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Obama vs. Fox News : Danke für die Dünnhäutigkeit

Seine neue Dünnhäutigkeit walzt „Fox News” zu einem profitablen Kleinkrieg aus: Barack Obama Bild: AP

Den traditionsreichen Kampf gegen die Medien hat noch kein amerikanischer Präsident gewonnen. Auch die Anti-Fox-Kampagne Barack Obamas war strategisch kontraproduktiv: Die Einschaltquoten des Senders stiegen um zehn Prozent.

          Nein, Originalitätspunkte gab es keine mehr zu gewinnen, als vor drei Wochen dann auch Anita Dunn, die Kommunikationschefin des Weißen Hauses, endlich sagte, was alle sagen: dass der amerikanische Kabelsender Fox News das „Sprachrohr der Republikanischen Partei“ sei; dass man nicht so tun solle, als handle es sich um einen Nachrichtensender; und dass, aus diesen Gründen, der Präsident dem Sender jetzt erst einmal keine Interviews mehr geben wolle, aber gerne mal wieder vorbeischaue, wenn er Lust habe, mit der Opposition zu streiten. Und für einen Moment sah es so aus, als würde die Obama-Administration hier wieder einmal einen lästigen Gegner mit souveräner Beiläufigkeit erledigen, wie damals die Fliege, die der Präsident während eines Interviews erschlagen hatte.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In den vergangenen Tagen aber wurde klar, wie wenig von dieser Leichtigkeit derzeit noch übrig ist. Das kämpferische Selbstbewusstsein, mit dem Obama noch vor einem Jahr mit dem Fox-Pittbull Bill O'Reilly in den Ring gestiegen war, ist einer Dünnhäutigkeit gewichen, die Fox bereitwillig zu einem profitablen Kleinkrieg ausgewalzt hat. Die Seitenhiebe der Regierung sind genau der Stoff, den der Sender so gerne als Nachricht verkauft und abendfüllend in seinen grobmaschigen Talkshows aufribbelt. Dass Obamas Team die erhabene Position selbst noch nicht ganz begriffen hat, die die Präsidentschaft mit sich bringt, hat ihm auch skeptische Kommentare politisch näher stehender Journalisten eingebracht: Der Versuch etwa, im offiziellen „White House Blog“ die Lügen von Fox News mit einem Faktencheck zu widerlegen, kam dem „New York Times“-Medienkritiker David Carr vor „wie das Blog eines Arbeitslosen, der im Keller seiner Eltern wohnt“.

          Ein guter Indikator

          Den traditionsreichen Kampf gegen die Medien, da waren sich liberale und konservative Beobachter ausnahmsweise einig, hat noch kein Präsident gewonnen. Und so war auch die Anti-Fox-Kampagne strategisch erwartungsgemäß kontraproduktiv: Seit Dunns Beschwerden stiegen die Einschaltquoten von Fox um zehn Prozent. Da hilft es wenig, dass die amtliche Kritik inhaltlich genau den Punkt trifft: Weder Dunn noch Obamas Berater David Axelrod und Stabschef Rahm Emanuel, die sich ein wenig später ähnlich zu Wort meldeten, sprachen dabei dem Sender das Recht ab, seine politische Agitation weiterzubetreiben. Dass sich aber die Regierung herausnimmt, den Fox-Quatschslogan „fair and balanced“ nicht länger ernst zu nehmen, ist für den Sender rufschädigender als jede Verleumdung. Als „Opiniotainment“ beschrieb der „Daily Show“-Moderator Jon Stewart das programmatische Prinzip von Fox - ein Geschäftsmodell, das nur halb so gut funktioniert, wenn die Zuschauer Meinung nicht mehr mit Nachrichten verwechseln.

          Das Insistieren auf der eigenen Unvoreingenommenheit ist ein ganz guter Indikator dafür, dass man mit objektivem Journalismus nicht mehr viel zu tun haben will - leider längst nicht mehr nur bei Fox. Am anderen Ende des politischen Spektrums versucht verstärkt auch MSNBC, mit politischer Randale erfolgreiches Fernsehen zu machen. Dummerweise hat das Ganze nicht viel mit einer Streitkultur zu tun, die an Kontroversen sonderlich interessiert wäre. Wenn man sich nicht gerade gegenseitig anschreit, wer der fairere Sender ist, beschränken sich die Debatten darauf, dass die Moderatoren die sendereigenen „politischen Analysten“ oder andere Meinungssklaven interviewen. Alles sieht danach aus, als ob sich das öffentliche Wettschreien zu einem geschlossenen System entwickelt, zu einer Art Perpetuum mobile des Ressentiments, das sein Momentum aus gegenseitigen Hitler-Vergleichen und Kommunismusunterstellungen nimmt.

          Es ist deshalb eher ein gutes Zeichen, dass das Fernsehen seine Glaubwürdigkeit immer mehr einbüßt. Vielleicht verliert es damit auch seine meinungsbildende Funktion und dient, in einem therapeutischen Sinne, eher der öffentlichen Triebabfuhr, wie eine Art nationales Wutkissen.

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