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Ist „Fawlty Towers“ rassistisch? : Nur kein Wort vom Krieg

Nicht ganz ernst gemeint: John Cleese marschiert als Basil Fawlty in der Folge „The Germans“ im Stechschritt. Bild: BBC

„Don’t mention the war“: Der zur BBC gehörende Streamingsdienst UKTV hat die „Fawlty Towers“-Folge „The Germans“ einkassiert und einer Revision unterzogen.

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          Als Nächstes dürfte „Monty Python“ fällig sein. Der „Flying Circus“, mit dem Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin Ende der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre im BBC-Fernsehen unterwegs waren und es in zahllosen Wiederholungen bis heute auf diversen Sendern und Streamingplattformen sind, ist viel zu anarchisch für die heutige Ressentimentkulturaufsicht. Von den Kinofilmen der Truppe ganz zu schweigen.

          Die Serie „Fawlty Towers“ von und mit John Cleese jedenfalls hat es jetzt erwischt. In den Siebzigern errang sie den British Academy Award, sie wurde von der Royal Television Society ausgezeichnet, auf der vom British Film Institute ermittelten Liste der beliebtesten britischen Fernsehsendungen steht sie auf Platz eins (Monthy Python auf Platz fünf). Sie gilt als Klassiker britischen Humors. Und jetzt? Wird eine der witzigsten und bekanntesten Folgen der Serie – „The Germans“ – von dem zur BBC gehörenden Streamingsdienst UKTV einkassiert und einer Revision unterzogen, weil sie angeblich rassistisch ist.

          Festgemacht wird der Vorwurf an den Bemerkungen, die der „Major“ über das Cricketteam der Westindischen Inseln macht. Major Gowen ist Dauergast im Hotel „Fawlty Towers“, das von Basil (John Cleese) und Sybil Fawlty (Prunella Scales) geführt wird. Basil Fawlty ist ein Misanthrop erster Ordnung, unfreundlich gegenüber jedermann, er spioniert seinen Gästen nach und gerät von einer peinlichen Situation in die nächste. In der Folge „The Germans“ haben die Fawltys Gäste aus Deutschland, denen gegenüber Basil sich an den Vorsatz „Don’t mention the war“ (Erwähnt den Krieg nicht!), den er seinen Mitarbeitern einschärft, nicht nur nicht hält; er macht andauernd Anspielungen auf den Zweiten Weltkrieg und stolziert schließlich im Stechschritt herum. Die nun inkriminierten Bemerkungen des Majors geschehen am Rande, aber sie gehören zu dem – wohlgemerkt karikierenden – Bild, in dem John Cleese und seine Mitspieler die Briten, also sich selbst, spiegeln.

          Doch wie sagt nun, gänzlich humor- und satireverständnisfrei, ein Sprecher von UKTV? „Die Episode enthält rassistische Verunglimpfungen. Deshalb stellen wir sie zurück, während wir sie einer Prüfung unterziehen.“ Man prüfe regelmäßig ältere Sendungen, um zu sehen, ob diese den Erwartungen der Zuschauer entsprächen, besonders bewusst sei man sich „der Wirkung veralteter Sprache“. Mit der Entscheidung über „Fawlty Towers“ werde man sich Zeit lassen.

          Geht es nach John Cleese, dem wir an dieser Stelle nur beipflichten können, sollte es für eine solche Entscheidung, wenn man noch einigermaßen bei Verstand ist und nicht Tomaten auf den Augen hat, keiner großen Überlegung bedürfen. Die Episode, sagte John Cleese der australischen Zeitung „The Age“, stelle selbstverständlich eine Kritik rassistischer Einstellungen dar. „Doch eines der Dinge, die ich in den vergangenen 180 Jahren gelernt habe, ist, dass Menschen ein sehr unterschiedliches Humorverständnis haben.“ Manche verstünden, dass man, wenn man Figuren Unsinn von sich geben lasse, nicht deren Ansichten verbreite, sondern sich über sie lustig mache, sagte Cleese. Ob die Verantwortlichen der Fernsehplattform UKTV das kapieren? Sie müssten sich erst einmal des Irrsinns bewusst werden, den sie selbst da gerade betreiben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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