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Wechsel an der Spitze der Ufa : Das Fernsehen wird auf 360 Grad erhitzt

„Wir müssen den Fernsehbegriff neu definieren“: Wolf Bauer (links) und Nico Hofmann Bild: Frank Röth

Die Ufa ist die größte private Produktionsfirma auf dem deutschen Markt. An ihrer Spitze stehen von heute an zwei: Wolf Bauer und Nico Hofmann. Sie setzen auf einen neuen Boom der Branche. Mit welchen Programmen geht der einher? Und wo laufen die?

          Vor knapp 35 Jahren kamen Sie, Herr Bauer, zur Ufa. Sie, Herr Hofmann, stießen mit der  Produktionsfirma Teamworx 1998 hinzu. Seither ist die Ufa einmal von links nach rechts und umgekehrt gebürstet worden. Zuerst gab es unter einem Dach viele kleine Marken. Dann wurden diese, vor zweieinhalb Jahren, vereinigt und größere Einheiten geschaffen. Warum?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wolf Bauer: Als ich die Geschäftsführung der Ufa 1991 übernommen habe, waren wir in einer Phase des Marktwachstums. Wir wollten in neue Programmgenres vordringen und haben dafür eigens Firmen gegründet, die Grundy Ufa, Teamworx. Dann kam die Übernahme der Phoenix, die Fusion mit Pearson TV, dann das Entertainment-Geschäft. Die Ufa bot dem Markt schließlich sieben Marken an, mit spezialisierten Teams – den besten in der Branche, die sich auch untereinander Konkurrenz gemacht haben. Auf diese Weise konnten wir das Wachstum des Marktes am besten aufnehmen. Dann beobachteten wir eine Marktsättigung, einen Stillstand vor allem bei den Programmbudgets. Das führte uns zu der Überlegung, wie wir die interne Konkurrenz im Unternehmen in eine kreative Vernetzung überführen. Wir haben uns als Team zusammengesetzt und Wege gesucht, wie wir Kreativität und Innovationskraft stärken können. Wir nennen das „Connecting Creativity“. So haben wir das Konzept „One Ufa“ kreiert. Das war ein schwieriger, aber sehr zufriedenstellender Prozess. Heute haben wir unter dem Dach der Holding drei Einheiten, die gemeinsam das schon vor sechs Jahren gegründete „Ufa Lab“ als digitales Programmlabor mit sich führen, aus denen heraus Projekte für alle Bereiche entstehen.

          Das funktioniert?

          Nico Hofmann: Das war unsere gemeinsame Idee. Die Menschen im Unternehmen haben sich viel zu wenig gekannt, es fehlte an einer gemeinsamen Unternehmenskultur. Die schaffen wir und werden zudem sehr viel effizienter und wirtschaftlicher, wir haben im Millionenbereich Kosten eingespart. Wir sagen dabei weiterhin: Das entscheidende Argument am Markt sind die Produzenten und ihre Teams, die Persönlichkeiten, die für die Programme stehen. Das ist unser zentrales Motiv. Es gibt keine präsidialen Geschäftsführer, die dem Ganzen vorsitzen, sondern ein Zusammenspiel von Spitzen-Produzenten, die die kreative und wirtschaftliche Verantwortung tragen. Ein Gleichklang von acht, neun Top-Leuten, die das Unternehmen führen.

          Bauer: Und es war nicht so, dass ich gesagt hätte: So, nach zwanzig Jahren als Geschäftsführer verordne ich der Ufa eine neue Struktur. Es war eine gemeinsame Leistung. Diese teamorientierte Art der Unternehmensführung entspricht übrigens auch den Vorstellungen und Wünschen der jüngeren Generation, deren Kreativität wir sonst gar nicht an uns binden können.

          An der Spitze dieses Gemeinschaftsunternehmens gibt es 2017 einen Wechsel.

          Bauer: Den gibt es schon früher. Jetzt, zum 1. September 2015, gibt es den ersten Schritt zur Übergabe der Verantwortung von mir an Nico Hofmann. In einer Übergangsphase führen wir die Ufa gemeinsam als Co-CEOs. Nach zwei Jahren werde ich Nico Hofmann mein Amt ganz übergeben. Zu einer guten Unternehmensführung gehört auch ein guter Nachfolgeplan. Ich denke, dass Nico Hofmann der Ufa-CEO der Zukunft ist. Ich werde dann als Produzent wirken und sicherlich viel Freude am Kreieren von Programmen haben.

          Klingt nach einem kaum zu glaubenden, evolutionär-harmonischen Prozess.

          Hofmann: Ein Kreativunternehmen wie die Ufa darf man keine fünf Minuten stillstehen lassen. Wir beide sind nicht nur über unser berufliches Wirken zu Freunden geworden, wir haben einen sehr ähnlichen Blick auf das Unternehmen und unsere Branche. Es geht um ein großes kreatives, im inhaltlichen Bereich geradezu journalistisches Zusammenspiel, seit Monaten haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie wir die Zukunft gestalten wollen.

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