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Manipulationen weltweit : Facebooks Prios

Politischer Missbrauch seiner Plattform interessiert ihn nicht überall auf der Welt: Mark Zuckerberg im Oktober 2019 in Washington Bild: dpa

Facebook brüstet sich mit dem Kampf des Unternehmens gegen politische Desinformation in seinem sozialen Netzwerk. Das interne Memo einer scheidenden Mitarbeiterin zeigt, welche Grenzen dieser Kampf hat.

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          Tausende gefälschter Profile, um die politische Opposition in Aserbaidschan zu schikanieren, Tausende, um im Sinne des Präsidenten von Honduras das eigene Volk in die Irre zu führen, Millionen Fake-Reaktionen auf Posts zu den Wahlen in Brasilien vor zwei Jahren, Manipulationen in der Ukraine, in Indien, in Bolivien und Ecuador: Wer glaubte, koordinierte Desinformation, gezielte Beeinflussung von Wählern oder Beschädigung politischer Gegner bei Facebook seien vorrangig ein Problem der Vereinigten Staaten mit einigen Ablegern in Westeuropa, hat sich getäuscht. Wer glaubt, bei Facebook habe sich einfach nur niemand um die Probleme des Rests der Welt gekümmert, kommt der Sache schon näher.

          Es hat sich jemand darum gekümmert: eine Informatikerin im Bereich der Facebook Site Integrity, befasst mit koordinierten Versuchen politischer Einflussnahme. Ihr Name ist Sophie Zhang. In diesem Monat wurde sie nach drei Jahren im Unternehmen gefeuert. Eine Abfindung von vierundsechzigtausend Dollar hat sie ausgeschlagen, weil das Geld an ein Schweigegelübde geknüpft gewesen wäre. Stattdessen hat sie an ihrem letzten Arbeitstag ein sechstausendsechshundert Wörter langes Memo unternehmensintern veröffentlicht, aus dem das Online-Magazin „Buzzfeed News“ zitiert. Sophie Zhang beschreibt, was es heißt, in einem globalen Unternehmen zu arbeiten, das sich für Probleme nur dann interessiert, wenn sie PR-relevant sind. Was es heißt, in dem für Facebook weniger wichtigen Teil der Welt orchestrierte Angriffe auf die Demokratie zu registrieren und sich unter dem eigenen Arbeitsdruck dafür entscheiden zu müssen, Vorgänge in kleineren Ländern nicht genauer zu untersuchen.

          Neun Monate hat es gedauert, bis die Facebook-Oberen sich dazu durchringen konnten, gegen eine präsidentiell abgesegnete Desinformationskampagne in Honduras vorzugehen; zwei Wochen, bis das Kampagnennetzwerk in ähnlicher Stärke wieder aufgebaut war. In den Nachrichten hörte Zhang von Massenprotesten mit Dutzenden Toten in Bolivien oder von Tausenden Toten durch das Krisenmanagement der Corona-Pandemie in Ecuador und musste sich fragen, ob sie etwas hätte ändern können. „Ich habe Blut an meinen Händen“, schreibt Sophie Zhang. Dabei hatten sich Kollegen schon befremdet gezeigt über ihren Kampf für solche kleinen Länder. Menschliche Arbeitskraft sei eben begrenzt, wurde ihr zu verstehen gegeben. Wenn sie ihr Engagement nicht aufgebe, müsse sie gehen.

          Sie ist gegangen. Nicht ohne ihre ehemaligen Kollegen dazu aufzurufen, bei Facebook zu bleiben und das Unternehmen von innen zu reparieren. Doch ein Konzern, der sich nur ums eigene Image kümmert und der immer wieder nach den immergleichen Beteuerungen, diesmal verstanden zu haben, an seiner politischen Verantwortung scheitert, ist auch durch die engagiertesten Mitarbeiter nicht zu retten.

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