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Nicholas Sandmann : Schüler einigt sich mit „Washington Post“ über 250-Millionen-Dollar-Klage

Szene des Anstoßes: Nicholas Sandmann und Nathan Phillips in Washington. Bild: Reuters

Im Januar 2019 machte ein Video die Runde, das suggerierte, ein junger, weißer Schüler habe einen Amerikaner indigener Abstammung rassistisch beleidigt. Die „Washington Post“ war bei der Entrüstung ganz vorn dabei. Doch erwies sich die Sache als Fake.

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          Der Schüler Nicholas Sandmann und die „Washington Post“ haben eine Klage auf 250 Millionen Dollar Schadensersatz außergerichtlich beigelegt. Das gaben Sandmann und die Zeitung am Freitag bekannt. Zu den Details und der Höhe der mutmaßlich gezahlten Summe äußerten sich die Anwälte der Familie Sandmanns und der “Washington Post“ nicht.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sandmann war gegen sieben Artikel der „Washington Post“ und gegen zahlreiche andere Medien, unter anderem den Sender CNN, vorgegangen. Die Publikationen handelten von einem Zusammentreffen Sandmanns und seiner Mitschüler von der Covington Catholic High School in Kentucky am 28. Januar 2019 mit dem älteren Amerikaner indigener Abstammung Nathan Phillips vor dem Lincoln Memorial in Washington. Sandmann war beim „March for Life“, Philipps hatte am „Indigenous Peoples March“ teilgenommen.

          Ausgehend von dem obskuren Twitter-Konto „@2020fight“, das der Kurznachrichtendienst wenig später sperrte, war ein Kurzvideo viral gegangen, dass nahelegte, der Schüler habe sich dem Älteren gegenüber rassistisch verhalten. Auch die ersten Artikel der „Washington Post“ waren von dieser Annahme getragen. Es entwickelte sich die übliche Netz-Entrüstungslawine. Ein längeres Video zeigte dann jedoch, dass die Schüler von einer religiösen Gruppe, die sich „Black Israelites" nennt, provoziert worden war. Nathan Phillips war mit seiner Handtrommel auf der Szene erschienen, um die Situation zu beruhigen.

          „Wir sind froh, zu einer einvernehmlichen Lösung gefunden zu haben“, sagte die „Washington Post“-Sprecherin Kristine Coratti Kelly amerikanischen Medienberichten zufolge. Nicholas Sandmann sei zu einer Lösung bereit gewesen, sagte sein Anwalt Todd McMurtry, weil sich die „Washington Post“ in ihrer nachfolgenden Berichterstattung und Kommentierung beeilt habe, die „ganze Wahrheit zu veröffentlichen.“

          Sandmann, der gerade seinen achtzehnten Geburtstag gefeiert hat, freute sich über die Einigung. Der Fall sei erledigt, aber es gebe noch weiteres zu tun, schrieb er auf Twitter und bedankte sich bei seiner Familie und seinem Anwalt. Er habe sich mit der „Washington Post“ und CNN geeinigt, schrieb Sandmann, aber es gebe noch sechs offene Rechnungen: „The fight isn`t over, 2 down. 6 to go.“

          Sandmanns Eltern Julie und Ted, die für ihren Sohn prozessierten, hatten der „Washington Post“ vorgeworfen, sie habe journalistische Grundregeln missachtet und ihren Sohn zum Ziel gemacht, um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu treffen, indem man dessen vermeintliche Anhänger angreife. Nicholas Sandmann hatte seinerzeit eine rote Kappe mit der Aufschrift „MAGA“ getragen, der Abkürzung des Trump-Spruchs „Make America Great Again“.  Die „Washington Post“ rechtfertigte ihre Berichterstattung mit dem Hinweis, sie sei zunächst den Darlegungen von Nathan Phillips gefolgt.

          Die Summe von 250 Millionen Dollar, auf welche die „Washington Post“ verklagt worden war, hatte sich an dem Preis orientiert, den der Amazon-Chef und Multimilliardär Jeff Bezos bezahlt hatte, als er die Zeitung im August 2013 kaufte.

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