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Facebooks „Trending Topics“ : Bekloppte Nachrichten

  • -Aktualisiert am

Alles Nachrichten, oder was? Da kann man sich bei Facebook nicht so sicher sein. Bild: AP

Seine kleine Nachrichtenredaktion hat Facebook entlassen. Ein Algorithmus macht nun den Job und wählt Artikel aus. Was dabei herauskommt, ist ziemlich durchgedreht.

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          Vor wenigen Monaten wurde bekannt, dass Facebooks News-Kuratoren, welche die Rubrik „Trending Topics“, eine Art Nachrichtenticker, mit Inhalten bestücken sollten, Vorgaben für die Quellenauswahl bekamen. So sollten Websites wie die der „New York Times“ bevorzugt, konservative wie das Portal „Breitbart News“ hingegen weniger berücksichtigt werden. Die Kuratoren, darunter einige Journalisten, sollten zudem den Namen des Konkurrenten Twitter in der Titelzeile vermeiden und stattdessen von „sozialen Medien“ schreiben. Der Bericht über die Anweisungen schlug hohe Wellen. Kritiker warfen dem Konzern vor, die Nachrichtenauswahl zu manipulieren. Der Handelsausschuss des amerikanischen Senats verlangte eine schriftliche Erklärung, der Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste sich vor dem Gremium rechtfertigen.

          Nun hat Facebook sein fünfzehnköpfiges Nachrichten-Team gefeuert und durch einen Algorithmus ersetzt. Das Kalkül war, dass eine Maschine neutraler sei als der Mensch. Facebook teilte mit, das Ziel, topaktuelle Nachrichten „für so viele Leute wie möglich zu erschließen“, sei „schwer zu erreichen, wenn wir einzig auf von Hand zusammengefasste Themen zurückgreifen würden“. Ein algorithmisch gesteuerter Prozess erlaube es, „Trending Topics“ zu ordnen und mehr Themen abzudecken sowie diese mehr Menschen weltweit zur Verfügung zu stellen. Das klang wie eine unfreiwillige Reminiszenz an den amerikanischen Ingenieur Frederick W. Taylor, der einmal schrieb: „Alle Denkarbeit muss aus dem Betrieb herausgenommen und in der Planungsabteilung konzentriert werden.“

          Das sollen wichtige Neuigkeiten sein?

          In puncto Nachdenken ist bei Facebook aber Fehlanzeige: Die ersten Ergebnisse der Algorithmen-Auslese sind eine einzige Katastrophe. Über das Wochenende speiste das Modul, wie der „Guardian“ aufzeigt, ein Video eines mit einem McDonald’s-Sandwich masturbierenden Mannes sowie eine Falschmeldung über die angebliche Entlassung der Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly in seine Trending Topics ein. Der Artikel, der es in die Rubrik schaffte, war auf der Website „Conservative 101“ publiziert und dann auf der rechtslastigen Seite „End The Fed“ aufgegriffen worden. Der Algorithmus wählt Artikel nach bloßer Häufigkeit aus, verifiziert aber die Inhalte nicht. Offensichtlich fiel die Falschmeldung über die „Verräterin“ Kelly ins Raster der Maschine. So wird Facebook zum Durchlauferhitzer von Fake-Nachrichten, die das politische Klima in den Vereinigten Staaten vergiften.

          Zwar hat Facebook die Falschmeldung entfernt, doch die Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des Filtermechanismus bleiben. Wenn immer mehr Müll in den algorithmischen Schleppnetzen landet, schadet das auch der Glaubwürdigkeit Facebooks, das Zuckerberg zu besten personalisierten Zeitung der Welt machen will. Das soziale Netzwerk hat mit 1,7 Milliarden Mitgliedern als Medienakteur besondere Verantwortung, gerade im Hinblick auf die anstehende Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten.

          Dass die Auswahl von Nachrichten an Maschinen delegiert wird, ändert nichts an der Tatsache, dass es hier um eine redaktionelle Entscheidung geht. Facebook betont zwar permanent, wie wichtig es dem Konzern sei, einen perfekt personalisierten Newsfeed für seine Nutzer zusammenzustellen. Das Ergebnis der automatisierten Auswahl ist bislang aber erratisch. Facebooks Algorithmen sind der Aufgabe nicht gewachsen.

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