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Poker im Fernsehen : Zocken mit den Superstars

  • -Aktualisiert am

Die Heroisierung prominenter Protagonisten wird medial noch verstärkt. In den Spots von Online-Pokeranbietern - sie heißen etwa „Party Poker“, „Full Tilt Poker“ oder „Poker Stars“ - findet man bekannte, durch exklusive Werbeverträge gebundene Spieler, die in Zeitlupe agieren oder durch Schwarzweiß-Aufnahmen ins Mythische stilisiert werden. Ein verlorenes Blatt wird so zur Tragödie, der lässig hingeworfene Spielchip zur heroischen Kampfansage an all die Kontrahenten.

Charmante „Lady Horror“

Ferguson setzt auch hier wieder den Maßstab. Aus drei Metern Entfernung kann er, assistiert von jungen Damen, mit einer handelsüblichen Spielkarte Gurken und Bananen, Karotten und Melonenscheiben schneiden - auf der Videoplattform YouTube sind solche Szenen ein Renner. Und doch wird die Identität der Pokerhelden mit Bedacht relativiert. Jenseits des Spieltisches - und für einen Werbeclip perfekt in Szene gesetzt - wird aus „Jesus“ wieder Ferguson. „Lady Horror“ gibt ihre Interviews als charmante Katja Thater. Die Botschaft ist eindeutig: Pokerhelden sind auch nur Menschen, jeder Mensch aber kann ein Pokerheld sein.

Diese Formel ist auch bei Stefan Raab angekommen. Dessen Produktionsfirma Brainpool TV, die ein Gespür für publikumsträchtige Konzepte besitzt, stellt in der von ihr inszenierten „TV Total Pokerstars.de-Nacht“ prominenten Spielern einen so genannten „Online-Qualifikanten“ gegenüber, der sich vorher qualifizieren muss. Bisweilen siegt dann der Nobody tatsächlich über die Stars. Und auch dieses Mal ist die Botschaft klar: Lerne Poker spielen, dann wirst du reich, berühmt und stehst im Rampenlicht.

Ein Selbstversuch im Online-Poker

Kaum verwunderlich, dass all dies einen wahren Boom ausgelöst hat. Pokermessen verzeichnen Besucherrekorde, Vereine sprießen aus dem Boden, doch vor allem floriert der Online-Poker. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann man im Internet alle denkbaren Varianten spielen. Gibt man das Stichwort bei einer Internetsuche ein, ist die Anzahl der Anbieter von Partien erdrückend. Da die Eintrittsschwelle ins Online-Pokern bewusst gering gehalten wird - um Geld muss man nicht sofort spielen, es gibt Spielwährungen zum Üben - habe ich einen Selbstversuch im Pokern begonnen. Entschieden habe ich mich zunächst für den Online-Anbieter, der Ferguson sponsert: Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, einmal gegen „Jesus“ zu spielen.

Nach einer kurzen Registrierung darf ich mir einen „Avatar“, mein virtuelles Alter Ego, aussuchen - ich wähle einen Afroamerikaner mit Afrofrisur, um möglichst cool zu wirken und meine Unsicherheit nicht merken zu lassen. Das folgende Menü ist anfänglich etwas unübersichtlich, doch Partien mit niedrigem Einsatz sind leicht zu finden. Mit tausend Einheiten der Onlinewährung betritt man den ersten virtuellen Spielraum. Am Las Vegas-Tisch sitzen bereits eine attraktive Teufelslady mit roten Hörnchen, ein Gartenzwerg und eine Siamkatze. Sie lassen Spielkarten und Chips über den Tisch huschen. Der Versuch, dem Spielgeschehen zu folgen, scheitert zunächst kläglich. Die erfahrenen Mitspieler setzen oder passen zu schnell, als dass ein Anfänger gleich folgen könnte.

Schließlich traue ich mich doch. Meine Unerfahrenheit verlangsamt die folgenden Partien beträchtlich. Die Mitspieler aber beschweren sich nicht. Ein Lerneffekt tritt schnell ein. Per Knopfdruck stehen nur gerade verfügbare Spieloptionen zur Auswahl, was die Entscheidungen erleichtert. Mit den Siegen kommt das Spielgeld, plötzlich hat sich das Budget auf fast dreitausend Spieleinheiten erhöht. Disziplin ist das Geheimnis des Erfolgs: Schlechte Blätter darf man einfach nicht spielen. Doch dann werde ich leichtsinnig. Bei einem gewachsenen Budget kann man ja etwas gewagter spielen. Dies jedoch ist der Anfang vom Ende. Genau so schnell, wie das virtuelle Geld gewonnen wurde, ist es auch wieder weg. Dafür besitzt man nun eine Erfahrung mehr.

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