https://www.faz.net/-gqz-9j17l

Nikolaus Brender wird siebzig : Ganz schön unbequem

Beim SWF fing er an, beim WDR rückte er nach vorn, das ZDF forderte er heraus: Nikolaus Brender. Bild: dpa

Als Moderator bescherte er uns im Clinch mit Gerhard Schröder eine Sternstunde des politischen Fernsehens. Als ZDF-Chefredakteur war er manchen nicht angepasst genug. Auch das ist eine Auszeichnung: Nikolaus Brender zum Siebzigsten.

          1 Min.

          Wenn jemand mit seinem Abgang von der Bühne Schlagzeilen macht, ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Im Fall von Nikolaus Brender war es gar kein gutes Zeichen, als 2009 sein Vertrag als Chefredakteur des ZDF nicht verlängert wurde. Brender wurde Opfer eines Komplotts im Verwaltungsrat des Senders, zu dessen Sprachrohr sich der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch machte.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Begründung, Brender nicht als ersten Journalisten im Sender zu halten, weil das von ihm verantwortete Informationsprogramm zu wenig Zuspruch beim Publikum finde, wirkte vorgeschoben. Es war vielmehr so, dass Brender für einen öffentlich-rechtlichen Journalismus stand und steht, der tatsächlich das von Sendervertretern gerne bemühte Prädikat der „Staatsferne“ verdient. Er war unberechenbar und unbequem, nicht nur für die Parteipolitiker, die in den Aufsichtsgremien der Anstalten sitzen.

          Wie unbequem und widerständig er sein konnte, wurde für die Zuschauer am Abend der Bundestagswahl vom 18.September 2005 augenfällig. Da bot Brender in der sogenannten Elefantenrunde dem gerade abgewählten Bundeskanzler Gerhard Schröder, der das Wahlergebnis noch nicht wirklich wahrhaben wollte, in demokratisch vorbildlicher Weise Paroli. Es war eine Sternstunde des politischen Fernsehens.

          Bequem machte Brender es sich nie, herausfordernd war er für alle, auch im ZDF; schwer zu schlagen selbst beim auf dem Lerchenberg zur Entspannung dienenden „Sockenrennen“ auf dem Flur, bei dem er einmal mit einem wesentlich jüngeren Herausforderer gleichauf geblieben sein soll. Zum ZDF kam Brender im Jahr 2000, davor wirkte er als Programmchef und Chefredakteur beim WDR. Auf dem Bildschirm zu sehen war er seit Mitte der achtziger Jahre, zuerst als Südamerika-Korrespondent, dann als WDR-Auslandschef, Moderator des „Weltspiegels“ und Kommentator in den „Tagesthemen“. Studiert hatte Brender Politik und Jura, in Freiburg, München und Hamburg, bevor er 1980 beim damaligen Südwestfunk anfing. Geboren in Freiburg, hatte Brender sein Abitur am Jesuitenkolleg St. Blasien abgelegt.

          Nikolaus Brender hat als Journalist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk viel erreicht. Er hinterließ Spuren über seinen letzten Arbeitstag als ZDF-Chefredakteur hinaus. Denn seine Demission war der Anfang vom (zumindest teilweise eingeläuteten) Ende der Übermacht der Politik in den Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender. Heute feiert der Unbeugsame seinen siebzigsten Geburtstag.

          Weitere Themen

          „Parasite“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Parasite“

          „Parasite“, 2019. Regie: Joon-ho Bong. Darsteller: Kang-Ho Song, Woo-sik Choi, Park So-Dam. Kinostart: 17. Oktober 2019

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Katanlonien : Barcelona erlebt vierte Krawallnacht

          Die Proteste gegen die Verurteilung von Separatistenführern zu langjährigen Haftstrafen reißen nicht ab. Nicht alle sind gewalttätig: Diesen Freitag soll ein Generalstreik Katalonien lahmlegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.