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Palmer Luckey auf „Time“-Cover : Da tanzt doch wieder einer aus der virtuellen Realität

Virtual-Reality-Brillen schützen beim Strandurlaub besonders gut vor Sonneneinstrahlung. Bild: Time Magazin

Virtuelle Realität werde unser Dasein verändern, titelt „Time“ – und lässt zur Illustration den Oculus-Rift-Gründer durch einen gigantischen Sandkasten tollen. Die Parodien lassen nicht lange auf sich warten.

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          Wer würde an heißen Sommertagen nicht gerne der Realität entfliehen, wenn diese darin besteht, in wahlweise eisig heruntergekühlten oder zu Brutstätten aufgewärmten Bürokästen vor sich hin zu arbeiten. Wie wäre es stattdessen mit einem Tag am Strand, im türkisfarbenen Lieblingspolohemd, Sand unter den nackten Füßen, das Glitzern kühler Wellen vor Augen und ein Gefühl von Verzückung, das einen Luftsprünge machen lässt?

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wer das jetzt ein wenig übertrieben findet, hat noch nicht das neue Cover des Magazins „Time“ in Augenschein genommen, das einen leicht fülligen Mann in beschriebener Weise zeigt. Es wäre ein Inbild kindlichen Vergnügens, handelte es sich nicht, wie gesagt, um einen Erwachsenen und trüge dieser nicht eine Virtual-Reality-Brille, an deren langer Datenleine er wie an einer Nabelschnur zu hängen scheint. Dass er am Meer vor sich hin hopst, kann er mit der Rundumsicht-Videobrille auf der Nase gar nicht sehen, aber das ist in diesem Fall wohl egal, denn es handelt sich um eine Fotomontage mit virtuellem Strand, na klar, und der Hopsende ist Palmer Luckey, der Gründer der Firma Oculus Rift, deren Sehgeräte den täuschend echten Blick auf nur vorgestellte Welten erlauben.

          Virtuelle Realität werde unser Dasein verändern, titelt „Time“, was vermutlich stimmt, und erzählt von den „überraschenden Freuden“, die das virtuelle Erleben bereithalte. Hilf- und blicklos für die Außenwelt, die echte also, aber satt und zufrieden durch einen gigantischen Sandkasten tollen wie ein Riesenbaby? Es können einem schon Zweifel kommen, ob das Angebot von Oculus Rift so cool ist, wie es wohl rüberkommen sollte, aber mit diesem Bild nicht tut. Weshalb der Spott aus dem Internet nicht lange auf sich warten ließ. Dort sehen wir nun allerlei Varianten des Titelbildes: Palmer Luckey in der U-Bahn schwebend, offensichtlich ohne eine Ahnung, wo er gerade ist (ja, wie denn auch?), Palmer Luckey virtuell abgeschottet in einer Gefängniszelle, verunglückt im Bad, verfolgt von Monstern und dunklen Gestalten, von denen er nichts ahnen kann, bestens gelaunt in einem brennenden Zimmer und zwischen Hoverboard-Fahrern in „Zurück in die Zukunft“.

          Was all diese Varianten aufs schönste entlarven: dass die abenteuerliche Umgebung, in denen der virtuell Reisende sich wiederfindet, nicht die sein kann, die er in seiner Datenbrille sieht. Denn dann könnte er sie ja auch ganz einfach – absetzen. So aber scheint er ein Opfer böser Mächte zu sein, die Menschen das Leben da draußen nur noch vorgaukeln wollen, worauf sie sich mit seltsamem Gehampel vor all denen, die noch in der wirklichen Welt leben, zum Narren machen. Wenn das keine Aufforderung ist, einen ganz realen Strand aufzusuchen.

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