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Bot parodiert Hochstapler : Was Relotius uns noch zu sagen hätte

Claas Relotius bei einer Preisverleihung 2017 Bild: EPA

Marie Kilg hat einen Bot programmiert, der im Stil des preisgekrönten Hochstaplers Vorschläge für Reportagen macht. Das ist ganz schön entlarvend.

          Warum haben Sie einen Bot gebaut, der den Stil der Reportagen des als Hochstapler überführten ehemaligen „Spiegel“- Redakteurs Claas Relotius parodiert?

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Anfang Januar war ich zu einer Konferenz in Zürich eingeladen, zum Jubiläum von Mary Shelleys Frankenstein und der Frage, wie Bots heute diese Vision verkörpern. Ich sollte ein Seminar halten und habe überlegt, welchen lustigen Bot ich mit den Teilnehmern entwickeln könnte, um nicht immer von denselben alten Beispielen zu erzählen. Dabei war die Richtung durch Tracery – das Programm, das ich verwenden wollte – schon ein bisschen vorbestimmt. Dann ist mir Relotius eingefallen und ein Reportage-Ideen-Generator, der Personen, Orte und Themen immer neu kombiniert.

          Zielt Ihre Kritik eher auf den „Spiegel“ oder auf Relotius?

          Ich will mit den Bots, die ich mache, zeigen, dass sie nicht nur für russische Propaganda gut sind, sondern dass sie auch witzig sein können. Und dafür sind medienkritische Themen besonders geeignet, das habe ich schon ein paar Mal ausprobiert. Aber ich sehe mich nicht in der Position, ein Urteil über Relotius, den „Spiegel“ oder den Journalismus an sich zu fällen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich pathetische Schreiber wie Relotius schon immer lustig und auch lächerlich fand. Wenn jemand sich selbst zu sehr an seiner wunderschönen Formulierung ergötzt hat, war mir das suspekt. Aber für meinen Bot hätte es den Fall Relotius nicht unbedingt gebraucht.

          Sie legt ihrem Bot „Rob0tius“ Worte in den Mund, die uns aus dem „Spiegel“ bekannt vorkommen: Marie Kilg

          Warum nicht?

          @ROB0TIUS funktioniert mit Relotius natürlich perfekt, weil das, was er gemacht hat, gerade stark diskutiert wird und besonders absurd ist: Ein journalistisches Wunderkind gewinnt haufenweise Preise und am Ende kommt heraus, dass alles nur erfunden war. Aber ich glaube, der Bot würde auch mit jedem anderen Medium funktionieren – und wäre dann zumindest halb so lustig. Du überspitzt einfach ein bisschen den Stil und entlarvst so das Schema, das dahintersteckt.

          Welches ist das im Fall von Relotius?

          Wenn man ein paar Redaktionskonferenzen erlebt hat, kennt man die Sätze, die da fallen: über neue Drehs, die es braucht, über ungewöhnliche Protagonisten, die eine Geschichte erst interessant machen. Man schreibt nicht nur über einen englischen Bauern, sondern über einen englischen Bauern, der einen Mannschaftsbus als Blumenvase missbraucht hat – um eine Idee von @ROB0TIUS zu zitieren. Daran ist ja erst mal nichts Schlechtes. Menschen lesen eben gerne besondere Geschichten. Aber wie der Bot zeigt, kann auch Ungewöhnliches gewöhnlich werden.

          Screenshot des Twitter-Accounts @ROB0TIUS, eines Bots, der den Stil von Reportagen des „Spiegel“-Redakteurs Claas Relotius parodiert

          Wie funktioniert Ihr Bot denn genau?

          Ich habe ihm Satzbausteine aus den Teasern zu den Relotius-Texten gefüttert und ihm dann gesagt, er soll das Muster, nach dem sie aufgebaut sind, immer wieder durchspielen. Er ersetzt Subjekte durch andere Subjekte oder kombiniert den Nebensatz einer Reportage mit dem Hauptsatz einer anderen. Die Ergebnisse gehen zwar eine Spur an der Realität vorbei, aber man kapiert schnell, worauf der Bot abhebt, und kann darüber lachen.

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