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Plagiatsvorwurf : Unter der Flagge Wikipedias

Blick auf die deutschsprachige Wikipedia Bild: Michael Gottschalk/dapd

Zwei Autoren des Beck-Verlags wird vorgeworfen, aus der Online-Enzyklopädie abgekupfert zu haben. Dem ersten Anschein nach steht die Anschuldigung auf schwachen Füßen.

          2 Min.

          Der Vorwurf ist gravierend und das Buch, dem er gilt, in einem renommierten Verlag erschienen. Arne Karsten, Junior-Professor für Geschichte der frühen Neuzeit in Wuppertal, und Olaf B. Rader, ebenfalls Historiker und Mitarbeiter an den Monumenta Germaniae Historica, veröffentlichten bei C. H. Beck ihr gemeinsam verfasstes Buch „Große Seeschlachten - Wendepunkte der Weltgeschichte von Salamis bis Skagerrak“. In dieser Zeitung wurde es, von einem Historikerkollegen der London School of Economics, lobend besprochen.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Ein auf Facebook veröffentlichter Text nimmt es nun unter heftigen Beschuss: Das Buch sei „vollständig aus Wikipedia-Beiträgen zusammenkopiert“. Belege für diese Behauptung werden allerdings nicht gegeben. Was folgt, ist die Auflistung von fünf Stellen des Buchs, die teils wörtliche, teils nahe Entsprechungen in Wikipedia-Einträgen haben. Vier von diesen Passagen stammen aus einem Abschnitt im Epilog des Buches, alle handeln sie von technischen Details. Eine Quelle ist im Buch zwar jeweils angegeben, aber die Entsprechungen nimmt der Autor des Facebook-Texts als Hinweis, dass auch sie aus der Online-Enzyklopädie übernommen wurde.

          Der Beleg soll nachgeliefert werden

          Die Autoren des Buchs räumten auf Nachfrage dieser Zeitung ein, dass wohl handwerkliche Unsauberkeiten beim Anführen von technischen Spezifikationen unterlaufen seien. Die weit darüber hinausgehende Anschuldigung weisen die beiden ausgewiesenen Historiker empört zurück. Der Autor des Facebook-Eintrags wiederum sagte auf Nachfrage, dass die von ihm angeführten Stellen die Richtigkeit seiner heftigen Anschuldigung noch nicht erweisen. Er habe insgesamt aber, so ließ er wissen, bereits viel mehr Stellen gesammelt, die in seinen Augen auf Entlehnungen aus Wikipedia hindeuten.

          Die Belege will er, der sich über die Aufmerksamkeit für seine Behauptung verwundert zeigt, nachliefern. Den Danksagungen im Buch entnahm er auch, dass die Autoren an verschiedenen Orten geforscht haben. Woraus bei ihm sogleich der Vorwurf wurde, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sei durch die Finanzierung dieser Forschungsaufenthalte an der Nase herumgeführt worden. Die Autoren lassen dazu wissen, überhaupt keine Förderungen für die Arbeit an diesem Buch erhalten zu haben. Und der Autor auf Facebook war, mit der entsprechenden Nachfrage konfrontiert, wiederum schnell bereit, seine entsprechenden Behauptungen einzuschränken - die nun aber, nicht nur durch die Berichterstattung in Online-Medien, in der Welt sind.

          Stand der Dinge bei Redaktionsschluss: Der Verlag hat sich an die Überprüfung des gesamten Texts gemacht, die Autoren denken über rechtliche Schritte nach, und die DFG sieht sich genötigt, Klarheit in der aufgeworfenen Frage zu schaffen, ob irgendwelche mit dem Buchprojekt zusammenhängende Förderungen in Anspruch genommen wurden.

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