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ORF-Panne : Wie würden Sie das Küken nennen?

Der Untertitel zu dieser eindrücklichen Bestallungsurkunden-Szene lautete: „(Nein. Der schon wieder.)“ Bild: EPA

Der ORF macht einen Fehler bei den Untertiteln zur Regierungsvereidigung. Das Crossover aus hochoffizieller „Angelobung“ und Telenovela ist eine Sternstunde unfreiwilligen Humors.

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          So viel hat man in diesen ernsten Zeiten ja nicht zu lachen. Umso dankbarer muss man dem ORF sein, der der Vereidigung der neuen österreichischen Regierung, also einer eigentlich langatmigen politischen Formalie, einen Dreh ins absurd-humoristische gab. Die „Angelobung“, so heißt das Prozedere offiziell, wurde als Sondersendung live übertragen. Wer jedoch die Mediathekfassung schaute und dabei die Untertitel einschaltete, dem eröffnete sich eine poetisch-assoziative Sinnebene, die den Ernst der Angelegenheit angenehm konterkarierte.

          Das Original ist für österreichische Verhältnisse ja ziemlich dröge und völlig frei von auflockernden Oligarchennichten, da ist man Unterhaltsameres gewohnt. In entsprechend formaler Angelobungskulisse, dem dunkelrot ausgekleideten Maria-Theresienzimmer mit würdig blickender Monarchin in Öl, steht ein ORF-Reporter und spricht über Füllfederhalter, Tische und Tapetentüren, die sich gleich auftun würden, „alles ganz genau geplant, da gibt es eine Protokollabteilung in der Hofburg“.

          Aber auch die beste Planung nutzt nichts, wenn Bundespräsident Alexander van der Bellen von einer lebendigen Demokratie spricht und der Übergangsregierung dankt, die nach dem Ibiza-Desaster in die Bresche sprang, und das Ganze mit einem Dialog untertitelt wird, in dem gerade verhandelt wird, wie das Küken – die Kamera hält auf Sebastian Kurz – denn nun zu benennen sei.

          Ob es ein männliches oder weibliches Küken sei? Na, das sehe man doch an den zierlichen Füßen. Isabelle? Und dieses sieht aus wie ein Philipp, „bei dem breiten Brustkorb“. Van der Bellen spricht, die neue Regierung steht stramm, die Küken bekommen Namen. Später werden die Bestallungsurkunden unterzeichnet. „Hoffentlich hält die Strumpfhose“, steht darunter, und dann: „Sind die für Mama?“ Es nutzt die beste staatstragende Haltung, die gründlichste Protokollabteilung und die grimmigst dreinblickende Kaiserin an der Wand nichts, wenn Kükennomenklatur, Strumpfhosenstatik und hochfeierlicher Staatsakt kollidieren.

          Der ORF spricht von einem „Abwicklungsfehler“, die Untertitel entstammten der vorherigen Sendung, einer Telenovela namens „Alisa – Folge deinem Herzen“. Man habe die Angelobung in Kükenversion umgehend gelöscht und durch die korrekte Fassung ersetzt, erklärte der Sender. Man bedaure den Vorfall und entschuldige sich dafür. Zu unser aller Glück kursieren jedoch Mitschnitte im Netz, und wenigstens einmal freut man sich darüber, dass dieses Dokument menschlicher Fehlleistung in dieser Form für die Nachwelt erhalten bleiben darf.

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