https://www.faz.net/-gqz-9ucfh

Online-Portal „Republik.ch“ : Nicht genug gewachsen

Hat noch etwas Arbeit vor sich: Mitbegründer Constantin Seibt bei der Pressekonferenz zum Start von „Project R“ im April 2017 Bild: dpa

Das Schweizer Online-Magazin „Republik“ schlägt Alarm. Bis Ende März braucht es neue Abonnenten, ansonsten will es den Betrieb einstellen. Der Aufruf zeigt bereits Wirkung.

          2 Min.

          „Wir werden Ihre Unterstützung in den kommenden Monaten mehr brauchen denn je.“ Mit dringlichen Worten wandte sich diese Woche das Schweizer Online-Magazin „Republik“ an seine Leser. Bis Ende März 2020 müsse die kostenpflichtige Nachrichtenseite wieder auf 19 000 zahlende Abonnenten kommen (von den Machern „Verleger“ genannt), das war in einem Newsletter und in Form eines Blogbeitrags zu lesen. Zusätzlich seien 2,2 Millionen Franken (etwas mehr als 2 Millionen Euro) nötig, um den Betrieb des Anfang 2018 lancierten Mediums aufrechtzuerhalten. Ansonsten werde am 31. März sämtlichen Mitarbeitern die Kündigung ausgesprochen und das Unternehmen aufgelöst.

          Felix Hooß

          Koordinator für Premium-Inhalte bei FAZ.NET.

          Mit viel Optimismus und einem respektablen Crowdfunding-Erfolg waren die „Republik“-Gründer um die Journalisten Constantin Seibt und Christof Moser vor zweieinhalb Jahren angetreten, ein leserfinanziertes Online-Magazin zu schaffen, das ohne Werbung auskommt. Statt der benötigten 3000 fanden sich zu Beginn fast 14.000 Abonnenten, die bereit waren, einen Jahresbeitrag von 240 Franken (etwa 219 Euro) zu zahlen, dazu kamen Spenden- und Investorengelder in Höhe von 3,5 Millionen Franken (etwa 3,2 Millionen Euro). Nun zeigt sich, dass die Kalkulationen für einen langfristigen Betrieb zu optimistisch waren. „Das Team ist gut, das Produkt ist gut, aber wir sind im letzten Jahr nicht genug gewachsen“, sagt Mitgründerin Clara Vuillemin. Das Hauptproblem sei, dass nicht genügend Leser ihr bestehendes Abonnement verlängerten. Dadurch müssten immer mehr neue Abonnenten gewonnen werden, um die laufenden Kosten zu tragen. Gleichzeitig gestanden die Gründer in ihrem Blogbeitrag ein, das Marketing vernachlässigt zu haben, „eine der Haupttodesursachen von Start-ups“.

          Zahl der „Verleger“ stieg wieder auf mehr als 19.000

          Der dramatische Appell trägt nun erste Früchte: Nach der Kommunikationsoffensive stieg die Zahl der „Verleger“ von 18600 wieder auf mehr als 19.000. „Es ist schön, was jetzt passiert“, sagt Vuillemin über die Reaktionen, „das hat uns extrem positiv überrascht“. Viele Leser teilten mit: „Ich gehe mit euch ins Risiko.“ Neben konstant 19 000 Abonnenten hoffen die Betreiber des Online-Magazins auf 2,2 Millionen Franken aus Spenden, freiwillig entrichteten höheren Beitragen und Investorengeldern. Ein aufwendiges Firmenkonstrukt mit zwei Gesellschaften soll Einflussnahme von außen unterbinden, auf ihrer Website legen die Gründer offen, wer Anteile an der „Republik“ hält.

          Zuletzt sei es trotz begrenzter Ressourcen gelungen, die gesellschaftliche Debatte zu prägen, sagt Clara Vuillemin. Journalistisch hatte das Medium unter anderem mit seiner Recherche zu einem Baukartell im Kanton Graubünden für Aufsehen gesorgt. Bei der Suche nach Fehlern nennen die „Republik“-Macher unter anderem, keine klaren Entscheidungsstrukturen aufgebaut zu haben, die Folge sei „eine brutale Verschwendung von Lebenszeit und Energie“ gewesen. So rotierten die beiden Chefredakteursposten anfangs innerhalb der Redaktion, ein Verfahren, dass inzwischen wieder aufgegeben wurde. Mitgründerin Clara Vuillemin gibt sich trotz der Anfängerfehler zuversichtlich, dass das junge Medium überleben wird: „Wir glauben an leserfinanzierten Journalismus. Es funktioniert, wenn man bereit ist, Leser einzubeziehen und unheimlich transparent zu sein.“ Ein Knackpunkt dürfte der kommende Januar sein. Dann müssen wieder viele bestehende Leser ihre auslaufenden Abonnements verlängern.

          Weitere Themen

          Gestohlenes Klimt-Werk nach 20 Jahren wieder aufgetaucht Video-Seite öffnen

          Sensationsfund : Gestohlenes Klimt-Werk nach 20 Jahren wieder aufgetaucht

          Ein durch Zufall gefundenes Gemälde wurde als das vor mehr als 20 Jahren gestohlene Werk von Gustav Klimt "Bildnis einer Frau" identifiziert. Das Gemälde wurde im Dezember in der Außenmauer eines italienischen Museums in Piacenza entdeckt. Nun bestätigt die Museumsleitung, dass es sich bei dem Fund tatsächlich um das Original handelt.

          Von einer Dunkelheit in die nächste

          FAZ Plus Artikel: Iran nach dem Abschuss : Von einer Dunkelheit in die nächste

          Der Abschuss der Passagiermaschine mag ein Versehen gewesen sein. Das Netz von Lügen, das die iranische Propaganda tagelang spann, war es nicht. Bei jeder Katastrophe kommt inzwischen die Frage auf, ob die Regierung ihre Finger im Spiel hatte. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.