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Politserien und ihre Wirkung : Sie kennen mich – aus dem Fernsehen

Taugt nicht als Vorbild: In der finalen Staffel von „House of Cards“ steht die Präsidentin Claire Underwood (Robin Wright) ihrem Ex-Mann Francis in nichts nach. Bild: Netflix

Wenn Fernsehen Politik macht und umgekehrt: Politserien sind von „Westwing“ bis „Marseille“ seit 2000 ein beliebtes Format. Heute könnte erstmals ein Schauspieler einer solchen Serie Präsident der Ukraine werden.

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          Ein Schauspieler spielt in einer Fernsehserie den Präsidenten. Die Serie ist beliebt im Land und er wird es auch. Ende des vergangenen Jahres veröffentlicht er eine Videobotschaft: „Ich verspreche Ihnen, liebe Ukrainer, dass ich als Präsident kandidiere. Und erkläre hiermit offiziell, ich trete an.“ Da fragten sich viele im Land: Verwischt da einer die Grenzen zwischen Fiktion und Realität, um für die neue Staffel der Serie, die wenige Wochen später begann, zu werben? Viereinhalb Monate später hat Wolodomir Selinskij gute Chancen, wirklich Präsident der Ukraine zu werden. An diesem Sonntag könnte der Comedian die Stichwahl gegen Amtsinhaber Petro Poroschenko gewinnen. Nachdem Politik in den vergangenen Jahren immer häufiger zum Gegenstand von erfolgreichen Fernsehserien wurde, könnte nun eine Politserie das Land und seine Politik grundlegend verändern.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Anfang 2000 begann sich das Genre der Politserien mit der amerikanischen Serie „The West Wing“ (1999) zu etablieren: Ein sympathischer Präsident namens Jed Bartlet, gespielt von Martin Sheen, hielt überzeugende Reden und rang mit sich und seinem ebenso sympathischen Stab im Weißen Haus um Recht und Moral. Die Einschaltquoten waren hervorragend; eine Umfrage besagte, dass vierzig Prozent der Amerikaner Jed Bartlet für den besseren Präsidenten hielten. Er erschien ihnen als gelungener Gegenentwurf zum echten Präsidenten George W. Bush. Forscher befragten Zuschauer von „The West Wing“ bevor sie die Serie schauten und danach, wie sie die Arbeit des Präsidenten George W. Bush beurteilen. Das Ergebnis: Wer „The West Wing“ gesehen hatte, bewertete die Arbeit Bushs positiver als jene, die die Serie nicht gesehen hatten. Die Forscher folgerten daraus, die Serie habe das Potential bei den Zuschauern das Verständnis für die Zwänge der Politik zu erhöhen. Damit würde die Serie, wie eine Werbung für das Amt des amerikanischen Präsidenten funktionieren – aber nicht für den Präsidenten selbst.

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