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Neven DuMont verlässt Verlagsvorstand : Aus dem Schatten des Patriarchen

Rückzug aus dem operativen Geschäft: Konstantin Neven DuMont Bild: dpa

Ist Konstantin Neven DuMont der richtige Mann, um den viertgrößten deutschen Zeitungsverlag zu leiten? Der jüngst durch anonyme Blogkommentare in die Schlagzeilen geratene Erbe beantwortet diese Frage nun selbst: Er zieht sich aus dem Vorstand von Dumont Schauberg zurück.

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          Am Computer von Konstantin Neven DuMont herrschte in den vergangenen Wochen viel Betrieb. Vom Rechner des Kölner Verlegers aus hatten sich unbekannte Verfasser mit einer beeindruckenden Menge an Kommentaren auf dem Blog des Medienjournalisten (und Kolumnisten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) Stefan Niggemeier ausgetobt, und die Frage, ob diese Stimmen von unbefugten Benutzern stammen oder doch aus dem Kopf von Neven DuMont selbst, war nur eines der vielen Rätsel, die seitdem im Raum standen. Das größte davon war: Ist Konstantin Neven DuMont der richtige Mann, um den viertgrößten deutschen Zeitungsverlag zu leiten?

          Harald Staun
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Nach einer Woche voller öffentlicher Häme und Spekulationen über seine Führungsfähigkeiten hat Neven DuMont jetzt gewissermaßen die Notbremse gezogen: Am Samstag meldete der „Spiegel“, dass sich der 40-Jährige aus dem Vorstand des Verlags M. DuMont Schauberg (MDS) zurückziehen will. Bisher ist Neven DuMont dort für „Unternehmensstrategie und Kommunikation“ zuständig. MDS gehören fast alle wesentlichen Kölner Zeitungen („Express“, „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“), 2006 wurden die „Berliner Zeitung“, die „Frankfurter Rundschau“ und die „Hamburger Morgenpost“ dazugekauft. Über den Ausstieg denke er schon seit geraumer Zeit nach, sagte Neven DuMont: Er sei doch mehr „auf der kreativen Seite zu Hause“. Er finde die Idee reizvoll, in den Aufsichtsrat zu wechseln und seine Energie in kleinere Eigenproduktionen, etwa zu Öko-Themen, zu stecken.

          Der Schatten des Patriarchen

          Mit dem Rückzug in den Aufsichtsrat könnte ihm der Vorstand die letzte Möglichkeit gegeben haben, sein Gesicht zu wahren. Vor allem im Umgang mit den jüngsten Vorwürfen machte Neven DuMont keine gute Figur. Zwar bestritt er, selbst hinter den 61 verschiedenen Pseudonymen (wie „Kopf Schüttel“, „Hans Wurrst“, „Peter Zahlungsfreudig“ oder „Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen“) zu stecken, die seit Ende September eine dreistellige Anzahl von Kommentaren im Niggemeier-Blog gepostet hatten. Besonders glaubwürdig wirkte seine Erklärung aber nicht: Zwei „anonyme Kommentatoren“, die „Zugang“ zu seinem Rechner gehabt haben, wären für die Einträge verantwortlich, sagte Neven DuMont. Die Indizien sagen etwas anderes: Alle Kommentatoren verwendeten die eher ungewöhnliche E-Mail-Adresse Neven DuMonts, auch ihre Formulierungen ähnelten teilweise jenen, die Neven DuMont benutzt hatte, als er zuvor unter seinem richtigen Namen Kommentare im Blog abgegeben hatte.

          Als Sohn des heute 83-jährigen Patriarchen Alfred Neven DuMont musste sich Konstantin Neven DuMont schon immer mit gewissen Zweifeln an seiner Eignung für das Erbe herumschlagen. Spätestens als er vor zwölf Jahren in die Geschäftsführung eintrat, dürfte ihm klar geworden sein, dass sich die übermächtige Figur des „Alten“, wie sein Vater in Köln gerne genannt wird, als Hypothek erweist: In kaum einem Porträt fehlte der Hinweis, dass dessen Fußstapfen zu groß seien oder sein Schatten zu lang. Und immer wurde Konstantin Neven DuMont als „sonderbar“ beschrieben, als „ungelenk“ oder „sensibel“, als naiver Idealist, der lieber aus dem Fenster schaut und sich überlegt, wie er die Welt retten kann, die Demokratie oder zumindest das Image Kölns. Er würde bald eine CD mit politischen Liebesliedern veröffentlichen, hatte Neven DuMont vor ein paar Monaten angekündigt. Im Verlag hatten das viele als Drohung verstanden. Jetzt hat er alle Freiheiten, die man als Künstler braucht.

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