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DAB+ breitet sich aus : Startschuss für digitales Privatradio

Das Digitalradio DAB+ findet von Jahr zu Jahr mehr Anklang. Bild: Tunze

Jetzt können sich Radioanbieter um einen der maximal sechzehn Plätze einer neuen Plattform für Digitalradio bewerben. Im Herbst soll der Sendebetrieb beginnen. Das dürfte dem deutschen Digitalradiomarkt Auftrieb geben.

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          Auf dem deutschen Privatradio-Markt ist buchstäblich High Noon: Von diesem Montag an nämlich nimmt die in Leipzig ansässige Agentur „National German Radio“ Angebote von Bewerbern entgegen, die einen der maximal 16 Plätze auf der neuen Plattform für bundesweit gesendetes, digitales Privatradio der neuen Technik „DAB+“ belegen wollen. Ihr Interesse bekunden können sich bis Ende März schon auf dem Markt vertretene Anbieter ebenso wie branchenfremde Unternehmen, die neu in den deutschen Radiomarkt einsteigen wollen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Vergeben werden die Plätze auf zehn Jahre, mit einer Option auf weitere zehn. Der Betrieb eines Digitalkanals wird mit technischen Kosten von rund einer Million Euro pro Jahr veranschlagt. Bis Ende Juni soll die Auswahl zwischen den Bewerbern getroffen sein, zur Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin Anfang September soll der Sendebetrieb starten.

          Betrieben und verwaltet wird die Digitalradio-Plattform von dem Konsortium „Antenne Deutschland“, zu dem sich die Unternehmen Absolut Digital und Media Broadcast zusammengeschlossen haben. Eine gewisse, noch nicht bezifferte Zahl von Programmen will Antenne Deutschland selbst entwickeln. Bei der Zusammenstellung des Kanalangebots wollen „National German Radio“ und Antenne Deutschland drei Körbe bilden: einen für Programme, die sie selbst mitentwickeln; einen für Sender, zu denen bereits Kontakte bestehen, und einen für Neueinsteiger. Im Ergebnis soll ein vielfältiges, innovatives Angebot mit neuen Formaten bestehen, zu dem zum Beispiel auch ein sprachlastiges „Talk Radio“, wie man es aus den Vereinigten Staaten kennt, gehören könnte.

          Vielfalt zu schaffen und niemanden zu diskriminieren, darauf lautet die Vorgabe der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM). Diese hatte den Belegungsauftrag für die DAB+-Plattform für Privatsender, den sogenannten „zweiten Bundesmux“ (Bundesweiter Digital-Multiplex), nach einem Auswahlverfahren schon 2017 an das Konsortium Antenne Deutschland vergeben. Ein unterlegener Bewerber, die Digital Audio Broadcasting Plattform, klagte jedoch gegen die Entscheidung und bekam vor Gericht in erster Instanz recht. Die Lizenzvergabe wurde für mangelhaft befunden. Es drohte, dass die Landesmedienanstalt den Prozess ganz von vorn beginnen müsste. Der Gerichtsstreit ging per Sprungrevision vor das Bundesverwaltungsgericht. Ende Januar dieses Jahres einigte sich die Landesmedienanstalt dann mit dem unterlegenen Bewerber Digital Audio Broadcast außergerichtlich. Das erst machte den Weg frei für den ursprünglich schon für 2019 vorgesehenen Start des bundesweiten privaten Digitalradio-Bouquets, das die Firma Antenne Deutschland betreut.

          Bedeutsam ist dies insbesondere, weil es den regional geprägten deutschen Radiomarkt, der im Jahr rund 700 Millionen Euro Nettowerbeumsatz generiert, erweitert. Das geschieht, indem national empfangbares Privatradio in großem Stil etabliert wird und für internationale Unternehmen interessant gemacht wird. Auf dem vor acht Jahren gestarteten „ersten Bundesmux“ befinden sich 13 Programme – neun private und vier Angebote des öffentlich-rechtlichen Deutschlandradios. Nun kommen bis zu 16 neue bundesweite DAB+-Kanäle dazu. Beobachter hoffen darauf, dass dies dem Digitalradiomarkt den Schub zum Durchbruch bringt. Rechnet man national und regional ausstrahlende Digitalradiosender zusammen, kommt man – je nach Sendegebiet – zurzeit auf ein Gesamtangebot von 35 bis 90 Programmen. Dem zweiten Multiplex sollen in den Bundesländern eine ganze Reihe regionaler DAB+-Multiplexe folgen. So soll binnen zehn Jahren der jetzt bestehende UKW-Radiomarkt vom Digitalradio abgelöst und erweitert werden. Dazu beitragen wird, dass vom 1. Januar 2021 an nur noch Radios im Handel sein dürfen, die UKW und DAB+ empfangen.

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