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Deutsche Welle : Aufschrei zur Unzeit

Deutsche Welle: Würde sich mit einer Neuausrichtung eigentlich auch das Logo ändern? Vielleicht könnte ja ein aussagekräftiges „GW“ das veraltete „DW“ ablösen. Bild: Picture-Alliance

Nur noch englisches Programm bei der Deutschen Welle? Der Intendant des Auslandssenders droht mit dem Undenkbaren. Mit der Kritik von 130 Künstlern und Wissenschaftlern muss er gerechnet haben. Und doch kommt die Aktion ungelegen.

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          Wird die Deutsche Welle zur „German Wave“? Das wurde der Intendant des Auslandrundfunks, Peter Limbourg, gerade im Deutschlandfunk gefragt. Kein Wunder, droht er doch damit, das deutschsprachige Fernsehprogramm des Senders einzustellen, wenn die Bundesregierung nicht mehr Geld lockermacht. Was für ein Szenario! Man stelle sich vor, es gäbe die BBC nicht mehr auf Englisch oder France 24 nicht mehr en français.

          Die Senderchefs hätten es noch nicht ausgesprochen, da säßen sie schon auf der Straße. Limbourg darf indes sicher sein, seinen Posten zu behalten. Der Verwaltungsrat der DW hat gerade erst seinen Kurs bestätigt. Zu dem zählt das englischsprachige Angebot „DW News“, das im April nächsten Jahres startet. Und die Drohung, das deutsche Fernsehprogramm des Senders abzuschalten, zählt auch dazu. Das schlägt solche Wellen, dass sich unter dem Motto „Stimmen für Deutsch“ eine illustre Protestgemeinde gefunden hat. Rund 130 Künstler und Wissenschaftler haben sich einem offenen Brief der Mitarbeiter der Deutschen Welle angeschlossen, in dem sie Limbourgs Idee verwerfen.

          Die Liste der Unterzeichner ist lang. Herta Müller ist dabei, Felicitas Hoppe, Martin Walser, Peter Esterházy, Alfred Brendel, Auma Obama, Fatih Akin, Volker Schlöndorff, Andreas Dresen, Herfried Münkler, Wolf Singer, Mojib Latif, Jutta Limbach, Patricia Kaas und Smudo von den Fantastischen Vier, um nur einige zu nennen. Sie alle haben recht. Die Unterzeichnerin Christina Weiss allerdings hätte in ihrer Zeit als Staatsministerin für Kultur schon etwas gegen die jetzige Frontstellung tun können. Dem Intendanten der Deutschen Welle geht es nämlich allein ums Geld.

          Der vom Bund gestellte Etat stagniert seit Jahren. Jetzt kommt Limbourg und droht mit dem Undenkbaren, wohlwissend, welche Kritik er erntet. Er braucht diesen Aufschrei sogar, um der Bundesregierung zu bedeuten, was los ist. Dumm ist nur, dass der Bund die Mittel für die Deutsche Welle für 2014 bis 2017 um zehn Millionen auf 280 Millionen Euro erhöht hat, 2015 sind es mit Sonderposten 294 Millionen Euro. Es ist also ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, mit der „German Wave“ alias Neue Deutsche Welle zu drohen. Denn jetzt muss Limbourg zurückrudern, bevor er das rettende Ufer erreicht hat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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