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Vorwürfe gegen Porno-Portal : Zeigt „Pornhub“ Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen?

  • Aktualisiert am

Gegen Pornhub erhebt die „New York Times“ schwere Vorwürfe. Bild: AFP

Die „New York Times“ erhebt gegen die Pornoseite „Pornhub“ schwere Anschuldigungen. Dort fänden sich massenhaft Videos mit Kinderpornographie und Vergewaltigungen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

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          Ein Rechercheur der „New York Times“ erhebt schwere Vorwürfe gegen das Pornographie-Portal „Pornhub“. Die Seite sei, schreibt Nicholas Kristof, „überschwemmt von Vergewaltigungsvideos. Sie macht die Vergewaltigung von Kinder, Rache-Pornographie, versteckt aufgenommene Videos von Frauen unter der Dusche, rassistische und frauenfeindliche Inhalte und Bilder von Frauen, denen mit Plastiktüten die Luft genommen wird, zu Geld.“ Eine Stichwortsuche unter „Mädchen unter Achtzehn“ oder „14 Jahre“ führt zu jeweils mehr als 100.000 Treffern. In den meisten Fällen würden keine Kinder sexuell angegriffen, in viel zu vielen aber schon.

          „Hier geht es nicht um Pornographie, sondern um Vergewaltigung“, schreibt Kristof. „Wir sollten uns darauf verständigen, dass es sittenwidrig ist, sexuelle Übergriffe auf Kinder oder jemanden, der nicht bei Bewusstsein ist, zu unterstützen.“ Seinen Appell richtet der Autor insbesondere an die kanadische Regierung, da „Pornhub“ von dort aus operiert.

          „Offenkundig unwahr“

          „Pornhub“ weist die Vorwürfe, wie die Agentur Reuters berichtet, in einer Stellungnahme zurück: „Jedwede Behauptung, wir ließen Material zu, das den Missbrauch von Kindern zeigt, ist verantwortungslos und offenkundig unwahr.“

          Die Recherche der „New York Times“ hat jedoch Kreditkartenunternehmen, die mit „Pornhub“ zusammenarbeiten“ offenbar alarmiert. Mastercard teilte Reuters zufolge mit, man prüfe die Vorwürfe gegen „Pornhub“ und führe Gespräche mit „Mindgeek“, dem Mutterkonzern von „Pornhub“, der seinen Hauptsitz in Luxemburg hat. „Falls sich die Vorwürfe bestätigen, werden wir umgehend handeln“, so Mastercard. Visa teilte mit, man sei sich der Vorwürfe bewusst und dabei, den Vorgang gemeinsam mit den „relevanten Finanz-Institutionen zu untersuchen“, ebenso führe man Gespräche mit „Mindgeek“. Stelle sich heraus, dass „Pornhub“ gegen Gesetze verstoße, würden Überweisungen von Visa nicht mehr getätigt.

          Der Milliardär und Investor Bill Ackmann hatte die Kreditkartenkonzerne Mastercard und Visa aufgefordert, Zahlungen an „Pornhub“ vorerst zu unterbrechen. Er wandte sich mit seiner Forderung auch an American Express, deren Kreditkarte bei „Pornhub“ allerdings nicht anerkannt wird.

          Bill Ackman schlug vor, es für illegal zu erklären, dass Pornographie-Seiten Videos veröffentlichen, bevor sie von einem Prüfer gesichtet und das Alter und Einverständnis der Betroffenen bestätigt wurden. Nach Darstellung der „New York Times“ verfügt „Pornhub“ nur über sehr wenige Moderatoren, die einen Blick auf die weltweit eingehenden Videos haben. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau versicherte, seine Regierung arbeite mit der Polizei zusammen, um die Vorwürfe zu prüfen.

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