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„Polar Sea 360 Grad“ bei Arte : So sieht das Fernsehen der Zukunft aus

An diesem Eisberg könnte manches zerschellen: Bei Arte kommen wir aber elegant und in 3D um alle Tiefkühlklippen herum Bild: Richard Tegnér / ZDF

Einmal durch die Arktis, ohne festzufrieren. Der Klimawandel macht es möglich, und bei Arte bekommen wir die Reise durch die Nordwestpassage auch noch in 3D geboten: Abenteuerfernsehen vom Feinsten - und zugleich ein multimedialer Blick ins Morgen.

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          Die Nordwestpassage nehmen, auf einer Reise quer durchs arktische Meer von Island nach Nordamerika, vorbei an kalbenden Gletschern, die krachend einst ewiges Eis in die Vergänglichkeit entlassen, vorbei an Walen, Eisbären und Inuit-Siedlungen, um nach Wochen auf See eine Strecke bezwungen zu haben, die bis vor einem Menschenleben allenfalls Abenteurer und Entdecker wie Roald Amundsen überlebten - drei schwedischen Hobbyseglern steht die Sehnsucht in den Augen, als sie von diesem Plan erzählen. Später, als sie ihn mit ihrer Fünf-Meter-Yacht wahrmachen und wir sie in Kevin McMahons multimedialer Dokumentarreihe „Polar Sea 360 Grad“ begleiten, zeigen ihre Blicke immer neues Erstaunen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Und nicht nur ihre Blicke. Denn die Arktis, wie sie Arte uns in McMahons exzellenten Filmen zeigt, ist ein belebter Ort. Seit die Eispanzer der Polarkappen schmelzen, verwandeln die Sommermonate den einst fast unpassierbaren Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik in schiffbares Gewässer. Wo Wasser und Land das Eis verdrängen, wird die Nordwestpassage zum Ausflugsziel für Ambitionierte.

          Längst ist sie der Mount Everest der Meeresbegeisterten: In Sichtweite der drei Segler schlängelt sich eine Familie mit angeheuerten Skippern auf einem Katamaran durch das Labyrinth der Eisberge und reisen Hundertschaften meist älterer Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse gen Westen. Laufbandfitness vor Packeiskulisse - Tourismusroutine, während den Seglern im Sturm der Gedanke: „Wenn ich über Bord gehe, sterbe ich“, durch die Köpfe schießt.

          Der Weg wird frei zu neuen Erölquellen

          Die Perspektiven wechseln, der Horizont erweitert sich stetig. Auf Station an Land begegnen wir Klimaforschern und anderen Wissenschaftlern, die etwa erforschen, wie das Schwinden der Eisschicht die Arktis dazu bringt, sich anzuheben. Das Gestein dehnt sich aus, zentimeterweise, jedes Jahr. Der Weg wird frei zu neuen Erdölquellen, Aluminium- und Uranvorkommen. Grönländer und Inuit sind hin- und hergerissen zwischen wirtschaftlich verlockenden Aussichten und der Furcht, ihren Lebensraum an den Klimawandel und die Rohstoffindustrie zu verlieren.

          Robbe auf Grönland Bilderstrecke
          Robbe auf Grönland :

          Die Antwort darauf, was zu tun ist, weiß auch der Klangkünstler nicht, den wir dabei beobachten, wie er Eis zu Instrumenten schnitzen lässt und zum Klingen bringt. Seine Musik verleiht der Kulisse aus Eisgiganten und Gletscherlandschaften wieder etwas von der Fremdheit, die mit jedem Fotohandybild verlorengeht.

          Das Eismeer war einmal ein erhabener Anblick, aber seit Caspar David Friedrich es so malte, ist viel Zeit vergangen. Die neue visuelle Überwältigungsstrategie heißt virtual reality. Mit dieser betritt die multimediale Dokumentation Fernseh-Neuland. Neben umfassendem Zusatzmaterial im Netz - Karten, Logbücher, animierte Grafiken, weitere Videos - bietet Arte eine kostenlose App. Wer sie auf seinem Smartphone oder Tablet-Computer öffnet und sich mit dem Mobilgerät in der Hand bewegt, kann neun von der Firma Deep Inc. produzierte Filmsequenzen in Rundumsicht anschauen: einen Helikopterflug oder einen Gang über den Luxusliner.

          Mit einer Oculus-Rift-Brille (oder Pappmodellen, für die es Bausätze im Internet gibt, und in die man das Smartphone schiebt), wird ein Abstecher in eine virtuelle Welt daraus, die der Ferne täuschend ähnlich sieht. Aufwendiger kann Fernsehen kaum sein, mehrere Teams filmten unter schwierigsten Bedingen mit Spezialkameras. Es könnte das Fernsehen der Zukunft sein. Wenige erleben noch echte Abenteuer da draußen, viele tauchen in ihre immer perfektere Simulation ein.

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