermittelt nach der Attacke auf das Team der „heute-show“ gegen eine Gruppe von etwa 15 Personen. Die Bundesregierung kritisierte den Angriff scharf. Auch Moderator Oliver Welke meldet sich zu Wort.

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          Die Bundesregierung hat den Angriff auf ein Team der ZDF-Satiresendung „heute-show“ in Berlin scharf kritisiert. Bei der Attacke am Maifeiertag waren Kameraleute des ZDF und Sicherheitsmitarbeiter, die sie begleiteten, verletzt worden. Das Team war für einen Beitrag über eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen unterwegs.

          „Wer Journalisten angreift, bedroht, verletzt, der steht weit außerhalb unserer demokratischen Ordnung und der muss uns alle gegen sich haben“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Wir sehen seit längerem, dass Extremisten aller Richtungen die Pressefreiheit, eines unserer wichtigsten Grundrechte, buchstäblich mit Füßen treten“, sagte Seibert. Es sei traurig, dass die Begleitung durch Sicherheitsleute für Journalisten bei vielen Demonstrationen heute schon obligatorisch sei.

          Die Berliner Polizei ermittelt gegen eine Gruppe von etwa fünfzehn Personen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Mitglieder der Gruppe werden verdächtigt, sechs Mitarbeiter des ZDF angegriffen und fünf verletzt zu haben, heißt es in einer Pressemitteilung der Berliner Polizei und der Generalstaatsanwaltschaft Berlin.

          Die Täter seien auch mit einer Metallstange auf das ZDF-Team losgegangen. Zunächst waren sechs Tatverdächtige festgenommen worden, die am Samstag wieder freigelassen wurden. Es sei kein Haftbefehl erlassen worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mit. Die Tatverdächtigen gehören den Ermittlern zufolge dem linken Spektrum an. Ob das mit der Tat zusammenhängt und welche Rolle die „Hygiene-Demo“ auf dem Rosa-Luxemburg Platz spielt, dazu wird ermittelt. Das siebenköpfige ZDF-Team hatte am Freitagnachmittag bei einer Demonstration gegen die Corona-Regeln gefilmt, an der auch Rechtspopulisten und Anhänger von Verschwörungstheorien teilgenommen hatten. Aus Sicherheitskreisen hieß es am Montag, eine der polizeilich bekannten Personen sei seit 2015 als „Gewalttäter“ aus dem linken Spektrum bekannt. Ermittelt wird durch den für politisch motivierte Taten zuständigen Staatsschutz des Landeskriminalamtes (LKA) wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Die Kriminalpolizei will nun „Bildmaterial“ auswerten, das die Tat, die Umgebung und die Bewegungen der Täter vorher und nachher zeigt.

          Einen Tag nach dem Angriff hatte sich der für die „heute show“ arbeitende Reporter Abdelkarim, der unverletzt blieb, auf Twitter gemeldet und sich für die Anteilnahme bedankt. „Auf allen Kanälen kamen Nachrichten von vielen Menschen“, schrieb er. „Vielen Dank auch allen Zeugen, den Polizisten und Rettungssanitätern und den drei übermenschlichen Sicherheitsleuten aka Gladiatoren für die große Hilfe“, schrieb er. In der ZDF-„heute“-Sendung am Montag sagte Abdelkarim, die Angreifer seien „von jetzt auf gleich“ da gewesen. Sie hätten auch auf Teammitglieder eingetreten, die auf dem Boden lagen, und sie ins Gesicht geschlagen. Einen solchen Anschlag habe er zuvor nicht für möglich gehalten.

          Am Montag äußerte sich auch der Moderator der „heute show“, Oliver Welke, auf Twitter, und bedankte sich für die „Welle der Solidarität“. „Wir erleben bei Dreharbeiten gelegentlich eine gewisse Grundaggressivität: Man wird mal geschubst, angerempelt oder beschimpft. Dass aber ein Team so enthemmt angegriffen wird, mit Tritten gegen wehrlos am Boden Liegende, ist neu und furchtbar“, so Welke. Es sei unklar, ob das Team „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen sei oder ob es sich um eine gezielte Reaktion auf die Dreharbeiten bei der „Hygiene-Demo“ gehandelt habe.

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