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Film „Eltern mit Hindernissen“ : Ohne häusliche Platzprobleme

  • -Aktualisiert am

Wieder vereint: Glücklich nehmen Katrin (Nicolette Krebitz) und Philipp (Hary Prinz) ihre Tochter wieder in den Arm. Bild: MDR

Moderner Mehrgenerationenfilm: Im ARD-Film „Eltern mit Hindernissen“ lernt sich eine Familie noch einmal so richtig kennen.

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          „Homeschooling“ oder „Homeoffice“ zuerst? Oder doch staubsaugen? Wer bislang dachte, dass Kurzarbeit auf digitale Distanz eine gute Gelegenheit sei, mehr Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Vater, Mutter, Kind, Arbeit und Erwerbstätigkeit – in Deutschland anscheinend immer noch schwierig ins Gleichgewicht zu bringen. Davon kann bei Katrin Wiedemann (Nicolette Krebitz) und Philipp Esch (Hary Prinz) keine Rede sein. Sie haben turbulente Zeiten als neue Patchworkfamilie hinter sich, aber jetzt läuft es wie am Schnürchen. Nach „Familie mit Hindernissen“ (2017) und „Trauung mit Hindernissen“ (2018) wuppen sie in „Eltern mit Hindernissen“ in bewährter Slapstick-Komödienmanier die realitätsnahen Herausforderungen des Alltags der gebildeten Mittelschicht ohne häusliche Platzprobleme. Zur Not zieht man sich ins Baumhaus zurück.

          Der Verlauf der Geschichte allerdings ist vielfach anschlussfähig. Denn die hochschwangere Katrin, die in wenigen Wochen ihr Einstellungsgespräch zur Schuldirektorin vor einer kritischen Kommission absolvieren soll, hat nach ihrer Sturzgeburt ein „Problem“. Jedenfalls bringt es die Noch-Vorgesetzte der Sportlehrerin so auf den Punkt. Frau Dr. Schulze-Stadler (ironisch markant: Sophie Rois) ist für Frauenförderung, absolut. Und sie findet Katrins Schulkonzept brillant. Das „Problem“ allerdings fordert aus Sicht von Schulze-Stadler sofort eine pragmatische Lösung. Die heißt: Ehemann Philipp, ebenfalls Lehrer, übernimmt den Direktorinnenposten erst einmal interimistisch. Mitsamt Katrins Konzept. Später könne man sehen. Einen heftigen Ehestreit um die Prioritäten später landet „das Problem“ aus Versehen in der Babyklappe eines Krankenhauses. Weder „Super-Papa“ Philipp, der zur Hausgeburt im Wohnzimmer einen Luxus-Wassergeburtspool aufgestellt hatte und mit Freuden die gesamte Elternzeit übernehmen wollte, noch seine Angetraute, die nach dem Mutterschutz in die Schule zurückzukehren gedachte, können die Jugendamtsmitarbeiterin (Milena Dreißig) abschütteln, die ihnen nun an den Fersen klebt. Dass Eltern ihr kaum Neugeborenes, „das Problem“, mal eben so ablegen, ließe sich auch mit Schlafentzug nicht erklären.

          Von jetzt an geht es bei den Wiedemann-Eschs zu wie im Boulevardtheater-Hühnerstall. Dauerklingeln an der Haustür der großen Leipziger Villa. Auftritt links, Abtritt rechts, in den Gassen wartet das Personal auf sein Stichwort. Im Grunde könnte man die Tür gleich offen lassen. Sei umschlungen, erweiterte Familie! Katrins Vater Horst (Peter Prager) quartiert sich auf der Flucht vor seiner sexhungrigen Freundin ein; Katrins elegante Ex-Schwiegermutter Diana (Daniela Ziegler) braucht ein Obdach und zeigt Anzeichen von Altersverwirrung: Katrins Kinder Saskia (Emilie Neumeister) und Leo (Luis Kurecki) benötigen Aufmerksamkeit, und schließlich schneit auch noch der Ex-Lover herein.

          Nicht ganz so skurril wie die beiden Vorgängerfilme, setzt „Eltern mit Hindernissen“ neben der Situationskomik nett verpackt auf das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sophia Krapoth (Buch), Doro Götz (Kamera) und Anna-Katharina Maier (Regie) liegt in diesem Film von Produzentin Ariane Krampe sehr daran, ihre warmherzige, patente Hauptfigur, die Krebitz mit einer Menge natürlichem Charme und Power verkörpert, nicht als empathieloses Karrierebiest dastehen zu lassen. Die kurze Frist bis zum Wiedereinstieg schmeckt Katrin gar nicht. Direktorin will sie aus lauter allumfassender Kinderliebe werden, um nicht nur für die eigenen, sondern für möglichst viele Heranwachsende Fairness und Chancengleichheit zu schaffen. In einem überlang geratenen Plädoyer, das inhaltlich freilich einiges für sich hat, stellt Katrin ihre gesamtgesellschaftlichen Teilhabevorstellungen am Ende des Films der Bewerbungskommission und den Zuschauern vor. Da applaudiert selbst die Frau vom Jugendamt ausdauernd. Bis zur Auflösung in herzwärmendem Wohlgefallen ist „Eltern mit Hindernissen“ dennoch ein sehenswerter, moderner Mehrgenerationenfilm.

          Eltern mit Hindernissen, 20.15 Uhr im Ersten.

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