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„New York Review of Books“ : Die Geburt der Kritik aus dem Druckerstreik

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Im Juli wurde er mit der National Humanities Medal ausgezeichnet: Robert B. Silvers nach der Ehrung durch den amerikanischen Präsidenten Bild: picture alliance / dpa

Kein Forum, sondern ein Standpunkt: Die „New York Review of Books“ ist das beste Magazin der Welt. Ein Interview mit Robert Silvers, Chefredakteur seit 1963.

          Wie kam es zur Gründung der „Review“?

          Die Idee entstand während des Druckerstreiks in New York, bei einem Abendessen von Robert Lowell und Elizabeth Hardwick mit Jason und Barbara Epstein. 1959 hatte ich in „Harper’s Magazine“ einen Essay von Elizabeth Hardwick publiziert: „Der Niedergang der Buchrezension“. Ihre These: Die Rezensionsorgane legten den Schwerpunkt auf gefällige kleine Artikel und ließen nur milde Einwände zu - ihnen fehlte der kritische Ton. Das bezog sich auf die Rezensionsbeilage der „New York Times“.

          Vier Jahre später, als die Zeitungen wochenlang nicht erscheinen konnten, war es Jason Epstein, der den Gedanken hatte, dass dies die erste Gelegenheit in der Geschichte war, eine kritische Zeitschrift zu gründen, ohne dass man Geld hatte. Die Verleger waren verzweifelt. Sie brachten ein Buch nach dem anderen heraus, aber es gab keine Rezensionen. Es war zu erwarten, dass sie sich verpflichtet fühlen würden, im neuen Organ zu inserieren. Jason Epstein rief mich an und fragte mich, ob ich meine Stelle bei „Harper’s“ aufgeben würde, um beim Start der neuen Zeitschrift zu helfen. Ich erzählte davon meinem Chefredakteur, und er sagte: „Wunderbar! In einem Monat sind Sie wieder hier, aber es wird eine großartige Erfahrung gewesen sein.“ Ich habe Barbara Epstein sofort gebeten, meine Ko-Chefredakteurin zu werden. Wir schickten Bücher an Leute, die wir kannten oder denen wir vertrauten. Innerhalb von drei Wochen hatte fast jeder, den wir gefragt hatten, eine Rezension geschrieben - ohne Honorar. Die erste Ausgabe war sehr schnell ausverkauft.

          Dann brachten wir eine zweite Ausgabe heraus, um zu zeigen, dass dieser Erfolg sich wiederholen ließ. In den folgenden Monaten suchten wir nach Geldquellen, um im Herbst ernsthaft zu beginnen. Wieder war es Jason Epstein, der die entscheidende Idee hatte. Es wurden zwei Arten von Anteilen ausgegeben, B-Anteile für die Geldgeber, denen der Gewinn zufließen sollte, wenn es einen Gewinn gab, und A-Anteile für unsere kleine Gruppe. Wir hatten die redaktionelle Verfügungsmacht und ernannten den Chefredakteur. Es gab keinen Verleger, der Geld bereitstellte. Daher konnte uns niemand sagen, was wir zu tun hatten, welche Partei wir unterstützen und welchen Krieg wir bekämpfen sollten. Wir waren vollkommen frei - solange wir den Drucker bezahlen konnten.

          Heute haben Sie einen Verleger.

          1984 machte Rea Hederman uns ein Kaufangebot und sicherte uns vollkommene redaktionelle Freiheit zu. Wir sagten zu ihm: Na ja, Sie müssten ja nur die Schlösser auswechseln. Und er antwortete: Warum sollte ich die „Review“ verändern wollen? Ich mag sie, so wie sie ist, und gebe Ihnen jede Garantie, die Sie wollen. Einige Monate vergingen, und wir kamen zu dem Schluss, dass er es wirklich ehrlich meinte. Er hat sein Versprechen gehalten und noch nie eingegriffen.

          Von Anfang an haben Sie auch politische Artikel abgedruckt.

          Wir begannen ohne Bindung an eine politische Partei oder bestimmte politische Ansichten. Allgemein gesprochen, standen wir Regierungen skeptisch gegenüber, insbesondere ihren Verlautbarungen, der Regierungspropaganda. Wir protestierten gegen die Behandlung von Dichtern unter dem Schah, wir publizierten ein Interview mit Solschenizyn und viele Artikel über Andrej Sacharow. Wir haben V. S. Naipaul nach Argentinien geschickt mit dem Auftrag, die ganze Frage der politischen Gewalt zu untersuchen. Das Ergebnis war sein Buch „The Return of Eva Perón“. Wir haben Joan Didion zur Zeit der rechten Terrorherrschaft nach El Salvador geschickt, und sie hat darüber ein schönes Buch geschrieben, das wir als dreiteilige Serie abdruckten. Dieses Interesse an den Menschenrechten und insbesondere an der Behandlung von Schriftstellern schien uns selbstverständlich. Wir waren hier in New York, genossen die Freiheit, zu tun, was wir wollten; diese Leute wurden schikaniert, verhaftet, gefoltert. Wir hatten die offenkundige Pflicht, darüber zu berichten.

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