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Ofcom-Urteil zu Piers Morgan : Meghans Makel

Sie sprach öffentlich von Selbstmordgedanken und Rassismus-Erfahrungen: Der Journalist Piers Morgan zog ihre Aussagen in Zweifel. Bild: AFP

Der ITV-Frühstücksfernsehmoderator Piers Morgan hatte Aussagen im Oprah-Winfrey-Interview mit Meghan Markle und Prinz Harry angezweifelt. Dafür erntete er viel Kritik und verlor seinen Posten. Nun stärkt ihm die britische Medienaufsicht den Rücken.

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          Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom hat befunden, dass der Moderator Piers Morgan mit seiner Kritik an Meghan Markle nicht gegen die Vorschriften verstoßen hat. Im Frühstücksfernsehen des Senders ITV hatte Morgan Anfang März an zwei Tagen in Moderationsbeiträgen zum umstrittenen Oprah-Winfrey-Interview mit dem Herzog und der Herzogin von Sussex unter anderem die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe der Herzogin gegen die königliche Familie in Zweifel gezogen.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Das führte zu einem Schlagabtausch mit dem Wetteransager Alex Beresford vor laufender Kamera, der Morgan veranlasste, das Studio noch während der Sendung vorübergehend zu verlassen. Am Abend des zweiten Tages trat Morgan mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurück. Dabei berief er sich auf das Recht der freien Rede.

          Bei Ofcom und ITV beschwerten sich daraufhin fast 58.000 Zuschauer. Morgan wurde beschuldigt, Markles Darstellung ihrer Selbstmordgedanken und Erfahrungen mit Rassismus geschmälert zu haben. Dadurch trauten sich auch Zuschauer nicht mehr, ihre Ängste auszusprechen, aus Sorge, man könnte sie selbst nicht ernst nehmen.

          Die Behörde verkündete am Mittwoch, sie habe bei der Abwägung des Rechts auf freie Meinungsäußerung gegen die Notwendigkeit, Zuschauer vor Schaden zu schützen, ein „fein austariertes“ Urteil gefällt. Obwohl Ofcom Bedenken über Morgans Ansatz bei der Erörterung ernster Fragen wie Selbstmordgedanken und Rassismus äußerte, seien die Fragen hinreichend offen debattiert worden.

          Im Einklang mit der Meinungsfreiheit sei Morgan berechtigt, die Vorwürfe des Paares in Zweifel zu ziehen. Die Vorschriften erlaubten robust vertretene Ansichten, auch solche, die potentiell schädlich oder beleidigend seien. Ofcom bezeichnete die Unterdrückung solcher Ansichten als „eine unberechtigte und abschreckende Einschränkung der Meinungsfreiheit sowohl des Senders als auch des Publikums“.

          Morgan freute sich darüber, dass „Ofcom mein Recht unterstützt hat, den aufwiegelnden Behauptungen des Herzogs und der Herzogin von Sussex nicht zu glauben, von denen viele sich als unwahr erwiesen haben“. Die Entscheidung sei ein „Sieg für die freie Rede und eine schwere Niederlage für Prinzessin Pinocchio.“ Hinterher schob Morgan die Frage: „Bekomme ich meine Stelle zurück?“

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