https://www.faz.net/-gqz-6whsz

Politische Skandale in ausländischen Medien : Fragen an das Staatsoberhaupt

  • Aktualisiert am

Mit dem Fernsehen erreicht man ein großes Publikum. Doch dient es auch der Aufklärung, wenn sich die Mächtigen dort erklären? Nicht nur in Deutschland ist das eine Seltenheit.

          6 Min.

          Jerusalem: Donnerstag, den 5. Januar, wurde in Israel wegen Korruption Anklage gegen Ehud Olmert erhoben. Dem früheren Ministerpräsidenten hält die Staatsanwaltschaft vor, Schmiergelder angenommen zu haben - es ist seine vierte Anklage dieser Art. Anfang Dezember musste Mosche Katsav ins Gefängnis. Den einstigen Staatspräsidenten hatte ein Gericht wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu sieben Jahren Haft verurteilt; Katsav teilt seine Zelle nun mit dem wegen Korruption einsitzenden ehemaligen Gesundheitsminister Schlomo Benizri. In Israel kann auch das Staatsoberhaupt auf keine besondere Schonung hoffen, sobald die Presse anfängt zu recherchieren. Bohrende Nachfragen und der Druck der Medien trugen wesentlich dazu bei, dass sich so viele prominente Politiker in den vergangenen Jahren vor Gericht und einige von ihnen im Gefängnis wiederfanden.

          Katsav hatte sein Verfahren anfangs selbst in Gang gebracht. Noch als Präsident wollte er „seine Ehre wiederherstellen“, nachdem ihm unterstellte Frauen ihn sexueller Übergriffe beschuldigt hatten. Er konnte sich nicht im Amt halten und musste wenige Monate vor dem Ende seiner Amtszeit zurücktreten. Katsav warf später besonders den israelischen Medien vor, ihn politisch „hingerichtet“ zu haben. Seine Anwälte baten deshalb darum, ihn von der Haft zu verschonen, da der einst erste Bürger des Staates durch seinen tiefen Sturz gestraft genug sei. In diesen Tagen muss in Israel ein anderer führender Politiker um sein Amt fürchten. In wenigen Wochen will die israelische Generalstaatsanwaltschaft darüber entscheiden, ob sie Anklage gegen Außenminister Avigdor Lieberman erhebt. Gegen ihn wird wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten ermittelt, die zu einem großen Teil in der Presse bekanntgeworden waren.

          Hans-Christian Rößler

          *************************************************

          London: Die britische Königin hat kurz vor dem Jahreswechsel Repräsentanten der Medien im Buckingham-Palast empfangen, sie mit winzigen Canapés und Champagner bewirtet und rund eineinhalb Stunden mit ihrer eigenen sowie der Anwesenheit ihres Sohnes, dessen Gattin, des Enkels William und seiner noch immer frisch angetrauten bürgerlichen Prinzessin Kate beehrt. Den Anlass der überaus seltenen Ehre bot das diamantene Thronjubiläum der Monarchin, das in diesem Jahr aufwendig gefeiert wird und über das - so die Hoffnungen des Palastes - ebenso aufwendig berichtet werden möge. Indirekte Ermunterungen wie diese sind das äußerste Mittel, zu dem die Öffentlichkeitsarbeit der Monarchie greift, um das Interesse der Presse in gewisse Bahnen zu lenken.

          Zwar ist die Institution auf das Wohlwollen der Bevölkerung angewiesen, um ihren dauerhaften Bestand zu sichern, doch enthält sie sich traditionellerweise aller direkter Stellungnahmen, Kommentare, Einsprüche oder gar Klagen gegen Berichte und Veröffentlichungen. Selbst wenn die Grenzen des guten Geschmacks oder die Persönlichkeitsrechte der Mitglieder des Königshauses verletzt werden, was die britischen Boulevardzeitungen häufiger unternehmen, verzieht „der Palast“ keine Miene. Es kann allerdings zu Situationen kommen, in denen die politisch gewählte und dem Wählern verantwortliche Regierung, die ja die hoheitlichen Akte der Königsfamilie lenkt, empfindlich reagiert. So geschah es wohl in diesem Sommer, als Prinz Andrew, Herzog von York, seine öffentliche (unbezahlte) Funktion als britischer Sonderbotschafter in Wirtschaftsfragen niederlegte, nachdem vielfältige Berichte über unpassende Freundschaften und Freundschaftsdienste erschienen waren, die den zweiten Sohn der Königin betrafen. Unter anderem ging es um den Landsitz Andrews in Surrey, für den ein kasachischer Geschäftsmann dem Prinzen fünfzehn Millionen Pfund gezahlt haben soll - drei Millionen mehr, als Andrew als Verkäufer zunächst selbst verlangte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unter Korruptionsverdacht : Früherer König Juan Carlos verlässt Spanien

          In einem Brief teilt der ehemalige spanische Monarch seinem Sohn mit, dass er das Land verlassen will. Juan Carlos ist in einen Finanzskandal verstrickt. Mit dem Schritt erspart er Felipe VI. eine schwere Entscheidung.
          Thomas Griesel, 34, mittlerweile Chef von 7000 Hello-Fresh-Mitarbeitern in 14 Ländern

          Hello Fresh : „Wir können noch mehrere hundert Prozent wachsen“

          Hello Fresh ist der Shootingstar am deutschen Aktienmarkt. Gründer und Vorstandsvorsitzender Thomas Griesel spricht im Interview über hungrige Bauarbeiter, Gewinne durch Corona und sein Verständnis als Weltmarktführer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.