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Online-Offensive der ARD : Über drei Stufen müssen sie gehen

Mourinho vorn, Breitensport ganz hinten: Das ARD-Portal „sportschau.de” Bild: sportschau.de

Nicht nur das Angebot von „tagesschau.de“ im Internet winken die ARD-Rundfunkräte durch, „sportschau.de“ und „boerse.ard.de“ auch. Kritik an der Online-Offensive scheint zwecklos, wie interne Papiere zeigen. Stattdessen stellt sich das Erste Persilscheine aus.

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          Als kürzlich herauskam, dass der Rundfunkrat des NDR, den Online-Auftritt der „Tagesschau“ mit all seinen Weiterungen zur Freigabe empfiehlt - die Applikation, kurz „App“ für iPhone und iPad inbegriffen -, war das Echo entsprechend. Die Kritik der Verlage und der Privatsender ließ nicht auf sich warten. Von einem „Relikt des kalten Medienkriegs“ sprach der Privatsenderverband VPRT. Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust verwahrte sich dagegen unter anderem mit dem Hinweis, dass es sich bei der bekanntgewordenen „Mitberatungsvorlage“ des Rundfunkrats um ein vorläufiges Papier handele, die Prüfung im Rahmen des sogenannten „Dreistufentests“ mithin noch nicht abgeschlossen sei und entsprechend auch noch nicht geurteilt werden könne.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Doch es kann sehr wohl geurteilt werden. Brandete die Kritik erst am Ende des monströsen Verwaltungsverfahrens an, käme sie zu spät. Und die Aussage des NDR-Rundfunkrats ist eindeutig: Die Sender sollen online alles dürfen, vor allem Texte produzieren, dabei auch solche, die einen direkten Bezug zu Sendungen in Fernsehen und Radio nicht aufweisen. Es handele sich um ein eigenständiges multimediales Angebot, eines aus eigenem Recht - womit die ganze Prüfung ad absurdum geführt wird und der Strohhalm, an den sich die Verlage, deren Angebote in Konkurrenz zu denjenigen von ARD und ZDF stehen, bricht.

          Dabei ist nicht nur der Rundfunkrat des NDR willens, das Ausgreifen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in die Textwelt des Internets zu sanktionieren. Bei den anderen Sendern läuft es genauso, wie ein Blick auf die „Mitberatungsvorlagen“ der Rundfunkräte des Bayerischen, des Hessischen, des Westdeutschen Rundfunks und des Südwestrundfunks zeigt: Sie weisen die Kritik an den Online-Auftritten zurück, halten die Kosten für angemessen und regen sogar eine Expansion an. Das zeigen interne Papiere der ARD, die dieser Zeitung vorliegen.

          Verzichtet auf den „publizistischen Mehrwert” von Internet-Angeboten: WDR-Intendantin Monika Piel
          Verzichtet auf den „publizistischen Mehrwert” von Internet-Angeboten: WDR-Intendantin Monika Piel : Bild: AP

          Die Aktien für boerse.ard.de stehen gut

          Der Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks hat sich mit dem Angebot von „boerse.ard.de“ befasst, das sich durch besondere Textlastigkeit und lockeren Umgang mit dem Erfordernis des „Sendungsbezugs“ auszeichnet. Das erscheint dem Rundfunkrat jedoch nicht als Problem, schließlich sei das Angebot, „durchgehend ,journalistisch-redaktionell'“ gestaltet. Bedenken mit Blick „auf das Verbot der ,Presseähnlichkeit' nicht-sendungsbezogener Inhalte“ konnte der HR-Intendant Helmut Reitze ausräumen, der zusagte, dass man Sendungsbezüge, Verlinkungen und „rundfunktypische Darstellungsformen“ wie Interviews und Hintergrundberichte noch erstelle. Auch das von „boerse.ard.de“ erstellte Musterdepot weckt keinen Arg, da es keine konkreten Kaufempfehlungen gebe; es handele sich nicht um ein rundfunkrechtlich unzulässiges Ratgeberportal.

          Die Auswirkungen auf Konkurrenten - 107 Angebote mit Börseninformationen hat der HR-Rundfunkrat ermittelt - erachten die Prüfer als gering, es sei bei den anderen allenfalls von entgangenen Werbeerlösen von 500 000 bis 1,7 Millionen Euro pro Jahr auszugehen - in ARD-Kreisen gelten solche Summen offenbar als Peanuts. Auf ein Werbevolumen von 27 bis 34 Millionen Euro pro Jahr schätzen die Gutachter von PricewaterhouseCoopers den deutschen Gesamtmarkt für Börseninformationen im Internet. „Marktaustritte“ seien nicht zu erwarten, meinen die Rundfunkräte, „Markteintritte“ würden nicht verhindert, die „marktlichen Auswirkungen“ seien - gering. Und so wird auch der Vorschlag der Gutachter, das Angebot zeitlich zu begrenzen, verworfen. „Die über mehrere Jahre vorgehaltenen allgemeinen Informationen zu den Themen Börse und Finanzmarkt behalten ihre Gültigkeit auch über Jahre hinaus“, heißt es in dem Papier des HR-Rundfunkrats. Die Kosten - 1,48 Millionen Euro 2009 und 1,5 Millionen Euro dieses Jahr - erschienen als „nachvollziehbar“ und „nicht unverhältnismäßig hoch“.

          Bahn frei für „sportschau.de“

          Im Tenor nicht anders fällt das Dossier des WDR-Rundfunkrats zu „sportschau.de“ aus. 39 Einwendungen - positive wie negative - sind eingegangen, zwei Gutachten wurden in Auftrag gegeben, das Fazit ist eindeutig: „Der WDR-Rundfunkrat sieht in ,sportschau.de' einen unverzichtbaren publizistischen Beitrag auf dem Markt der Online-Sport-Angebote.“ Dabei sei es unerheblich, ob „darin ein ,Mehrwert' gesehen wird oder nicht“.

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