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Tod in Afghanistan : Der Mörder kam am helllichten Tag

Palwasha Tokhi Bild: dpa

Im afghanischen Mazar-i-Sharif wurde die Journalistin Palwasha Tokhi am helllichten Tag ermordet. Wie viele ihrer Kollegen wurde auch sie zuvor bedroht. Bis 2012 hatte sie in einem Bundeswehrlager gearbeitet.

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          Gerade erst war sie aus Thailand zurückgekehrt, wo sie Jura studiert und einen Masterabschluss erworben hatte. Zwei Monate nach ihrer Heimkehr nach Afghanistan ist die Journalistin Palwasha Tokhi tot. Am Dienstagabend wurde sie am Eingang ihres Hauses in Mazar-i-Sharif im Norden des Landes erstochen, am helllichten Tag und in Sichtweite der berühmten Blauen Moschee im belebten Stadtzentrum.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Der Täter lockte das Opfer unter dem Vorwand an die Tür, eine Hochzeitseinladung übergeben zu wollen. Vor ihrem Tod hatte sich Tokhi nach Angaben ihres früheren Arbeitgebers Radio Bayan an die Bundeswehr gewandt und eine Ausreisegenehmigung nach Deutschland beantragt mit der Begründung, dass sie bedroht werde. Denn die Journalistin hat bis 2012 vier Jahre lang im Bundeswehrlager Camp Mamal gearbeitet.

          Ein sicheres Pflaster?

          Dort betrieben die Militärs den Sender Sada-i-Azadi Shamal („Stimme der Freiheit im Norden“), der später in Bayan Radio umbenannt und aus dem Feldlager in ein von der Bundeswehr unterstütztes Medienzentrum ausgelagert wurde. Nicht nur Tokhi, sondern auch mehr als ein Dutzend Mitarbeiter des Zentrums hätten bei der Bundeswehr Unterlagen eingereicht, die belegen sollten, dass sie bedroht würden, sagte Hafiz Majidi, der Leiter des Medienzentrums, am Donnerstag dieser Zeitung.

          „Für unsere Mitarbeiter gelten die gleichen Regeln wie für die Übersetzer der Bundeswehr“, sagte er. Manche seien nach eigenen Angaben von verdächtigen Gestalten verfolgt worden, andere hätten angegeben, Drohungen von den Taliban erhalten zu haben. Doch auch Bedrohungen durch Regierungsmitarbeiter seien nicht auszuschließen. Diese fielen allerdings würden nicht unter die Kriterien, die von der Bundesregierung für eine Aufnahme früherer Mitarbeiter der Bundeswehr festgelegt worden seien.

          Mazar-i-Sharif gilt als eine der sichersten Städte Afghanistans. Für Journalisten ist die Provinzhauptstadt allerdings seit Jahren ein schwieriges Pflaster. Kritische Berichterstattung über den Provinzgouverneur Atta Mohammad Noor, der innerhalb kurzer Zeit zum Multimillionär aufgestiegen ist, gibt es kaum; Medienvertreter werden eingeschüchtert oder mit Geld korrumpiert.

          Schon die Frauenstimme im Radio ist unschicklich

          Wegen der afghanischen Präsidentenwahl, um deren Ausgang die beiden Stichwahl-Kandidaten sechs Monate nach dem ersten Wahlgang noch immer streiten, hat sich die Sicherheitslage im ganzen Land verschlechtert. Palwasha Tokhi ist bereits die zweite Radiojournalistin in Mazar, die einem Mordanschlag zum Opfer fiel, und das fünfte Todesopfer unter Medienschaffenden in diesem Jahr.

          Viele berichten zudem von regelmäßigen Drohanrufen, wobei nicht immer klar ist, von wem sie ausgehen. „Journalistinnen unterliegen einem höheren Risiko als ihre männlichen Kollegen“, sagt Majidi. „Dies ist ein sehr konservatives Land.“ Schon die Stimme einer Frau im Radio gilt manchen als so unschicklich, dass Sender nach der Heirat einer Mitarbeiterin bisweilen gezwungen werden, alle Bänder mit deren Stimme zu löschen.

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