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Österreich : „Spiegel“-Korrespondentin in Handschellen abgeführt

  • -Aktualisiert am

Berühmt für seinen Charme: Ordnungshüter aus Österreich Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Mit einer Schulterprellung, dem Vorwurf des Völkerrechtsbruchs und einer Strafe von 281 Euro endete die Begegnung der Wiener „Spiegel“-Korrespondentin mit zwei Polizisten. Die Journalistin war bei Rot über eine Kreuzung gefahren.

          Eine Begegnung der dritten Art, zwischen einer „Spiegel“-Korrespondentin und zwei Wiener Polizisten, endete vorläufig mit einer „Note“ der deutschen Botschaft an das österreichische Außenministerium, einer Beschwerde des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ beim Wiener Polizeipräsidenten sowie einer satten Geldstrafe von 281 Euro für die Journalistin Marion Kraske. Weil sie in der Venediger Au mit ihrem Rad bei Rot über eine Kreuzung gefahren war, zwar eine „Spiegel“-Visitenkarte, aber keine sieben Euro (Bußgeld) und auch keinen Ausweis in der Tasche hatte, wurde die Wien-Korrespondentin des deutschen Nachrichtenmagazins von zwei Polizisten festgenommen.

          Zwecks Klärung ihrer Identität schlug die junge Frau und Mutter den Beamten einen Telefonanruf im „Spiegel“-Büro vor, vergeblich. Als sie sich weigerte und wehrte, wegen so einer „Lappalie“ mitzukommen, wurde sie laut ihrer Aussage zu Boden gedrückt. Nach ihrem Versuch, auf dem Boden sitzend und ein Polizistenknie im Rücken, die deutsche Botschaft anzurufen, wurde ihr das Mobiltelefon „gewaltsam entrissen“. Vor dem Anlegen der Handschellen, mit Händen im Rücken, traf sie beim Versuch, sich aus dem Polizeigriff loszumachen, einen Beamten im Gesicht - was von der Polizei als „Ohrfeige“ bezeichnet wird. Wie eine Schwerverbrecherin sei sie in den Streifenwagen „geschmissen“ worden, auf dem Polizeirevier habe sie eine Stunde lang mit niemand Kontakt aufnehmen dürfen.

          Völkerrechtsbruch und Schulterprellung

          Die deutsche Botschaft habe einen „Völkerrechtsbruch“ konstatiert. Im Krankenhaus wurde eine Schulterprellung diagnostiziert. „Das ist ein Vorfall, den man in einem mitteleuropäischen Land nicht erwarten würde“, sagt Gerhard Spörl, der Auslandschef des „Spiegel“. Jeder Wiener kann sich den Vorfall lebhaft vorstellen, mitsamt den charmanten Polizistenkommentaren, wie: „Da müssen S' eben zu Hause bleiben!“

          Marion Kraske bringt über ihren Wiener Anwalt eine Beschwerde beim Verwaltungssenat ein. Der Polizeichef kommentiert: „Man muss sich das jetzt einmal anschauen“; es wird ermittelt, gegen die Polizisten und gegen „die Dame vom ,Spiegel'“. Die Strafverfügung über 281 Euro hat Marion Kraske schon einmal erhalten, wegen der roten Ampel, wegen mehrfachen lauten Schreiens, wilden Gestikulierens, wegen Störens der öffentlichen Ordnung, Behinderung der Amtsausführung und so weiter.

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