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„Ostfriesenkiller“ im ZDF : Sie hat da so was im Gefühl

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Ist das was? Rupert (Barnaby Metschurat, links) hält vielleicht einen wichtigen Hinweis in den Händen. Warum wurde Kai Uphoff (Paul Hinrich Aeils, 2.v.l.) umgebracht? Weller (Christian Erdmann) und Ann Kathrin (Christiane Paul) sind ratlos. Bild: ZDF/Sandra Hoever

Das ZDF zeigt den Norden von seiner unterkühlten und geheimnisvollen Seite: Im Krimi „Ostfriesenkiller“ ist eine Polizistin hellsichtig.

          Wer auf seine Intuition hört und Zweifel an Dingen äußert, die für alle anderen eindeutig scheinen, muss mit Gegenwind rechnen. Genau so ergeht es der Kommissarin Ann Kathrin Klaasen (Christiane Paul). Da steht sie im Polizeipräsidium Aurich, pocht sich auf die Brust und hält ihren Kollegen entgegen: „Hier, genau hier, spüre ich ganz deutlich, dass etwas nicht stimmt.“ Der Dreifachmord, der die ostfriesische Küstenkleinstadt Norden erschüttert, ist eigentlich geklärt, doch die Kommissarin misstraut den nackten Tatsachen. Warum sollte der Eigentümer des weit und breit größten Möbelgeschäfts, Georg Kohlhammer (Uwe Bohm), drei Mitarbeiter der Behinderteneinrichtung „Regenbogenverein“ töten? Ihre emotional abgeschliffenen Kollegen Rupert (Barnaby Metschurat), Frank Weller (Christian Erdmann) und Ubbo Heide (Peter Heinrich Brix) fragen sich das nicht.

          Dass sie „jegliche professionelle Distanz“ verloren hat, wie es ihr Weller vorwirft, wird schnell deutlich, doch weder von solcher Kritik, der Kaltblütigkeit des Mörders, dem Fund der Tatwaffe im Schuppen Kohlhammers noch von ihren Zweifeln, eine gute Mutter zu sein, lässt sich Klaasen kleinkriegen. Zu hartnäckig hat sich die Ahnung festgesetzt, dass die Motive der Morde noch nicht entdeckt wurden.

          Den ganzen Film über leidet man mit der Kommissarin

          Die Eröffnungsszene lässt dem Zuschauer keine andere Wahl, als an die Kommissarin zu glauben. Wir sehen sie am Nordseestrand knien, der Himmel ein fahles Gewölbe, das Meer unruhig. Während sich die Kamera von Henner Besuch um die Gebeugte dreht, taucht ihr Vater (Ernst Stötzner), der als Polizist bei einem Einsatz ums Leben kam, neben ihr auf, flüstert ihr Zuspruch und Mut zu, eine rührende und unheimliche Szene. Den ganzen Film über leidet man mit der Kommissarin. Und dann geht auch noch ihre Familie zu Bruch, ihr Mann Hero (Andreas Pietschmann) sucht mit dem Sohn das Weite.

          Ostfriesland ist nicht nur der Schauplatz der neuen Samstagskrimireihe des ZDF, sondern ein Hauptprotagonist. Drei Filme sind entstanden beziehungsweise geplant (auf „Ostfriesenkiller“ folgen „Ostfriesenblut“ und „Ostfriesenangst“), basierend auf den Erfolgsromanen von Klaus-Peter Wolf, zu denen Florian Schumacher das Drehbuch geschrieben hat. So finster hat man die Küstenregion im deutschen Fernsehen wohl noch nicht vorgestellt. Die immer in den Horizont auslaufenden Landschaftsansichten bilden dabei einen krassen Gegensatz zu den auf einen Schmerzpunkt zusammengezurrten Innenräumen der Figuren. Nicht nur die Kommissarin ist von Zwängen und Ängsten geplagt. Auch die geistig behinderte Sylvia (Svenja Jung) weiß ihre Emotionen nicht auszuleben, ohne sogleich in Depressionen zu verfallen. Ihre Liebhaber sind zwar so zahlreich, dass einem schwindlig wird, ihre Wut und Heulanfälle so heftig, dass es nervt; doch auch in ihrem Fall wird deutlich, dass die wahren Gefühle verborgen sind.

          In diesem Krimi, den der Regisseur Sven Bohse streng unterkühlt inszeniert, muss sich alles erst einmal Luft verschaffen. Wenn am Ende alles auf das finale Bild zu eilt, sieht man sich darin bestätigt, dass die Intuition der Kommissarin nicht getrogen hat.

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