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Wegen Verstößen : Youtube löscht Kanal des Identitären-Chefs Sellner

Martin Sellner im März 2019 in Wien Bild: AFP

Der Haupt-Kanal des Chefs der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich (IBÖ), Martin Sellner, ist von Youtube gelöscht worden. Doch er fand einen anderen, um sich darüber zu beschweren. Was sagt der Plattform-Konzern?

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          Das Videoportal Youtube hat offenbar den Kanal des Chefs der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich (IBÖ), Martin Sellner, gelöscht. Man habe ihn wegen „wiederholter oder grober Verletzungen“ der Community-Regeln gesperrt, ist in einem Beitrag Sellners zu lesen. Es folgt der Verweis darauf, dass bei Youtube Inhalte verboten sind, die Gewalt gegen Einzelne oder Gruppen verherrlichen oder Hass schüren.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Mochte Youtube seinen Hauptkanal, der angeblich 107.000 Abonnenten hat, abgeschaltet haben, meldete sich Sellner doch umgehend auf einem anderen, direkt aus seinen Flitterwochen in Rom, um sich über den Ausschluss zu beschweren. Der Zeitung „Junge Freiheit“ sagte Sellner, „nach Facebook, Instagram, Paypal und über fünfzehn Bankkonten“ solle ihm nun „auch noch das Sprachrohr genommen werden, mit dem ich mich gegen Medienlügen wehren konnte“. Er wolle gegen die Abschaltung juristisch vorgehen.

          Sellner ist nicht nur eine führende Figur der Identitären Bewegung in Österreich, er pflegt Verbindungen zu den Indentitären und der Neuen Rechten in Deutschland und trat bei Pegida in Dresden auf. Der österreichische Verfassungsschutz ermittelt gegen die IBÖ wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Der Ermittlung liegt zugrunde, dass Sellner per E-Mail Kontakt zu dem australischen Rechtsextremisten Brenton Tarrant und 2018 von diesem eine Spende von 1500 Euro erhalten hatte.

          Tarrant hatte im März dieses Jahres bei einem Attentat auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen getötet und seine Tat gefilmt. Sellner meinte, Tarrant habe ihn „mitreinziehen“ wollen, er habe mit dem Attentäter und dessen Massenmord nichts zu tun. Der deutsche Verfassungsschutz schätzt die Identitäre Bewegung als „gesichert rechtsextremistisch“ ein.

          Youtube hatte kürzlich abermals angekündigt, diskriminierende, rassistische, zu Hass und Gewalt anstachelnde Inhalte und solche, die Verbrechen, den Holocaust zumal, leugnen, stärker zu bekämpfen und von der Plattform zu nehmen. Die Anfrage zum Hintergrund des konkreten Falls der Löschung des Kanals von Martin Sellner beantwortete Youtube zunächst allgemein: „Schon seit Jahren entfernen wir Inhalte, die gegen unsere Produktrichtlinien verstoßen, konsequent. Entsprechende Inhalte werden von uns spätestens nach entsprechenden Hinweisen durch Nutzer überprüft und umgehend entfernt. Wir arbeiten laufend an der Verbesserung unserer internen Prozesse, um eine zügige und sachgerechte Prüfung und Entfernung sicherzustellen“, sagte ein Sprecher der Youtube-Muttergesellschaft Google.

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