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Online-Karten : Sie zeigen die Welt, wie sie uns gefällt

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Bunt ist nur ein Merkmal der Karten, die das Unternehmen Mapbox im Angebot hat. Bild: Mapbox

Die Firma Mapbox stellt Online-Karten her. Das Beste: Jeder kann mitmachen, es geht nicht um fetten Reibach wie bei Google. Das nächste Ziel sind Satelliten-Livebilder.

          In der viertelstündigen Fernsehsendung, in der Amazon-Chef Jeff Bezos am Wochenende seine Mini-Helikopter vorstellte, fiel ein interessanter Satz, der zu wenig beachtet worden ist. Mit Paket-Drohnen hatte er nichts zu tun: Bald wird Amazon mehr Geld mit dem Speichern und Verteilen von Daten, also mit seiner Cloud, verdienen als mit dem Ausliefern von Waren. Die Dimensionen sind kaum vorstellbar. Branchen, deren Marktpotential in Milliarden von Dollar berechnet werden, ruhen auf den Diensten von Amazon - Netflix, Dropbox, die CIA, um nur einige Schwergewichte zu nennen.

          In einer dieser Branchen, die als besonders zukunftssicher gelten, kümmern sich eifrige Software-Entwickler um Geographie: Sie kreieren Karten. Aber eigentlich arbeiten sie an unserem Weltbild. Alsbald, so eines der ambitionierten Ziele, wird es tagesaktuelle Satellitenbilder geben, deren Hauptmerkmal ist, dass sie wunderschön aussehen. Das Unternehmen, das sich dieses Ziel gesetzt hat, zu zeigen, was möglich wird, heißt Mapbox.

          Das Geschäftsmodell der digitalen Ökonomie

          Das Geschäftsmodell klingt so besonders wie beispielhaft für die digitale Ökonomie. Mapbox entwickelt eine Ökologie - dieser Begriff ist beliebt, in diesem Fall trifft er wörtlich zu - für Organisationen, die schöne und nützliche Karten anbieten wollen, aber nur Rohdaten haben. Gebraucht werden also eine Basemap und ein Editor, mit dem sich Daten und Karten auf einfache Weise miteinander verknüpfen lassen. Was nach Big Data und Big Business klingt, ist tatsächlich konsequent open. Die Basisdaten der Karten wurden von der eifrigen Open-Street-Map-Gemeinde zusammengetragen. Bei Bedarf lässt sich öffentliches Bildmaterial der Nasa zuschalten.

          Mapbox entwickelte die Editor-Software „Tilemill“ (zu Deutsch „Kachelfräse“), mit der das Werkzeug ebenso frei zur Verfügung gestellt wird. Von dieser Open-Source-Symbiose kann jeder profitieren: Lehrer, die spezielles Unterrichtsmaterial brauchen; Partyveranstalter, die ihre Gäste lotsen müssen; Journalisten, die ihrem Publikum Ecken der Welt zeigen wollen, die sie selbst gerade erst entdeckt haben.

          Die Anwendungsbeispiele zeigen, welchen Anspruch an Benutzerfreundlichkeit sich das Unternehmen stellt. Bezahlt wird - wie bei Google Maps - allein der Transfer von Daten, Nutzeraccounts und alle Funktionen gibt es kostenlos. Erst wenn die Karten von Tausenden oder Millionen von Anwendern betrachtet werden, stellt Mapbox die Datenmenge in Rechnung. Bezahlt wird also nicht die Qualität der Karten, sondern ihr Zuspruch bei den Nutzern.

          Kann wie ein interaktiver Roman gelesen werden: Auf den aktuellen Karten der Open-Street-Map liegt der Daten-Schleier des New Yorker Zensus von 1940.

          Dieses Modell funktioniert, es belastet die Geschäftstüchtigen, bremst aber die Enthusiastischen nicht aus. 1997, als an Google Maps noch nicht zu denken war, weil es Google noch nicht gab, setzten sich die ersten Berliner aufs Fahrrad und kartographierten ihre Stadt. Die GPS-Signale waren damals noch - bedingt durch militärische Entscheidungen - auf hundert Meter ungenau. Ausgehend von diesem Pioniergeist, lässt sich der Bogen bis heute zu Mapbox als Unternehmen spannen.

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