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Neues Format von Kai Pflaume : Der Besuch des unbefangenen Moderators

Kai Pflaume und seine Truppe Bild: Pflaume

Kai Pflaume macht für die ARD Unterhaltung, die nicht nur unterhält: In „Zeig mir deine Welt“ erzählen Menschen mit dem Downsyndrom.

          Kai Pflaume ist ein Unterhaltungsmoderator. Er macht den Job mit Verve, mit Neugier und mit einer Menschenfreundlichkeit, die keine Pose ist. Er macht einen Job, der leicht unterschätzt wird. Der dazu verleitet, diejenigen, die ihn machen, zu unterschätzen. Er hat Mut, er moderiert Shows, aber ein Show-Man ist er nicht. „Seit ich Fernsehen mache“, sagt er, „bin ich auf der Straße unterwegs“. Er trifft Menschen und hört sich ihre Geschichten an. Er bittet sie zum Wettstreit, er hat sie in „Nur die Liebe zählt“ verkuppelt. Doch er stellt sie nicht aus, geschweige denn bloß. Seit zwanzig Jahren ist er auf dem Bildschirm, jetzt wagt er sich für die ARD an eine Sendung, die aus dem Rahmen fällt, in dem sich die Fernsehunterhaltung für gewöhnlich abspielt: Am 19. Juni beginnt im Ersten „Zeig mir deine Welt“. Die, deren Welt wir sehen, sind Menschen mit dem Downsyndrom.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wie das ins Unterhaltungsprogramm passt, das kann man sich aufs erste Hören nicht vorstellen. Wenn man ein Stück davon gesehen hat, allerdings schon. Keine Reportage dürfen wir erwarten, keine Interviews mit Experten, keinen Problemabend. Stattdessen gibt es - Lebensfreude pur. Die Lebensfreude, wie sie Verena Heister, Ottavio Tavormina und Sebastian Urbanski ausstrahlen, die zu den jungen Leuten gehören, die Kai Pflaume besucht. Er interviewt sie nicht, grast nicht ihr privates Umfeld ab, er ist zu Besuch. Und als solcher muss er umgehend die Fragen seiner Gegenüber beantworten. Wie viele Kinder er habe, ob die auch das Downsyndrom hätten, ob er nicht vielleicht ein wenig zugenommen habe? Die Kamera hält nicht frontal drauf, sondern schaut den Protagonisten über die Schulter und schafft Inklusion auf selbstverständliche Weise: Wir sehen die Welt, so es eben geht, einmal mit anderen Augen.

          „Das zentrale Element ist Lebensfreude“

          „Zeig mir deine Welt“ ist Kai Pflaumes Idee. Vor vier Jahren kam er darauf, als er die Sendung „Down met Johnny“ sah, ein Stück von Johnny de Mol, in dem Menschen mit Downsyndrom die Hauptrolle spielen - sie erzählen von ihren Plänen und Träumen, ganz ähnlich dem, was Pflaume im Sinn hat. Es dauerte eine Weile, bis alles zusammenkam - der produzierende Sender (NDR), die Herstellungsfirma seines Vertrauens (i&u TV von Günther Jauch) und eine Sendestrecke, die zur Einführung einer solch ungewöhnlichen Sendung taugt: Am 19. Juni startet „Zeig mir deine Welt“ um 21.45 Uhr nach dem Film „So wie du bist“, in dem es ebenfalls um Menschen mit dem Downsyndrom geht, an den folgenden drei Tagen laufen die nächsten Episoden im Vorabendprogramm um 18.50 Uhr. Er finde es großartig, sagt Pflaume, dass sich die ARD für das Thema Downsyndrom mit einer solchen Programmierung so stark mache.

          Zu sehen gibt es Kai Pflaume, wie er sich mit dem schüchternen Ottavio beim Friseur ein kleine Wasserschlacht liefert, bei der sein Begleiter auftaut, bis er sich endlich traut, die von ihm angehimmelte Friseurin nach ihrem Namen zu fragen. Oder ein Gespräch mit dem Schauspieler Sebastian Urbanski, dessen Großmutter meint, er und seine Partnerin in dem Film „So wie du bist“ seien doch ein schönes Paar. Der junge Mann ist aber vergeben und weiß auch, warum: weil er für seine Freundin „Wärme“ empfindet, „die von Herzen kommt“. So purzeln Sätze, die zu Herzen gehen, direkt und ohne Umschweife, ohne dass es etwas Sentimentales hätte. Für Menschen mit Downsyndrom ist das selbstverständlich, normal, und nicht nur bei dieser Gelegenheit fragt man sich unwillkürlich, was „normal“ eigentlich ist.

          Bei „Zeig mir deine Welt“ geschieht das alles wie nebenbei und folgt einem Tenor: „Das zentrale Element ist Lebensfreude“, sagt Kai Pflaume, der die Idee zu diesen zunächst vier Filmen verfolgte, weil er den Eindruck hatte, „dass diese Menschen sehr viel und ausgesprochen interessante Dinge zu erzählen haben“. So viele, dass es auch für mehr als vier Folgen reichte. „Für mich ist wichtig, dass unsere Hauptdarsteller und ihre Familien sagen: So fühle ich mich verstanden, ein tolles Projekt. Unterhaltung“, sagt Pflaume, „kann Türen aufstoßen, wie es die klassische Reportage etwa nicht könnte.“ Er macht die Türen weit auf.

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