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Öffentlich-rechtliche Regie : Wer zur Gewalt in Köln nicht gefragt ist

Ein falsches Wort, und das Interview wird abgebrochen: Der Kriminologe Christian Pfeiffer durfte in einer Fernsehsendung nicht von Flüchtlingen sprechen. Bild: dpa

Experten dürfen im Interview nicht von Flüchtlingen sprechen, Moderatoren tun Polizeiaussagen als „wahrscheinlich letztlich Klischees“ ab: Wie der Rundfunk mit der Silvesternacht von Köln umgeht, ist das Gegenteil von Journalismus. Ein Kommentar.

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          Der Kriminologe Christian Pfeiffer, der früher einmal Justizminister in Niedersachsen war, ist zurzeit wieder ein gefragter Mann, weil er sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich mit dem Thema Gewalt beschäftigt. Er ist gefragt, soll aber, zumindest im Fernsehen, nicht immer sagen, was seinen empirischen Befunden zugrunde liegt und aus ihnen folgt.

          Er solle im Zusammenhang mit den sexuellen Gewalttaten gegen Frauen in der Silvesternacht in Köln nicht von Flüchtlingen sprechen, habe ihn ein Fernsehredakteur kürzlich vor einer Sendung angewiesen, sagte Pfeiffer, als er am Donnerstagabend in der „Phoenix Runde“ zu Gast war. Sonst, wurde Pfeiffer gesagt, breche man das Interview sofort ab: was für ein Paradebeispiel für ein Nichtwahrhabenwollen, das ob der sich verdichtenden Informationen über die Nacht von Köln nur noch absurd wirkt. Es spielt den Rechtsextremen und denen, welche die Presse als Schweigekartell betrachten, perfekt in die Hände. Es ist das Gegenteil von Journalismus.

          Wie das aussieht, zeigte uns am Donnerstag auch das „Morgenmagazin“ des ZDF. In dem wertete der Moderator Mitri Sirin die bisher vorliegenden Erkenntnisse über die Täter von Köln, also die Aussagen der Opfer und der Polizei, nicht nur als vorläufig, sondern komplett unsicher und „wahrscheinlich letztlich Klischees, die man zu politischen Forderungen verarbeitet“. Worin ihm die Netzfeministin Anne Wizorek, die mit der Twitter-Aktion „#Aufschrei“ bekannt geworden ist, sofort zustimmte und relativierend von einer Dunkelziffer von angeblich zweihundert Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest sprach.

          Woher sie die Zahl hat (die von der Polizei bestritten wird), brauchte sie im ZDF nicht zu sagen. Auf die Expertise des Kriminologen Pfeiffer, der mit Zahlen und Fakten nicht einfach hantiert, wird bei passender Gelegenheit verzichtet. Die Silvesternacht von Köln ist auch ein Stresstest für den Journalismus.

          P.S.: Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat sich bei Phoenix darüber geäußert, dass er sich bei einem anderen Sender im Zusammenhang mit den Angriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln nicht über das Thema Flüchtlinge habe äußern dürfen. Bei Phoenix durfte er das nicht nur, er thematisierte hier vielmehr, dass ihm andernorts Auflagen gemacht worden seien, was er sagen sollte und was nicht. Die Kritik von Zuschauern und Lesern, die nun offenbar beim Sender Phoenix anbrandet und sich gegen das Redeverbot für Pfeiffer richtet, ist an dem Parlamentskanal von ARD und ZDF selbst nun ganz und gar nicht zu üben. Bei Phoenix konnte Pfeiffer Klartext reden und tat das auch.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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