https://www.faz.net/-gqz-9kpyx

Neue Intendanz beim SWR : Nimm zwei

Bald unter neuer Führung: das SWR-Funkhaus Stuttgart Bild: obs

Nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Peter Boudgoust Mitte 2019 bekommt der Südwestrundfunk eine neue Führung: Nun sind Kai Gniffke und Stefanie Schneider als Kandidaten für die SWR-Intendanz gesetzt.

          2 Min.

          Ende des vergangenen Jahres teilte der Intendant des Südwestrundfunks, Peter Boudgoust, den Rundfunkräten seines Senders überraschend mit, dass er sein Amt vorzeitig abgeben wolle: Mitte 2019 werde für ihn Schluss sein. Gewählt war er in sein Amt bis Mitte 2022. Boudgousts Begründung für den Rückzug war eine honorige: Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dem SWR stünden – etwa mit Blick auf die Finanzierung durch den Rundfunkbeitrag – in den nächsten zwei Jahren große Weichenstellungen bevor, und die müsse sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin selbst vornehmen können.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Für die Rundfunkräte der Zweiländeranstalt SWR bedeutete dies jedoch, binnen kurzer Frist die Nachfolge eines Intendanten zu regeln, dessen Amtszeit allseits als gelungen angesehen wird. Diesen Findungsjob übernahm eine Arbeitsgruppe, deren Personalvorschlag der SWR am Montag bekanntgab: Kandidaten für das Amt des SWR-Intendanten sind demnach die Landessenderdirektorin Baden-Württemberg, Stefanie Schneider, und der Chefredakteur der Nachrichtenredaktion ARD-aktuell, Kai Gniffke. Über das Wahlverfahren sollen Rundfunk- und Verwaltungsrat am 24. März entscheiden, die Wahl soll am 24. Mai stattfinden.

          Anders als manch andere: im inneren Gefüge konsolidiert.

          Stefanie Schneider wirkt seit 1991 für den SWR und hat dort verschiedene Stationen durchlaufen. Erst im vergangenen Sommer war sie als Landessenderdirektorin in Stuttgart bestätigt worden. Sie gilt als SPD-nah, was insbesondere für die Rundfunk-Strippenzieher der rheinland-pfälzischen Landesregierung in Mainz ein nicht unwichtiges Kriterium ist. Kai Gniffke wirkte ebenfalls für den SWR und dessen Vorgängersender SWF, bevor er 2005 als Erster Chefredakteur zur zentralen Nachrichtenredaktion des Ersten, ARD-aktuell, nach Hamburg wechselte. Dort ist er in der jüngsten Zeit auch damit beschäftigt gewesen, Kritik an der Berichterstattung der immer noch meistgesehenen Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen wie der „Tagesschau“ zu begegnen.

          Bevor das Los auf diese beiden Kandidaten fiel, waren in den rundfunkpolitischen Kreisen im Südwesten noch drei andere Namen gehandelt worden: die WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber, der SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner und der ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler, der im Angebot der ZDF-Kanäle in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Akzente gesetzt hat.

          Der scheidende Intendant Peter Boudgoust, der CDU-Mitglied ist und vor seiner Berufung zum Intendanten im Jahr 2007 Verwaltungsdirektor des SWR war, übergibt seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin einen Sender mit einem Jahresetat von rund 1,4 Milliarden Euro und 3600 Planstellen. Er ist, anders als manch andere in der ARD, finanziell und in seinem inneren Gefüge konsolidiert. Ob das für die von parteipolitischen Interessen durchaus mitbestimmten SWR-Rundfunkräte aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg auch gilt, wird sich zeigen.

          Weitere Themen

          Die Magier von Kapstadt

          FAZ Plus Artikel: Handspring Puppet Company : Die Magier von Kapstadt

          Abschied von einer Legende der Theaterwelt: Nach vierzig Jahren, in denen sie mit ihren Geschöpfen Klassiker belebten, Festivals eroberten und Millionen von Zuschauern erreichten, löst sich die Handspring Puppet Company auf.

          Topmeldungen

          
              Will eine Impfpflicht einführen: Olaf Scholz kommt zum Bund-Länder-Treffen im Bundeskanzleramt an

          Corona-Politik : SPD und Union gehen getrennte Wege

          Noch regiert die große Koalition. Bei den Verhandlungen über neue Corona-Maßnahmen zeigen beide Partner den Willen zu einer allgemeinen Impfpflicht. Doch es wird auch klar, dass sie sich in Kürze trennen.
          Ein Kinderspiel sind die aktuellen Fragen rund ums Impfen nicht mehr.

          Pandemie-Bekämpfung : Die Impfpflicht ist das kleinere Übel

          Arbeitgeber und Industrie wollen lieber impfen als in den Lockdown. Sie sind schon jetzt von Lieferengpässen enorm gebeutelt. Eine Impfpflicht wäre billiger umzusetzen und leichter zu kontrollieren.
          Besonders schwere Fälle können nicht mehr verlegt werden, weil der Transport aufwändig ist.

          Patienten-Transporte : „Die Leute können nicht mehr“

          Erst half Deutschland seinen Nachbarländern – nun ist das Gegenteil der Fall: Corona-Patienten müssen ins Ausland verlegt werden. Nicht nur Bayern will auf internationale Hilfe setzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.