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Wortklauber beim BR : Neuer Name, neues Image?

Einen Namen hat nun wirklich jeder, das zeigt schon ein Blick auf die Klingelschilder eines Kölner Wohnhauses. Manch eine Institution will nominell ganz anders auftrumpfen. Bild: Picture-Alliance

Damit man als altbackene Institution frisch rüberkommt, muss man sich nur einen neuen Namen geben, schon wirkt man modern. Das scheint der Bayerische Rundfunk zumindest zu glauben – und greift zum verbalen Facelift.

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          Will einem partout nichts Neues einfallen, weder inhaltlich noch medial, obwohl man doch gerne frisch und jung und jugendlich, innovativ und lebenslang lernbereit erscheinen möchte, hilft nur die verbale Flucht nach vorn. Schließlich braucht selbst der kleinste „Jetzt neu!“-Aufkleber seine Minimalrechtfertigung („Verbesserte Rezeptur!“), um Wohlvertrautem den Reiz des Unbekannten anzudichten. Und so sucht man, bleibt die Rezeptur immer die nämliche, sein Heil eben im kühnen Namenswechsel.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Neuer Name, neues Logo, neues Image, lautet die Hoffnung, selbst wenn gilt: Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix. Die Hamburger Symphoniker heißen deshalb ab kommender Spielzeit „Symphoniker Hamburg - Laeiszhalle Orchester“, was mal unter dem Begriff Hosenröcke lief, tritt als Culottes auf, die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young wollen EY gerufen werden, die Siemens-Tochter Healthcare fühlt sich unter dem zungenbrecherischen, mit angelsächsischem „th“ protzenden Kunstwort Healthineers besser verstanden, und der strauchelnde Energieriese RWE gibt seinen Töchtern Namen, die Kindern von amerikanischen Celebrities alle Ehre machen würden. Innogy und Amprion, da wäre Kim Kardashian nie drauf gekommen.

          Auch die Öffentlich-Rechtlichen machen mit. Einsfestival? Der Sender sollte dem gemeinsamen Jugendangebot ARD und ZDF weichen. Nun wird der Spartenkanal in „One“ umgetauft, und alles ist gut. Beim BR hingegen scheint in der Videotext-Redaktion die Sorge umzugehen, man könnte sie glatt vergessen über all dem Digitalisierungs- und Jugendgerede, und gönnt sich deshalb zum dreißigsten Geburtstag – einen neuen Namen. Aus „Bayerntext“ wird „BR-Text“.

          Das ist ja ganz was Neues. Da schauen wir natürlich gleich ganz anders auf die guten alten Teletext-Tafeln, die optisch in die Urzeiten der Computerära entführen und die beruhigende Botschaft ausstrahlen: Manches bleibt doch immer so, wie es ist.

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