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Romantische Komödie bei Sat.1 : Palim-Palim in Kapstadt

Lug und Trug: Annabel (Veronica Ferres) und Reiner (Dieter Hallervorden) wollen heiraten. Bild: Sat.1

Mehr „Screw“ als „Ball“: Für die Sat.1-Komödie „Liebe auf den ersten Trick“ mimen Veronica Ferres und Dieter Hallervorden ein ungleiches Paar.

          Man hätte es sich leichter machen können: Veronica Ferres als gerissene Trickbetrügerin, Dieter Hallervorden als Millionär, Kapstadt als Drehort (in dem nur zwei schwarze Menschen zu wohnen scheinen), ein Pastor und eine Hochzeitsplanerin. Sollten wir sagen, Sat.1 habe dieses Mal wirklich etwas gewagt? Das Konzept (Drehbuch Jan Haering) befördert eine Neugier jener Art, die wissen will, was passiert, wenn man eine Packung Kartoffelchips, eine Flasche Rotkäppchen-Sekt und ein Stück Butter bei 1200 Watt für sechzig Minuten in die Mikrowelle steckt.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          In diesem Fall soll unter der Regie von André Erkau eine Screwball-Komödie entstehen. Die lebt meist davon, dass zwei unterschiedliche Milieus mit humorfunkenschlagender Wucht immer wieder unerbittlich aufeinanderprallen. In „Liebe auf den ersten Trick“ prallen immer wieder Dinge aufeinander, gleichzeitig läuft aber auch vieles ins Leere.

          „Jürgen, du hast doch was!“, sagt Annabel (Veronica Ferres), die laut Pressemeldung „gewiefte Mittvierzigerin“, zu ihrem neuesten Opfer. Das will aber lieber wieder zu seiner Frau zurück. Dabei hat sie doch extra einen nicht umtauschbaren Gutschein für eine Kreuzfahrt im Wert von 300000 Dollar besorgt. Sie bekommt einen Scheck über den Betrag gutgeschrieben. Er hat seine Ruhe, ihre Masche Erfolg. Doch bald schon steht Lorenz (Stephen Jennings), ein ehemaliges Opfer von Annabel, auf der Matte. Er fordert nicht nur die bei ihrem Trickbetrug offensichtlich immer anfallenden Dreißigtausend zurück, sondern will noch „eine Null dranhängen“, sonst lasse er sie auffliegen.

          Aber wer eine anständige Trickbetrügerin ist, die hat für solche Fälle die richtigen Freunde. Hier ist es die Hochzeitsplanerin Claire (Renate Stuurman), die zufällig die Hochzeit von Tiffany (Katharine Mehrling), der Tochter des Lotto-Millionärs Reiner (Dieter Hallervorden) – Nachnamen hat in diesem Film ohnehin niemand –, vorbereitet. Dieser ist, nachdem Annabel wütend mit Geldscheinen vor einem Nobelrestaurant um sich geworfen hat, auch unverhältnismäßig schnell von ihr angetan. Auf der Segelyacht kommt man sich näher – in einer Szene, die sich selbst das gestählteste Sat.1-Publikum in dieser Paarung nicht hätte träumen lassen. Auftritt Tom (Steffen Groth), seinerseits Trickbetrüger und künftiger Ehemann von „Tiffy“, der zu verheiratenden Tochter. So weit, so Screwball.

          Dialoge zwischen „hallöchen“ und hoffnungsloser Romantik

          Eigentlich fängt das Ganze recht locker an. Die Musik ist flott, die Aufnahmen (Henner Besuch) von Kapstadt sind schick und sehen fast allesamt aus, als wären sie vornehmlich auf den Countryclubs und Golfplätzen rund um Kapstadt entstanden. Doch man stutzt zum ersten Mal, wenn man sieht, wie sich die Lippen von Veronica Ferres bewegen, sich das gesprochene Wort dazu aber verhält, als würde man eine Folge „Die drei ???“ darüber spielen. Die Lippen zeigen auch: Die Deutschen sprechen Deutsch, die anderen Englisch – es wurde schlicht nachsynchronisiert. Wenn die Dialoge dann auch noch mit „hallöchen“ beginnen und so ernstgemeinte Sätze enthalten wie, „Kann ich dir ein Geheimnis verraten? In Wirklichkeit bin ich ein hoffnungsloser Romantiker“ –, dann funktionierte das vielleicht um 1940 in Hollywood, aber heute braucht es dafür einen neuen Ton.

          Veronica Ferres könnte man sich in der Rolle der Trickbetrügerin durchaus vorstellen, nur scheint sie nicht ebendie größte Lust gehabt zu haben, als eine solche aufzutreten. Dieter Hallervorden sorgt zwar ab und an für so etwas wie Spontaneität, doch wirkt er von der ersten Minute an so, als habe man ihm gesagt, er solle einen verrückten Raketenwissenschaftler spielen, der sich als Millionär ausgibt. Aber das muss man ja auch erst mal hinbekommen.

          Liebe auf den letzten Trick läuft heute, Dienstag 20. März, um 20.15 Uhr bei Sat.1

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