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Paywall : Das Ende der Kostenloskultur?

  • -Aktualisiert am

Weit mehr als die Hälfte der deutschen Online-Leser sind nicht bereit für Journalismus im Netz zu bezahlen. Bild: Reuters

Die derzeit größte Herausforderung im Journalismus: Online-Leser davon zu überzeugen für journalistische Inhalte im Netz zu bezahlen. Eine letzte Hoffnung bleibt: die steigende Bereitschaft der Jüngeren.

          Weit mehr als die Hälfte der deutschen Online-Leser kann sich zurzeit nicht vorstellen, für Journalismus im Netz zu bezahlen, drei von vier Nutzern finden, kostenlose Informationen gehörten zur Grundidee des Internets. Die Zahlen aus dem neuen „Whitepaper“ der Landesanstalt für Medien NRW zur „Zahlungsbereitschaft für digitaljournalistische Inhalte“, für das man sechstausend potentielle Leser befragt hat, muten deprimierend an für die deutschen Verlagshäuser. Diese versuchen gerade, ihr Geschäftsmodell in die Zukunft zu retten, wohl wissend, dass zumindest ein zunehmender Teil ihrer Leser künftig vornehmlich digital lesen wird.

          Die Frage, wie sich Journalismus im Internet finanzieren lässt, berührt nicht nur die Wirtschaftsinteressen einzelner Medienunternehmen, sondern auch die Funktionsfähigkeit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, wie die Studie richtig feststellt. Dabei erkennen die Deutschen mehrheitlich den Wert des Journalismus, ihre Zahlungsbereitschaft im Internet ist bloß nicht besonders stark ausgeprägt – übrigens weit weniger als etwa in den Vereinigten Staaten oder in Skandinavien.

          Die gute Nachricht: Diese Bereitschaft wächst und ist insbesondere bei den Jüngeren vorhanden. Sie sind jene für die Verlage unberechenbare Zielgruppe, die von der gedruckten Zeitung nichts mehr wissen will, es dafür aber gewohnt ist, für ein Netflix- oder Spotify-Abo zu zahlen. Allerdings sind sie zum einen deren Preise gewohnt, zum anderen deren Funktionalität: Ein Digital-Abo muss einfach abzuschließen, einfach zu bezahlen und im Zweifelsfall auch wieder flexibel kündbar sein.

          Die Macher der Studie fordern die Medienunternehmen deshalb auf, die Wünsche ihrer Kunden noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Genau das passiert aber bereits, wenn überall Redaktionen und Verlagsmitarbeiter fieberhaft an neuen Produkten arbeiten. Die Gefahr der „Subscription Fatigue“ indes ist real: Neben dem Musik- und Video-Streamingdienst auch noch für Journalismus zu bezahlen und dann nur die Auswahl eines einzigen Anbieters zu bekommen klingt für viele (junge) Nutzer nicht attraktiv.

          Gemeinsame Plattformen der Verlage?

          Hier bringt die Studie „One-Stop-Shops“ ins Spiel, also gemeinsame Plattformen der Verlage. Wie deren Erlöse verteilt würden, ob damit bestehende Redaktionen mit Korrespondentennetzwerken in der ganzen Welt finanziert werden könnten, diese Fragen sind völlig offen. Ambitioniert gestartete neue Anbieter wie „Blendle“ konnten die Hoffnungen der Medienunternehmen nach neuen Erlösquellen bislang nicht erfüllen. Dennoch müssen Medienhäuser alle Optionen prüfen: Nichts wäre verheerender als der Markteintritt eines Branchenfremden wie Apple, der vormacht, wie es geht, und dann ein für alle Mal die Bedingungen diktiert.

          Felix Hooß

          Koordinator für Premium-Inhalte bei FAZ.NET.

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