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Peri Baumeister im Interview : „Frauen sollen sexy sein dürfen. Aber bitte nicht müssen“

Die Schauspielerin Peri Baumeister bei der Vorführung des Vampirthrillers „Blood Red Sky“ im Rahmen des Filmfest München. Bild: dpa

In „Blood Red Sky“ spielt Peri Baumeister auf Netflix eine Vampirin und Mutter. Ein Interview über mütterliche Urangst, Feminismus im Film und Haftcreme.

          8 Min.

          Peri Baumeister ist per Video-Anruf aus dem Bayerischen Hof zugeschaltet, wo sie den Horrorfilm „Blood Red Sky“, den sie für Netflix unter der Regie von Peter Thorwarth gedreht hat, bewirbt. Baumeister sitzt in einem schweren Sessel vor einer hell vertäfelten Wand. Sie hat einen kurzen Pixie-Haarschnitt und lacht viel. Im Film spielt sie Nadja, eine Vampirin, die ihren Blutdurst aus humanitären Gründen zu unterdrücken versucht. Mit ihrem Sohn sitzt sie in einem Transatlantikflug auf dem Weg zu einem Arzt in Amerika, der Sie von ihrer Sucht befreien soll. Dann wird das Flugzeug entführt. Um ihr Kind zu retten, muss sie das Monster in sich befreien.

          Anna Schiller
          Volontärin.

          Frau Baumeister, wann sind Sie das letzte Mal geflogen?

          Das letzte Mal tatsächlich Transatlantik (lacht). Nein, ich kann mich nicht erinnern, das ist bestimmt zwei Jahre her. Ich bin aber auch keine Vielfliegerin. Ich versuche so grün wie möglich zu leben und habe kein Auto. Dafür aber Fahrrad und Bahncard.

          Wie war es, eine Frau an der Schnittstelle von Monster und Mutter zu spielen?

          Intensiv. Dieser Konflikt ist ja der Kern der Figur und aus ihm entstand zum einen eine große Kraft, aber auch ein fast bodenloser Abgrund und noch vielmehr eine über sich selbst geordnete, übergreifende, archaische Liebe. Die grenzenlose Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Am Ende habe ich mich also auf meine Instinkte verlassen, erst recht, wenn sie ins fast Tierische übergingen. Geholfen hat auch, dass ich selbst Mutter von einer drei Jahre alten Tochter bin. Als sie auf die Welt gekommen ist, habe ich das erste Mal so etwas wie eine Art Urangst erlebt. Diese Form der Angst habe ich vorher noch nie gespürt.

          Wie fühlt sich diese Urangst an?

          Das ist ein diffuses Gefühl. Bei mir sitzt das im Solarplexus. Die Angst, dass meinem Kind etwas passieren kann, ist fast unvorstellbar. Ich würde für meine Tochter, genauso, wie es Nadja in dem Film macht, alles tun, um ihr Leben zu schützen. Ich müsste keine Sekunde darüber nachdenken, meins dafür zu geben. Das ist ein sehr ursprüngliches, großes Gefühl. Ich habe versucht, mich mit diesem zu verbinden. Ich glaube, das ist das Herzstück dieser Figur. Zusätzlich dazu habe ich mir eine Vorgeschichte gebaut, die das Ganze auflädt. Auch wenn wir sie nicht erzählt bekommen, war das für mich nötig, um Nadja greifbarer zu machen.

          Belastetes Mutter-Kind-Verhältnis: Nadja (Peri Baumeister) beschützt ihren Sohn Elias (Carl Koch) in Netflix’ neuem Vampirhorror wie eine Löwenmutter.
          Belastetes Mutter-Kind-Verhältnis: Nadja (Peri Baumeister) beschützt ihren Sohn Elias (Carl Koch) in Netflix’ neuem Vampirhorror wie eine Löwenmutter. : Bild: Netflix

          Wie sieht diese Vorgeschichte aus?

          Meine Figur ist in einer Isolation, weil sie als Vampirin tagsüber nicht aus dem Haus gehen darf. Ich habe mir vorgestellt, dass sie, bevor sie das Flugzeug betritt, neun Jahre lang nicht das Licht gesehen hat. Dass sie zuhause versucht hat, alles zu strukturieren, um in ihren Möglichkeiten eine gute Mutter für ihren Sohn zu sein. Das war seltsam nah an dem Dasein, das wir während der Pandemie leben mussten. Was mich sehr berührt hat, ist, dass sie sich von ihrem Sohn hat überreden lassen, in dieses Flugzeug zu steigen, um zu Medizinern nach Amerika zu fliegen. Aus der Hoffnung heraus, ihren Sohn endlich zur Schule bringen zu können, ihm ein normales Leben bieten zu können. Sie kann ihre naturgegebene Rolle nicht erfüllen, denn ihr Sohn muss sich um sie kümmern und nicht umgekehrt. Ihr Wunsch endlich eine „normale“ Mutter sein zu können, ist so groß, dass sie die Angst vor sich selbst überwindet. Mit diesem Rucksack bin ich losgegangen.

          Ihre Bewegungen werden im hinteren Teil des Films fast animalisch. Haben Sie sich das bei Tieren abgeschaut?

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