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News Corp gegen Google : Schlagabtausch in offenen Briefen

Bei einem Wirtschaftstreffen der G-8 im Mai 2011 haben Rupert Murdoch (l.) und Eric Schmidt sicherheitshalber Murdochs Ehefrau Wendy in die Mitte genommen Bild: Picture-Alliance

Ein furioser Angriff, eine auffallend blasse Gegenwehr: Der Medienriese News Corp und der Internetriese Google streiten in offenen Briefen über die Marktmacht im Netz.

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          Der Angriff kam von Robert, die Antwort geht an Rupert: In einem offenen Brief an den EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hat Robert Thompson, Vorstandsvorsitzender von Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp, den Umgang des Internetriesen Google mit den Verlagen angeprangert, die Gefahren beschrieben, die drohen, wenn der Konzern nicht schnell in seine Schranken gewiesen wird, und seine Hilfe dabei angeboten, die Tragweite der ausstehenden Entscheidung zu erfassen, wie die EU mit Google umgehen will.

          Auch wenn dort viele ehrenwerte Menschen arbeiteten, hätte sein Unternehmen gelernt, sich über Google keine Illusionen zu machen, schreibt Thompson: „Die strahlende Vision der Google-Gründer ist von einem zynischen Management ersetzt worden.“ Bemerkenswert erfolgreich sei Googles Fähigkeit, seine Nutzer zu Geld zu machen, allerdings habe das Unternehmen den Willen nicht erkennen lassen, die grundlegenden Urheberrechte zu respektieren, selbst wenn es ganz klar dazu in der Lage ist.

          Dass sich Google an den Inhalten und dem Publikum anderer bereichere, verursache nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch gesellschaftlichen Schaden, führt Thompson weiter aus. Das Geschäftsmodell derjenigen zu untergraben, die Inhalte veröffentlichen, führe letztlich zu einem weniger fundierten, dafür umso aufgebrachteren gesellschaftlichen Diskurs.

          Antwort ohne Farbe

          Nun stehen weitaus nicht alle News-Corp-Medien dafür, den gesellschaftlichen Diskurs sachlich und ausgewogen zu führen. Zu den Sendern des Konzerns gehören die populistisch-konservativen „Fox News“, zu den Zeitungen das britische Boulevardblatt „The Sun“ oder „News of the World“, die im Sommer 2011 nach einem Abhörskandal eingestellt werden musste.

          Trotzdem tut Google gut daran, in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort nicht etwa den Verfasser bloßzustellen. Die Vorwürfe, Google nutze seine marktbeherrschende Stellung, um Verlagen Bedingungen in einem für diese lebenswichtigen Geschäftsfeld zu diktieren, verlieren ja nicht an Gewicht, weil eine Branchengröße mit breitem Portfolio sie vorträgt, der auch das „Wall Street Journal“ und die britische „Times“ verlegt. Allerdings bleibt die Antwort, die Rachel Whetstone, Googles Vizepräsidentin für globale Kommunikation, direkt mit der Anrede „Dear Rupert“ an den Verwaltungsratsvorsitzenden Murdoch richtet, blass. 

          Bedenken mit Gewicht

          Auffallend blass: Auf Thompsons Beschwörung, das Internet als Plattform für den freien Gedankenaustausch und die Veröffentlichung wertvoller Inhalte von bleibendem Wert anzuerkennen, kontert sie mit dem Hinweis auf den Zugang, den Google so vielen Nutzern zu diesen Inhalten gewähre. Auch die journalistischen Förderprogrammen des Konzerns erwähnt sie. Den Vorwurf, Google ermögliche Online-Piraterie in großem Stil, beantwortet sie mit den umfangreichen Löschvorgängen aus den Ergebnislisten der Suchmaschine. Kaum eine der über fünfhundert Änderungen im Jahr an Googles Algorithmus habe tatsächlich Auswirkungen auf das Geschäft der Verlage, stellt Whetstone trocken fest. Und die Google-Gründer, Larry Page und Sergey Brin, seien nicht etwa durch ein „zynisches Management“ ersetzt worden, sondern stünden noch immer am Steuer des Unternehmens. Ist das der Klang einer - ganz im Sinne Thompsons - fundierten, wenig aufgebrachten Stellungnahme, der Klang kaum verhohlenen Desinteresses oder ist die Argumentation einfach in der Sache schwach?

          Thompsons Brief trägt den 8. September als Datum. Am selben Tag sprach Almunia in einem Fernsehinterview von neuen, „sehr, sehr schwerwiegenden“ Bedenken, ob die bisher angebotenen Zugeständnisse Googles ausreichend sind. Einige Beschwerdeführer hätten „neue Argumente, neue Daten, neue Überlegungen“ angeführt, die von der Wettbewerbsbehörde nun geprüft würden. „Wir müssen sehen“, sagte Almunia damals, „ob wir mit Google zu Lösungen kommen, die die Bedenken ausräumen können.“ Dass Almunia eine solche Lösung noch während seiner Amtszeit sehen wird, ist unwahrscheinlich: Sie läuft offiziell Ende Oktober ab.

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