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Online-Phishing : Computervirus vom FBI

  • -Aktualisiert am

Für die Sicherheit in Schulen: Das FBI und ihre streitbaren Methoden. Bild: AP

Die amerikanische Bundespolizei ahmt die Website der „Seattle Times“ nach, um einen Fünfzehnjährigen nachzuweisen, dass er Bombendrohungen ausgestoßen hat. Die Aufregung über den Fall ist groß.

          Von einer maßlosen Grenzüberschreitung spricht die Chefredakteurin  der „Seattle Times“, Kathy Best, die der Glaubwürdigkeit ihrer Zeitung und der Nachrichtenagentur Associated Press schade: Das FBI soll im Jahr 2007 im Zuge von Ermittlungen einen Internetartikel gefälscht, mit einem Trojaner-Virus ausgestattet und unter der Verfasserzeile der Associated Press veröffentlicht haben. Der Link zur nachgeahmten Website des „Seattle Times“ wurde einem Verdächtigen per Email zugeschickt. Der öffnete diese, was dazu führte, dass das FBI auf seinem Computer mitlesen konnte.

          Die Ermittlungen dienten dazu, den Urheber mehrfacher Bombendrohungen gegen die Timberline High School ausfindig zu machen. Was auch gelang. Der Hauptverdächtige, ein fünfzehnjähriger Schüler, wurde zu neunzig Tagen Haft in einer Jugendvollzugsanstalt verurteilt, nachdem er sich vor Gericht als schuldig bekannt hatte. Zum Vorgehen des FBI hieß es seinerzeit, man habe erstmals ein Programm namens „Cipav“ (Computer and Internet Protocol Address Verifier) verwendet.

          Die Electronic Frontier Foundation (EFF), eine Bürgerrechtsorganisation, hat nun Dokumente veröffentlicht, die die Ermittlungen des FBI genau beschreiben sollen: Die amerikanische Bundespolizei nutzte die Social-Media-Plattform Myspace, um dem verdächtigten Schüler den Link zu übermitteln. Durch die Spionagesoftware gelangten die Ermittler an die IP-Adresse und die Datenbestände des Fünfzehnjährigen. Dieses Vorgehen mit Website-Attrappen wird allgemein als „Phishing“ bezeichnet und im Netz vor allem von Kriminellen betrieben. Das FBI ahmte die Inhalte der Nachrichtenseite so minutiös nach, dass sogar nachzulesen war, wie man Abonnent oder Werbekunde der „Seattle Times“ werden konnte. Das sei bloß eine effektive Arbeitsweise, um ein konkretes Ziel zu identifizieren, erwiderte das FBI auf die Kritik, man habe das Ansehen der Zeitung, der Nachrichtenagentur und der Presse geschädigt.

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