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Osteuropa-Geschäft : Holtzbrinck-Dämmerung in Prag

  • -Aktualisiert am

Firmenzentrale der Verlagsgruppe Holtzbrinck in Stuttgart Bild: AP

Das tschechische Wirtschaftsblatt „Hospodárské Noviny“ gehört zum Holtzbrinck-Konzern. Nun soll die Zeitung rasch verkauft werden. Am meisten bietet ein zweifelhafter Investor. Es gibt mehrere Versionen, weshalb sich Holtzbrinck mit ihm einlassen könnte.

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          „Kein Kommentar. Warten Sie die Pressemeldung ab.“ Man wird knapp abgefertigt, wenn man sich in Düsseldorf bei der Verlagsgruppe Handelsblatt über den bevorstehenden Verkauf des tschechischen Verlages Economia erkundigen möchte. Es geht um viel Geld, angeblich um mehr als hundert Millionen Euro. Unter den Bewerbern sollen sich dem Vernehmen nach Zeitungsverlage aus Österreich und Finnland sowie eine Gruppe tschechischer Investoren befinden. Der Bieter, der das großzügigste Angebot unterbreitet haben soll, ist jedoch ein absoluter Außenseiter im Zeitungsgeschäft: der tschechische Buch- und Zeitschriftenverlag Mlada Fronta a.s. (MFa.s.), der rote Zahlen schreibt und seine Finanzquellen im Dunkeln lässt. In Prag besteht die Vermutung, dass die Handelsblatt-Gruppe drauf und dran ist, einen der wichtigsten Verlage der Tschechischen Republik obskuren russischen Investoren auszuliefern, die MFa.s. als Strohfirma benutzen.

          Tschechen, die sich rasch, gründlich und sachlich informieren möchten, greifen am Morgen als Erstes nach dem Wirtschaftsblatt „Hospodárské Noviny“ (HN) oder klicken auf iHned, das hauseigene Nachrichtenportal. HN bietet nicht nur die mit Abstand beste und umfangreichste Wirtschaftsberichterstattung der Tschechischen Republik, sondern kommt auch in Politik, Kultur, Sport und Lifestyle so gut wie allen Ansprüchen entgegen, die Entscheidungsträger an eine moderne Tageszeitung stellen.

          Neuer Schwerpunkt im Internet

          „Hospodárské Noviny“ (zu Deutsch: Wirtschaftsnachrichten) erscheint fünfmal in der Woche und verzeichnete im Vorjahr eine verkaufte Auflage von knapp 60.000, iHned registriert monatlich mehr als eine halbe Million regelmäßiger Nutzer. Die Tageszeitung ist das Flaggschiff des Verlagshauses Economia, das zudem die nicht minder erfolgreiche Wochenzeitung „Ekonom“ und knapp zwei Dutzend Fachzeitschriften und Lifestyle-Beilagen herausgibt. 88 Prozent der Verlagsanteile hält die Düsseldorfer Verlagsgruppe Handelsblatt (VHB), die ihrerseits zur Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört.

          VHB zählt zu jenen deutschen Unternehmen, die nach dem Fall der Mauer erfolgreich in Ostmittel- und Südosteuropa expandierten. Mittlerweile aber stößt man die ausländischen Anteile wieder ab. Zuerst wurden Beteiligungen in der Ukraine und in Bulgarien aufgelöst. Seit Anfang dieses Jahres steht die tschechische Economia zum Verkauf, die auch in der Slowakei eine erfolgreiche Wirtschaftszeitung betreibt und seit Jahren kräftige Gewinne einfährt. Die Handelsblatt-Gruppe will ihre Präsenz im Internet stärken, und ein guter Teil dieser Investitionen soll aus den rund hundert Millionen Euro bestritten werden, die sie sich vom Verkauf der Economia erhofft. Zudem muss Dieter von Holtzbrinck ausbezahlt werden, der vor zwei Jahren das Stuttgarter Familienunternehmen verließ.

          Nicht der Verkauf, sondern ein Bieter ist das Problem

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