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Italo-Krimi im Ersten : Herr Rossi und die ewige Studentin

Im Damensitz: Poliziotto Roberto Rossi (Leonardo Nigro) nimmt Malpomena del Vecchio (Katharina Wackernagel) mit. Bild: ARD Degeto/Gordon Mühle

Wenn deutsche Fernsehfilmer in Italien drehen, wird es kitschig und komisch. Kein Wunder, dass einem der neue „Urbino-Krimi“ der ARD spanisch vorkommt.

          Ein Hauch von Italo-Disneyland: das Kopfsteinpflaster, die engen Gassen, die Wäscheleinen, die eingetopften Zitronenbäumchen, die Olivenbaumzweige vor dem Sonnenuntergang und natürlich die knatternde Vespa. Wir sind im Sehnsuchtsland der Deutschen. Doch das Italien-Bild des „Urbino-Krimis Die Tote im Palazzo“ ist trügerisch, steckt voller inszenierter Patina und die Italiener sind auch nur Kulisse.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Da ist der Kleinstadtpolizist Roberto Rossi (Leonardo Nigro), dessen Hemd nie knittert oder nicht den kleinsten Schweißfleck kennt. Ihm zur Seite steht die ewige Medizinstudentin – „19. Semester“ – Malpomena del Vecchio (Katharina Wackernagel). Sie ist adliger Abstammung, pflegt Latein in ihren Redefluss ein und trägt gern bunte Kostüme. Die weitere Besetzung folgt dem Klischee-Schema F: Der eitel überzeichnete Geck und Vorgesetzte von Rossi, Kommandante Nevio Cottelli (Tonio Arango), der Stadtstreicher Luigi (Axel Neumann), Rossis trotteliger Bruder Osvaldo (Daniel Steiner) und der Polizeihauptkommissar a.D. Thilo Gruber (Hannes Jaenicke) treten in einem Italien auf, das wirkt wie aus einem Film aus den fünziger Jahren.

          Deutsche Heimatfilmoptik im italienischen Sommergewand

          Doch dafür, dass sich hier deutsche Heimatfilmoptik im italienischen Sommergewand präsentiert, geht es in dem Film, bei dem Uwe Janson Regie führte, doch ziemlich zur Sache. In Urbino, einer Kleinstadt in den Marken, wird eine Frauenleiche gefunden. In einer Zisterne unterhalb des Palazzo Ducale ist sie auf einer Holzkiste aufgebahrt, die wie ein Altar wirkt. Und weil alle anderen Kommissare krank sind, übernimmt Rossi den Fall, der sonst Touristen um ein übertriebenes Bußgeld erleichtert und sich mittags einen Grappa zum Espresso gönnt. Sein Dienstmobil ist eine Vespa.


          In Bewegung bringt das Drehbuch von Uli T. Swidler, Uwe Janson und Andreas Knaup allerdings vor allem ein gewaltiges Figurenkarussell. Oft haben die Figuren nur einen Satz, um sich dem Zuschauer vorzustellen. Danach tauchen sie nur noch in kurzen Überblendungen auf. Der orakelnde Stadtstreicher, der Gärtner des Palazzo, der Bio-Gemüseverkäufer nebst seiner dreirädrigen Gemüsekutsche, der Vize-Bürgermeister und dessen Sohn, der Rossi auf seiner blauen Vespa von der Straße fegt – alle sind verdächtig.

          Seltsam anmutenden Detailaufnahmen

          Filmisch verpackt wird das Ganze mit Panoramabildern der Weltkulturerbestadt und seltsam anmutenden Detailaufnahmen. Wir sehen Stempel, Polizeiwappen, Hundemumien, geschnitzte Vogelköpfe und immer wieder Ausschnitte von Gemälden aus der Renaissance, wie sie in der Galleria Nazionale delle Marche im Palazzo Ducale ausgestellt sind. Das soll wohl geheimnisvoll wirken. Allerdings ist kaum eines der Details für die Geschichte von Belang.

          Der Handlungsbogen reicht vom Okkulten bis zum dolce far niente, die Kulisse wechselt von diversen Palazzi über Olivenhaine bis zu Bannkreisen aus Salz. Die Entwicklung von Roberto Rossi vom rollerfahrenden Dorfpolizisten zum knallharten Ermittler, der seinem Chef die Lupara (eine abgesägte Schrotflinte) unter die Nase hält, als es brenzlig wird, ist ebenso rasant wie die Abfolge der Verbrechen und der Verdächtigen. Das wird irgendwann selbst Rossi zu viel: „Ein Kampf, eine Vergewaltigung, das Wachs, die Bibel, die Zisterne – wie passt das alles zusammen?“ Die Antwort ist: gar nicht.

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