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Sloterdijks Medienkritik : Denkers Gleitmittel

Peter Sloterdijk Bild: dpa

Peter Sloterdijk lässt mal wieder Dampf ab, vor allem über die Medien. Dabei redet er den Bürgerkrieg der Kulturen, den er zu beschreiben vorgibt, selbst herbei.

          3 Min.

          Der Eindruck, „in den Medien“ ginge es immer giftiger und galliger zu, es schösse bei den Journalisten etwas ins Kraut, das früher im Gärtlein der öffentlichen Meinung artig vor sich hinwuchs, so wie es Sitte, Anstand und die Ehrfurcht vor Faktizitäten gebieten – dieser Eindruck, landauf, landab so oder so ähnlich zu hören, dürfte sich im Grunde doch einer optischen (oder akustischen) Täuschung verdanken.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Was täuscht, ist zumindest die medienpädagogische Steigerungsannahme. Als gäbe es heute einen Aggressionsstau, von dem man in früheren Zeiten noch nicht einmal zu träumen gewagt hätte (auch wenn man dem Bonmot der Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, eine gewisse Treffsicherheit nicht absprechen möchte, wonach auf Twitter „ohnehin nur Politiker, Journalisten und Psychopathen unterwegs sind“). Im Ältestenrat der Gesellschaft, wo man Öffentlichkeit gleichsam von der Pieke auf kennt, weiß man es besser. Nur mal ein Beispiel, eben gelesen: Einen „Aggressionsstau“ bei Journalisten und Politikern habe es vor einem halben Jahrhundert gegeben, und zwar immer, wenn Rudi Dutschke den Mund auftat, gibt die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin zum Jahrestag des Attentats auf Dutschke an diesem Mittwoch zu Protokoll. Die Stimmung seinerzeit sei „unglaublich aufgeheizt“ gewesen, zumal die Blätter der Springer-Presse hätten in „heute kaum mehr vorstellbarer Schärfe“ vom Leder gezogen.

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