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Olli Dittrichs neue Show : Fünf Rollen für ein Halleluja

Dittrich mal fünf: Die sechste im Bunde ist Cordula Stratmann. Bild: ARD

Olli Dittrich zieht in seiner neuen Satire „Das Talk-Gespräch“ die Quersumme aller verquatschten Rederunden, die es im deutschen Fernsehen je gab. Wer diese Show sieht, muss nie wieder Talkshow gucken.

          2 Min.

          Kennen Sie das? Sie haben schon viele Talkshows gesehen. Zu viele. So viele, dass Sie bei jeder neuen ein Déjà-vu nach dem anderen haben. War der Wolfgang Bosbach nicht gerade in der Sendung von Sandra Maischberger und hat sich zu einem ganz anderen Thema geäußert? Was macht er jetzt schon wieder bei Jauch? Ging es wirklich um politische Demenz? Und warum haben Sie schon wieder vergessen, worum es bei Maybrit Illner ging? Ging es da überhaupt um was? Und dann dieser ewige Lanz. Ist dessen Stutzer-Bart wirklich echt? Sieht so ein bisschen aus nach Oberkellner in einem Zwanziger-Jahre-Film. Am nächsten Tag weiß der bestimmt nicht mehr, wen er abends zuvor zu Gast hatte. Warum auch?

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Je mehr Talkshows es im deutschen Fernsehen gibt – und es gibt davon eine Menge – desto deutlicher wird: Es gibt nur eine einzige Talkshow und die wird in Etappen gezeigt. Es ist eine Endlos-Serie, so wie die „Lindenstraße“, kanalübergreifend. Es ist ein Talkshow-Komplex. Und die Quersumme dieser einen, einzig wahren Talkshow zieht nun Olli Dittrich im „Talk-Gespräch“. Außer der Moderatorin, in deren Rolle Cordula Stratmann schlüpft, spielt Dittrich alle Gäste-Typen, die die bundesdeutschen Talkshows bevölkern, selbst. Es sind deren fünf:

          1. Trixi Dörfel, Schauspielerin: Sie ist knapp über Fünfzig, sieht aber fast aus wie knapp über Dreißig und spielt gerne „starke Frauen“. So auch in ihrem neuesten Film „Es muss nicht immer Afrika sein“. In dem trifft sie als Evamaria Kronenberg einen geheimnisvollen Kenianer, den sie zuerst für einen Italiener hält. Einstellen konnte sie sich auf diese Rolle in der Serie „Klinik Paradies“, in der sie einen traumatisierten Senegalesen heilte. Und wie schafft sie es, dabei immer so umwerfend auszusehen? Die Creme „Trixiebzehn“ hilft ihr dabei, mit dem sensitiven „Stop Olding-Factor“ und dem geheimnisvollen Gemisch aus Goya-Gurke und Waschbär-Butter.

          2. Andreas Baesecke, Tiersucher. Er hat das Polar-Zebra gefunden, was nicht gerade einfach ist, gibt es doch weltweit nur noch drei, höchsten vier Exemplare und trägt es doch im Winter ein Fell mit ausschließlich weißen Streifen und in der Polarnacht eines mit schwarzen.

          3. Sandro Zahlemann, Reporter-Urgestein. Er berichtete in atemberaubender Manier von einem Nicht-Ereignis, bei dem, mit seinen eigenen Worten „für die Bevölkerung zu keiner Zeit Anlass bestand“. Er blieb trotzdem vor Ort, bis am nächsten Morgen der Bus um 6.36 Uhr zwei Minuten zu spät kam. Demnächst bekommt er seine eigene Sendung „Geliebt, Gelobt, Genossen“ ein „Bundes-Einerlei“: „Ein Gespräch über einen Sendeplatz ist bereits in Planung.“

          4. Platzhirsch, Sänger: Gilt als die deutsche Antwort auf, tja, eigentlich alle. Hat den Groove und Rasta-Locken und singt „Chillin' con carne“.

          5. Hauke Roche-Baron, Journalist: Hat die Bücher „Das weiße Haus am roten Platz“ und „Der kalte Vorhang“ geschrieben. Drehte 1966 eine Dokumentation über Frisuren von russischen Linienrichtern und filmte dabei zufällig das Wembley-Tor. Er schloss einen Deal mit dem britischen Geheimdienst MI6, der Folgen haben sollte.

          All diese Figuren treten mit und durch Olli Dittrich auf, dem es mit seinem „Talk-Gespräch“ nach dem „Frühstücksfernsehen“ gelingt, ein Genre so täuschend echt satirisch nachzubilden, dass man, wie einst bei Loriot, nichts übertrieben findet, weil der hier dargebotene Wahnsinn so sensationell unterkühlt und nüchtern exerziert wird, dass einem bei jedem Wort die Wahrheit vor Augen tritt: Genau so ist es. So und nicht anders, jeden Abend im deutschen Fernsehen. Und wir können nun sagen: Wir müssen uns das nie wieder anschauen, denn wir haben das „Talkgespräch“ von Olli Dittrich gesehen. Da steckt alles drin.

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